Spaniens Sprachweg Camino de la Lengua Castellana

Der Camino de la Lengua Castellana ist im Jahr 1998 enstanden: als Weg der Spanischen Sprache. Er führt vorbei an mehreren wichtigen Orten in Zusammenhang mit der linguistischen Entstehung, darunter an Klöstern und Städten wie Ávila und Alcalá de Henares, dem Geburtsort von Cervantes. Spanisch ist heute nach Mandarin und Hindi das drittstärkste Idiom der Welt, auch wenn manche im Land selbst ihre Regionalsprache bevorzugen.

von Tobias Büscher

Was ist der Camino de la Lengua Castellana? Ein sprachthematischer Kulturweg, der die wichtigsten Stationen der Entwicklung des Kastilischen in Spanien verbindet. Die Route führt durch sechs Orte, die dabei eine zentrale Rolle gespielt haben und nach wie vor spielen.

Anders als die 1300 km lange Straße der Deutschen Sprache durch Thüringen, Sachsen und Nordbayern ist der Camino durch die Rioja und Kastilien zwar nur 590 km lang, aber um Längen bekannter. Wenn auch längst nicht so pupulär wie der Jakobsweg.

Sechs Stationen des spanischen Sprachwegs

San Millán de la Cogolla: Im Rioja-Kloster schreiben Mönche Notizen in lateinische Bücher. Es sind die ersten spanischen Wörter
Santo Domingo de Silos: Das Kloster archiviert viele mittelalterliche Manuskripte
Valladolid: Die frühere Hauptstadt Spaniens ist eine Hochburg der Sprachwissenschaft
Salamanca: Die Anwohner der Uni-Stadt sprechen besonders akzentfrei Spanisch
Ávila: Hier kam die Teresa von Ávila zur Welt und schrieb Mystisches
Alcalá de Henares: Hier kam Miguel de Cervantes zur Welt und schrieb Weltliteratur

Wie sich Castellano zur Weltsprache entwickelte

•    Kastilisch entstand aus dem Vulgärlatein römischer Besatzer.
•    Die ersten schriftlichen Zeugnisse sind Randnotizen in Büchern von Mönchen aus der Region La Rioja.
•    Der Sprachwissenschaftler Antonio de Nebrija veröffentlicht 1492 die erste Grammatik der kastilischen Sprache, genannt gramática de la lengua castellana. Im selben Jahr beginnt die Eroberung Süd- und Mittelamerikas durch spanische Konquistadores. So wird Spanisch unter König Carlos V. (siehe unten) zur Weltsprache.
•    Nebrija lehrt auch an der Uni von Salamanca, dem wissenschaftlichen Sprachzentrum Spaniens.
•    1547 kommt Miguel de Cervantes in Alcalá de Henares zur Welt. Den Roman Don Quijote verfasst er im Gefängnis (Steuerhinterziehung).
•    Der Camino de la Lengua Castellana entwickelt sich seit 1998 und soll das Bewusstsein für das Castellano stärken.

Erstaunlich daran: Weder die Katalanen noch die Basken noch die Galicier haben bislang einen Weg zu ihrer eigenen Sprache entwickelt, auf die sie doch so stolz sind.

Castellano oder Español?

Der Begriff Castellano für Spaniens Hauptlandessprache entwickelte sich unter dem damaligen Königreich Castilla, was wiederum von Castillo (Festungsanlage; Burg) kommt.

Castellano und Español bedeutet ein und dassselbe. Und dennoch sind die Sprachnamen laut Real Academia Española unterschiedlich im Einsatz. Niemand bei uns würde Castellano sagen, alle nennen die Sprache Spanisch oder Español. Im Inland dagegen bevorzugen die Spanier Castellano: als Vergleich zu den Regionalsprachen Catalán, Vasco und Galego. 

Die Königliche Akademie gibt regelmäßig den Diccionario de la lengua española (DLE) heraus, der sich aus der Grammatik von 1492 ständig weiterentwickelt hat. 2026 kommt die 24. Auflage auf den Markt.

Ähnlich wie der Duden hat die spanische DLE-Redaktion (siehe Link) übrigens eine sehr gute Webseite, auf der die User Vokabeln und deren Bedeutung ermitteln und sich über die neuesten Sprachtrends informieren.

Wieviele Menschen in der Welt sprechen Spanisch?

Auch diese Frage ist auf dem Camino de la Lengua Castellana ein Thema. Und das Cervantes-Institut mit Hauptsitz in Alcalá de Henares veröffentlich dazu regelmäßig neue Zahlen. Unter dem Titel El español en el mundo. Im Jahr 2026 sprechen demnach bereits über 600 Millionen die spanische Sprache.

Damit liegt Español weltweit an Platz 3 hinter Mandarin und Hindi. Auch interessant: Das Land, in dem am meisten Menschen Spanisch sprechen, ist nicht etwa Spanien (50 Millionen), sondern Mexiko (125 Millionen).

Und in den USA steigt die Zahl der Hispanohablantes so schnell, dass sich dort bereits in den nächsten Jahren die meisten Menschen auf Spanisch unterhalten werden.

"Das kommt mir spanisch vor"

Nun bleibt zum Schluss noch eine Frage: Warum sagen wir "das kommt mir spanisch vor"? 

Der Satz kommt aus der Zeit von König Carlos V, der im 16 Jahrhundert sehr schlecht Deutsch sprach und so ziemlich alles auf Spanisch sagte. Auch gegenüber Blaublütern aus dem deutschsprachigen Raum. Und die fanden das ziemlich extraño, raro und bizarro, sprich merkwürdig.

Übrigens. Carlos V hat viel mit der Verbreitung der spanischen Sprache in aller Welt zu tun. Und somit auch mit der Route der kastilischen Sprache: In seine Zeit fiel die Eroberung vieler Länder Lateinamerikas. Und so verkündete Euer Ehren, schon mit 19 Jahren im Amt, immer wieder gerne: "Ich leben in einem Reich, in dem die Sonne nie untergeht."

Auf Spanisch natürlich.

(tb)

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