Welche Produkte kommen aus Spanien?

Obst und Gemüse fluten unsere Supermärkte, die Zara-Läden von Inditex sind in jeder größeren Stadt vertreten, Schinken, Rioja-Wein und Olivenöl sind Dauerbrenner. Dabei hat Spanien noch viel mehr zu bieten. Hier ein Überblick über die besten Produkte des Landes, auch für den Export.

Von Tobias Büscher

Fischerei und Agrar standen in Spanien schon seit der Antike hoch im Kurs. Später kamen, ab den 1930ern, die Stahl- und Konservenfabriken, Petrochemie und Maschinenbau hinzu, vor allem in Katalonien und dem Baskenland. Heute sind zwei Marken international berühmt, die Spanien auch für den Export nach Deutschland nutzt.

Industrie & Handel

Zum einen ist da die 1950 gegründete Automarke Seat, die inzwischen zu Volkswagen gehört. Zum anderen die Modekette Inditex, deren Kernmarke Zara außerhalb von Pandemie-Zeiten extrem erfolgreich ist. Dabei ist das Land auch stark im Chemie-, und Medizintechnik-Sektor. In Sachen Energie ist das Land auch gut aufgestellt: Früher waren Staudämme der Hit, heute ist es Windkraft.

Doch auch im Land so angesehene Designer wie Florentino haben einzig in Lateinamerika ausländische Filialen. Eine viel berühmtere Marke kennt dagegen jedes Kind, ohne es mit Spanien zu verbinden: Chupa Chups. Die Lutscher stammen ursprünglich aus einer Fabrik in Asturien. 2006 übernahm der Süsswarengigant Perfetti Van Melle die Erfolgsmarke.

Das Land hat auch so einige Bodenschätze, doch beim Marketing der Italiener und Franzosen fällt das bislang kaum auf. So sind Firmen aus Galicien  und vor allem aus der Extremadura mit der Förderung von Granitstein vertraut. Doch in den Export geht trotz hoher Qualität und guten Preisen kaum etwas.

Was die spanischen Händler angeht: Während unsere Supermärkte in Spanien längst Fuß gefasst haben, ist das umgekehrt nicht so. Was viele Spanier in Deutschland nervt.

Stark ist der Buchhandel, die wichtigsten Verlage befinden sich in Madrid und Barcelona. Dazu kommt noch ein Kuriosum: Die meisten Modedesigner stammen aus dem entlegenen Galicien.

Landwirtschaft

Olivenöl aus Andalusien, Rotwein aus der Rioja und aus Navarra, Weißwein aus Galicien, solche Produkte sind längst international anerkannt und angesehen. Ein Berater von Hillary Clinton beispielsweise war Galicier, und der machte die Politikerin und ihren Mann mit dem weißen Ribeiro bekannt.

Auch in Deutschland, Österreich und in der Schweiz sind spanische Weine längst sehr gefragt. Chianti war gestern. Die Schinken, vor allem die aus Trévelez in Andalusien, erzielen Preise von bis über 400 Euro die Keule.

Doch am erfolgreichsten sind die Spanier mit dem Verkauf von Meeresfrüchten, namentlich mit Rotem Thunfisch. Der Kilopreis liegt in Europa bei rund 25 Euro. Die Japaner allerdings zahlen Höchstpreise für die begehrten Meerestiere. Am Fischmarkt Tsukiji in Tokio, berichtet Der Spiegel, soll der erste Thunfisch der Saison schon mal über eine Million Euro wert sein (Versteigerung).

Zankapfel: Obst und Gemüse aus Andalusien

Bei uns im Supermarkt sind Erdbeeren und vor allem Tomaten aus Andalusien allgegenwärtig. Das ist nicht unumstritten. Denn die günstigen Preise haben auch etwas mit den Arbeitsbedingungen an der sogenannten Plastikküste von Almería zu tun. Die ARD titelte unlängst: Europas dreckige Ernte. Anderseits: Spaniens linke Regierung ist das Problem längst angegangen. Und hat zeitgleich die Landwirtschaft insgesamt gestärkt. So sollen spanische Supermärkte einen hohen Anteil einheimischer Produkte anbieten.

Was kaufen, was aus Spanien selbst zubereiten?

Auf Menorca haben sie nicht nur eine berühmte Gin-Fabrik, sondern von dort stammt auch die Mayonnaise. Der Ursprung des Namens geht auf die Stadt Mahon zurück. Eine Tortilla oder eine Paella muss keiner kaufen. Das geht auch mit dem eigenen Rezept. Wobei es sogar eine Webseite für Paella-Puristen gibt: wikipaella
 

Und welche Produkte mögen die Spanier selbst?

Bomba: Der Rundkornreis aus dem La Albufera-Gebiet südlich von Valencia ist für die Paella der beste Reis überhaupt. Es gibt ihn in vielen spanischen Supermärkten auch in Deutschland. 

Safran: stammt aus der Mancha und aus Persien, und ist das teuerste Gewürz der Welt. Der Kilopreis liegt zwischen 3000 und 5000 Euro. Die Spanier nutzen daher oft eine Gewürzmischung für die Reispfanne.

Pulpo: Gibt es bei uns tiefgefroren oder in Öl eingelegt in der Dose. Das Meerestier ist ein Klassiker aus Galicien. Schmeckt auch als Salat: zum Rezept

Cabrales: Der Blauschimmelkäse aus Asturien geht fast so selten in den Export wie asturischer Sidra (Apfelwein). Er schmeckt intensiver als ein Roquefort. So intensiv, dass man erst Heißhunger hat und ihn dann satt ist.

Torta de Casar: Spaniens flüssigster Käse stammt aus der Extremadura. Die Milch liefern Merino-Schafe.

Queso Tetilla: Milder Kuhkäse aus Galicien, gerne gegessen mit Quittengelee (membrillo)
Mahón-Gin: Einer der besten Ginhersteller in Spanien aus Menorca. Die Flasche kostet zwischen 17 und 20 Euro.

Orujo: Tresterschnaps aus Galicien, etwas stärker als die Variante aus Italien.

Der Autor

Tobias Büscher ist Journalist und Buchautor. Und ein Fan Spaniens, wo er hoffentlich bald wieder hin kann. Zuletzt interviewte ihn die Süddeutsche Zeitung, weil er mitten in der Pandemie einen Reiseführer veröffentlicht hat. Titel: Es ist eine Art Trotz