Reiseziel Madrid: Gatos, Giganten und Goya

Madrid-Autor Tobias Büscher erzählt im Interview, was ihm an Madrid besonders gefällt. Warum die Bewohner von Spaniens Hauptstadt Katzen heißen und das Wahrzeichen aus einem Bär und einem Baum besteht.

DuMont und Reise Know How-Autor Tobias Büscher im Interview mit Nina Neumann.H

err Büscher, Sie schreiben Reisebücher über Madrid und Spanien, seit sie 26 sind. Wo machen Sie eigentlich Urlaub?

Im Madrider Stadtviertel Huertas, im dortigen Retiro-Park, im Fußballstadion. Nein, Spaß beiseite. Urlaub kennen wir Reiseautoren kaum. Doch die Recherche vor Ort ist eine wunderbare Arbeit, auch weil ich in Madrid viele Freunde habe, Journalisten, Köche und meine Lieblings-Markthändlerin Juana. Nur im Hochsommer fahre ich nie nach Madrid, da ist es einfach zu heiß. Dann bin ich lieber in Südgalicien am Atlantik.

Royals und Real Madrid

Ich war 2019 in Madrid. Ist der Königspalast eigentlich das Wahrzeichen?

Nicht einmal der König selbst ist mehr ein Wahrzeichen, zu sehr stand Felipes Vater Juan Carlos und seine Familie wegen Eskapaden und Korruptionsverdacht in der Kritik. Eher ist das Stadion von Real Madrid ein Wahrzeichen, aber inzwischen baut der Verein ein neues mit Hilfe eines deutschen Architektenbüros aus Hamburg. Das wirklich echte Wahrzeichen von Madrid ist der gusseiserne Bär mit Erdbeerbaum. Er steht auf dem zentralen Platz Puerta del Sol.

Was haben denn Bären und Erdbeerbäume mit Madrid zu tun?

Bär steht für den Adel, Erdbeerbaum für den Klerus. Die hatten Madrid lange im Griff. Und auch heute ist der kirchliche Einfluss in der Hauptstadt wieder erkennbar. Die aktuelle konservative Stadtverwaltung gibt sich betont bibeltreu und streng. Sie hat unter anderem den Verkauf von Bier nach 22 Uhr in den Kiosken untersagt. Wegen Ruhestörung durch die Jugendlichen mit ihren Litronas. Das sind 1-Liter-Flaschen, die sie gerne auf den Plätzen der Stadt trinken, weil ihnen die Kneipen zu teuer sind: mehr dazu

Noch mal zu Bär und Baum. Was sind denn Erdbeerbäume?

Erdbeerbäume wachsen als Heidekräuter auf den Kanaren. Ganz schön weit weg von Madrid. Die Früchte sind ungenießbar, aber die Madrilenen machen einen Likör daraus. Der Schnaps heißt Licor de Madroño und gehört zu den Kultgetränken Spaniens.

Rastro, Huertas und das verkaufte Sonnentor

Mal Hand auf´s Herz Herr Büscher: Bringen Sie solche Sachen als Erinnerung mit nach Deutschland?

Nie, was ich aus Madrid mitbringe, ist immer eine Serrano-Schinkenkeule und Heimweh nach Madrid. Die Schinkenkeule darf übrigens im Flieger ins Handgepäck. Das lange Messer dazu natürlich nicht. Eine spanische Stewardess hat mich beim letzten Flug gefragt: Oh, jamón serrano, bekomme ich ein Stück ab?

2019 ist die neue Auflage Ihres City-Tripp Madrid erschienen. Was gibt es denn sonst so Neues und Entdeckenswertes in der spanischen Hauptstadt?

Nach wie vor sind die Märkte und die Tavernen im Ausgehviertel Huertas wunderbar, das Schifffahrtmuseum mit den tollen Boot-Requisiten, der Rastro-Flohmarkt, das neue ABC-Museum, die Tapas bei Paco Roncero und das Nachtleben der Stadtbewohner. Sie heißen Gatos, Katzen, weil sie angeblich nie schlafen. Die Metrostation Puerta del Sol heißt jetzt Vodafone Sol! Das ist als ob der Berliner Alexanderplatz nun Tschibo Alexanderplatz heißen würde. Super in Madrid ist dieses Jahr der Besuch der neuen Kulturzentren Caixa Forum und CentroCentro. Dort habe ich dieses Bild fotografiert. Wer die Bilder von Goya im Original sehen möchte, findet sie natürlich im Prado-Museum an Madrids Kulturdreieck.

Und was ist ihr Geheimtipp?

Ein Restaurant im siebten Stock, den nur die Anwohner kennen. Nicht böse sein, aber den Ort verrate ich noch nicht einmal meiner Schwiegermutter. Ein echter Tipp aber ist der Fluss Manzanares in Madrid. Lange war er ein grauer Kanal, heute gibt es dort viele Bäume, Fahrradwege und einen Fluss, der aufgestaut sogar richtig gut aussieht.

Zum Abschluss: Wo wären sie in Spanien gerne mal live dabei?Wen ein kleiner Mönchsgeier in der Extremadura schlüpft. Die Adler und Geier leben westlich von Madrid im Nationalpark Monfragüe. Nach dem Stadtrummel ist das eine tolle Abwechslung.

zm