Supermärkte in Spanien

Die Wochenmärkte in Spanien sind super. Die Supermärkte sind billig. Auch zwei deutsche Discounter buhlen in Städten wie Madrid, Valencia und Barcelona um die Gunst der iberischen Kunden. Sie liefern wegen der guten Kontakte schon mal Schinken und Olivenöl an ihre deutschen Filialen. Doch die Spanier kontern das. Mit bayerischer Wurst und Sauerkraut im Sortiment. 

Von Tobias Büscher

Der Markt in O Grove im nordwestspanischen Galicien ist ein Highlight für Kunden. Alle Produkte sind aus der Region, alle Händler sind aus der Region, alles ist frisch, vom Obst übers Brot bis hin zum Fisch aus dem Atlantik. Und in der Garküche können sich Kunden das Gekaufte direkt zubereiten lassen. Jeder Cent geht an die Händler und Produzenten, kein Cent an Zwischenhändler. Das ist Fairtrade.

Spaniens Märkte bieten einen Blick in die Seele des Landes, Supermärkte sind dafür zu steril. Dennoch lohnt der Besuch, vor allem, wenn man länger im Land bleibt.

Öffnungszeiten der Supermercados: Mo-Sa 8/9-21 Uhr. Frischer Fisch und Meeresfrüchte: Di-Sa 8/9-21 Uhr.

Zu den großen Ketten gehören Día, Hipercor, Carrefour und Alcampo. Dazu kommen regionale Läden wie Gadis und Froiz.

Die hier nun aufgeführten Marken sind besonders präsent im Land, wobei Eroski sich vor allem auf Nordspanien konzentriert.
 

Mercadona: Die Kette des Juan Roig

Der Gigant unter den spanischen Supermärkten entstand in Valencia im Jahr 1977. Die 90.000 Angestellten sehen sich erstaunlich ähnlich: Die Männer tragen Kurzhaarschnitt und sind rasiert, die Frauen dezent geschminkt. Keiner hat ein Piercing. Für manchen mag das so spießig wie in der Francozeit sein.

Mercadona ist das allerdings sehr egal. Marktführer ist die Marke bei aller Kritik ja trotzdem. Und außerdem sehen die meisten Kunden genauso aus.

Rund 1650 Läden gibt es über ganz Spanien verteilt, die Verkaufsfläche beträgt jeweils 13.000 Quadratmeter. So groß ist normalerweise das gesamte Gewerbegebiet einer Kleinstadt.

Wie El País berichtet, verkaufen die Betreiber solche Läden derzeit gerne an ausländische Investoren aus Israel und den USA, um die Flächen anschließend zu leasen. Das Geld nutzen sie für Innovationen und Investitionen im Nachbarland Portugal, wo Mercadona Irmãdona heißt.

Mercadona-Chef Juan Roig ist derzeit der zweitreichste Spanier nach Modemogul Amancio Ortega. Der Mann erzählt besonders gern, Chef sei nicht er, sondern der Kunde, für den er maximale Qualität zum niedrigsten Preis generiere.

Die Produktvielfalt von Mercadona reicht von Nahrung über Hygiene und Haushaltswaren bis hin zu Hundefutter.

Eroski: die Kette und die diebische Politikerin

Das 1969 gegründete baskische Unternehmen hat spanienweit rund 2000 Läden und 35.000 Angestellte. Die Geschäfte sind unterschiedlich groß, vor allem auf Überlandstraßen sind sie riesig. Eroski ist nicht nur auf Lebensmittel, Hygiene und Haushaltswaren eingestellt, sondern betreibt auch Sportläden und Tankstellen. Auch Reisebüros gibt es.

Das Unternehmen hat besonders viele Supermärkte in den nordspanischen Regionen Katalonien, Balearen, Baskenland, Navarra, Asturien, Kantabrien und Galicien.

Schlagzeilen machte Eroski, als die ehemalige Präsidentin der Autonomen Region Madrid, Cristina Cifuentes, in einem Laden in Vallecas heimlich zwei Cremes klauen wollte und dabei gefilmt wurde. Eroski veröffentlichte die Aufzeichnung später und bekam dafür eine Geldstrafe von 150.000 Euro.

Hammer, oder? Nicht auszumalen, was Gottschalk für Supermarktwerbung kassieren würde.
 

El Corte Inglés – Warenhaus mit Weinsauerkraut

Der Corte Inglés (englischer Schnitt) ist 1940 in Madrid aus einer Schneiderei heraus entstanden und einer der reichsten Unternehmen Spaniens. Europaweit ist es sogar die größte Warenhauskette.

In den Häusern gibt es so ziemlich alles, was der Kunde braucht und überhaupt nicht braucht. In der untersten Etage ist die Lebensmittelabteilung ein El Dorado auch für Deutsche. Allein die Frischfisch-Theke ist gefühlt einen Kilometer lang.

Vor kurzem bekamen wir in der Redaktion eine Whatsapp eines Freundes, der gerade am spanischen Mittelmeer shoppen war:

„Corte Inglés verkauft das Bier der Brauerei, wo mein Vater arbeitete“ (siehe Foto).

Darüber hinaus gibt es im Sortiment auch „Bockwurst“, „Bratwurst“ und „Mildes Weinsauerkraut“. Und viele Waren aus anderen Ländern wie Frankreich und Mexiko. So widersetzt sich der Kaufhausgigant dem gegenwärtigen Trend der Konkurrenz, die fast zu 100 Prozent heimische Waren anbieten. 

Deutsche Supermarkt-Ketten in Spanien

Lidl hat in Spanien erstmals 1994 einen Supermarkt eröffnet, in Lleida, Katalonien. inzwischen sind es landesweit über 630. Aldi zog 2003 nach und hat bereits über 300 Supermercados. Die deutschen Supermärkte gelten als besonders günstig. Auch achten sie darauf, möglichst regionale Produkte im Regal zu haben, also Fuet in Barcelona und Pulpo in Santiago.

Lidl hat in Sachen PR etwas die Nase vorn. So hat das Unternehmen die berühmte Modedesignerin Agatha Ruiz de la Prada dafür engagiert, knallbunte Kinder-Einkaufstaschen zu designen. Über das Gehalt dafür ist nichts bekannt.

Beide Unternehmen sind bei Spaniern beliebt, weil sie die Kunden mit radikalen Sonderangeboten locken. Durch ihre harte Einkaufspolitik in Spanien ist es den Unternehmen ein Leichtes, in Deutschland immer mal wieder günstiges spanisches Olivenöl,  Schinkenkeulen, süßliche Sangria und Bier anzubieten: Bei den „Los Wochos“, wobei den Slogan eigentlich eine Burger-Kette eingeführt hat: für Produkte aus Mexiko.

Günstig sind Spaniens Supermercados also. Doch wer einen wirklich guten Jamón Ibérico sucht, einen wertigen Schinkenhalter aus dem Stahl von Albacete oder einen fassgelagerten Ribera de Duero, wird in den Supermercados höchstens vor Weihnachten fündig. 

Der echte Gourmet geht daher ganz sicher nicht zu Lidl und Aldi, sondern lieber zum Weinhändler, zum Käsehersteller, zum Wochenmarkt oder direkt in die Tapa-Bar.

Also zum Spanier selbst.
 

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