RAE: Die Wächter über die spanische Sprache

Die Königliche Spanische Akademie (Real Academia Española/RAE) gibt es seit über 300 Jahren. Sie ist verantwortlich für das Werk Diccionario de la lengua Española, also das akademische lexikographische Werk par excellence. Warum Frankreich einst das Vorbild war, wie viele Menschen Castellano sprechen und wie sich die Akademie entwickelt hat:

von Tobias Büscher

Das 18. Jahrhundert hatte es in sich für die Spanier. Spanische Truppen nahmen Barcelona ein (9.11.1714), der Königspalast ging in Flammen auf (1743) und die Urfassung des heutigen Lexikons der spanischen Sprache kam auf den Markt (1780).

Seitdem sind 23 Ausgaben des Werks erschienen, das im Laufe der Zeit zum Standard-Nachschlagewerk und Nachschlagewörterbuch geworden ist. Das Wörterbuch der spanischen Sprache richtet sich, Vorsicht kuriose Worte jetzt, an Muttersprachler und an alle, die Spanisch als Fremdsprache nutzen. 

Also an rund 500 Millionen Menschen von den Philippinen über Spanien bis nach Lateinamerika.

Das Lexikon der spanischen Sprache ist heute online ein hochmodernes Nachschlagwerk, das altes Wissen mit Künstlicher Intelligenz verbindet. Betreut wird es nach wie vor von der Real Academia Española. 

Die wurde übrigens erst 1713 gegründet, die Académie Française gibt es dagegen schon seit 1635. Und so war sie auch ein Vorbild damals für die spanischen Gelehrten. Ein langer Weg also, der auch ganz wörtlich dargestellt wird: Durch den Camino de la Lengua Castellana.

Saubere Sprache, entstanden aus Vulgärlatein

Als König Felipe IV der Akademie im Jahr 1714 den königlichen Status gab, lautete das Motto: „Limpia, fija y da esplendor“. Gemeint war damit: Das Spanische sollte reinigen, festigen und Glanz verleihen. Dabei blieb unerwähnt, dass die Basis des Castellano Vulgärlatein ist. Mönche hatten einst Randnotizen in die Bücher auf Latein geschrieben (Siehe Randnotiz “Infos aus Granit”)

Damals hätte sich niemand träumen lassen, dass im Land Spanien einst drei weitere Sprachen offiziell anerkannt sind: Baskisch, Galicisch und Katalanisch. Und genau das geht konservativen Sprachpuristen sehr auf die Nerven.

Im Jahr 1726 veröffentlichte die Akademie ihr erstes großes Werk: Das Lexikon der Autoritäten (Diccionario de autoridades) mit vielen Zitaten und Sprachregeln. Der aktuelle Diccionario de la lengua española ist natürlich viel umfangreicher. Er umfasst über 93.000 Stichwörter.

Die RAE publizierte auch wichtige Werke zur Grammatik (seit 1771) und Schreibweisen (seit 1741), die den Sprachgebrauch regeln. Alle Ausgaben dienen als Grundlage für Bildung, Verwaltung und Kultur im spanischsprachigen Raum. Was das bedeutet? In Galicien; Katalonien und dem Baskenland gelten ganz eigene Sprachregeln, vor allem beim Geschichtsunterricht.

46 Sprachchefs

Die Akademie mit Sitz in Madrid besteht heute aus 46 Mitgliedern (académicos de número) und einigen Ehrenmitgliedern.

Seit 1951 arbeitet die RAE eng mit den 22 nationalen Sprachakademien aus Lateinamerika, den Philippinen (lange Kolonie Spaniens) und Äquatorialguinea zusammen. Der Dachverband nennt sich Asociación de Academias de la Lengua Española (ASALE). Dort werden auch die Unterschiede untersucht. 

So heißen Straßenbusse in Spanien autobús, in Argentinien guagua, ein Ausdruck, der nach der Rückkehr einiger Emigranten aus Kuba auch auf den Kanarischen Inseln üblich ist. Die Veröffentlichungen der RAE sind frei zugänglich.

Carmen als Chefin der Sprache

Die RAE war 200 Jahre lang ein reiner Männerverein, was sich erst nach Diktator Francos Tod (1975) änderte.

Danach entstand die Kulturbewegung Móvida, die Zeitung El País; die Spanische Verfassung. Und so ganz nebenbei wurde eine Frau Sprachchefin. Undenkbar in Zeiten der Spanischen Diktatur:

Die brillante Autorin und Uniprofessorin Carmen Conde Abellán (1907-1996) wurde 1979 als ersten Frau Vorsitzende der Königlichen Spanischen Akademie. 

Ihre Kindheit hatte sie in Marokko verbracht, weshalb auch ihr Französisch sehr gut war. 

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