SUP-Star Sonni Hönscheid

Sonni Hönscheid (*1981) ist siebenfache Weltmeisterin im Stand up Paddling (SUP) und Deutschlands erfolgreichstes „Surfergirl" aus Fuerteventura. Jene Wasser-Sportart, die seit einigen Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Vom Bodensee bis El Arenal, überall sieht man im Sommer stehende Paddler auf harten oder aufblasbaren Surfbrettern. 

Ein Porträt von Benjamin Gröbe

Stand up Paddling ist viel mehr als langweiliges Paddeln im Stehen. Das beweist die auf Fuerteventura aufgewachsene Blondine seit Jahren. Dreimal in Folge (2014-2016) hat Sonni Hönscheid das härteste Langstreckenrennen der Paddle Board World Championship gewonnen: das Molokai 2 Oahu SUP Rennen auf Hawaii, 51 km über das offene Meer mit teils meterhohen Wellen. Im Oktober 2019 hat sie im chinesischen Qingdao ihren letzten Titel auf der Langstrecke bei der Stand-Up-Paddle-Weltmeisterschaft geholt. 

Die Tochter von Windsurflegende Jürgen Hönscheid und seiner Frau Ute kam mit fünf Jahren auf die Kanareninsel Fuerteventura. „Da habe ich das Surfen gelernt“. Erst Bodyboarden, dann Windsurfen und Wellenreiten und seit 2008 Stand up Paddling. Ihr Lieblingsspot ist Punta Elena, bei Corralejo im Norden der Insel. Dort wohnen auch ihre Eltern. „Ich liebe es, da mit meiner Familie und guten Freunden zu surfen.“ In Lajares, unweit von Corralejo, eröffnete Hönscheid, die auch zwölffache Deutsche Meisterin im Wellenreiten ist, 1998 gemeinsam mit ihren Eltern einen Surfshop - heute Anlaufpunkt vieler Surfer und Surf-Touristen. Ihr Ziel ist es, „so viele Leute wie möglich zum Stand Up Paddeln zu animieren und ihnen den Sport beizubringen.“ 

Sonni, die ein Faible für Salat mit kanarischem Guriamen-Ziegenkäse hat und eigentlich Sonja heißt, ist die mittlere von drei Schwestern. Wasserratten sind sie alle. Bekannt dürfte den Zuschauern von RTL ihre jüngere Schwester Janni sein, die 2016 als Eva ihren Adam Peer Kussmagk auf einer Südseeinsel gefunden hat. Auch Sonni ist seit über zwei Jahren Single und „würde sogar auf die Nacktinsel gehen, um Mr. Right kennenzulernen“, wie sie der Bild-Zeitung vor kurzem gestand. Kein Wunder, dass sich die Partnersuche schwierig gestaltet, die Surferin hat einen prall gefüllten Terminkalender und pendelt das ganze Jahr zwischen Sylt, Fuerteventura und Hawaii.

Pop-Art als neue Passion

Hönscheid ist in der Welt herumgekommen, hat „exotische Orte“ und „unterschiedlichste  Kulturen“ kennengelernt. Ihre Eindrücke hält sie seit einigen Jahren in knallbunten Acrylfarben auf Leinwand fest. Die Motive sind so vielfältig wie das Leben der gebürtigen Sylterin. „Malen ist für mich wie Tagebuchschreiben“, sagt sie. Ihre Liebe zu den Wellen, den Meerestieren und der Natur schlägt in den Pop-Art-Bildern immer wieder durch. Mittlerweile feiert sie Erfolge als Künstlerin und Designerin, hatte mehrere Ausstellungen auf Sylt und seit 2017 vertreibt ihr Ausrüster Starboard eine eigene Board-Collection mit ihren Motiven. 

Kampf gegen Plastikmüll

Doch ein Thema macht Sonni Hönscheid wütend. Fast täglich wird sie mit dem dramatischen Zustand unseres aquatischen Ökosystems konfrontiert. „Du siehst überall Plastik auf dem Wasser, selbst an den entlegensten Stellen gibt es etwas.“, sagte sie 2019 auf der ISPO-Munich. Müll aufsammeln gehöre fast schon zur Normalität. Auf den Kanaren sei das Wasser zwar immer noch sehr sauber im Vergleich zu anderen Teilen der Welt, aber auch hier komme je nach Windrichtung schon mal mehr Müll an. „Ich habe mir zur Routine gemacht, nach einer Paddel-Session auf dem Weg nach draußen alles aufzusammeln.“ Dazu nutzt sie einen Trashpicker, einen kleinen Haken, der mit einem Klettverschluss am Paddel befestigt wird. So lässt sich der Müll aus dem Wasser angeln. Jedes Board ihrer Linie wird mit einem Trashpicker ausgeliefert. Auch in ihrem Alltag achtet sie darauf, Müll zu vermeiden. „Beim Einkaufen nehme ich wiederverwendbare Tüten mit. Für Obst und Gemüse gehe ich zu einem Laden, bei dem die Früchte nicht in Plastik eingepackt sind.“ Ihre Prominenz als Sportlerin und Künstlerin setzt sie im Kampf gegen den Plastikmüll ein. So wird unter dem Motto „Love your ocean“ die Trinkflasche eines Sponsors mit ihren Motiven online vertrieben. Der Erlös geht an die Organisation Trash Hero. Diese „hilft Gemeinden, indem sie ihnen beibringen, Abfälle besser zu beseitigen und diese langfristig zu reduzieren. Alles mit einer sehr positiven Art und Einstellung.“

So scheint der Weg nach Sonnis Sportler-Karriere vorgezeichnet, als Künstlerin und Umweltaktivistin. Vielleicht wird der Terminkalender dann etwas schlanker und es klappt endlich mit Mr. Right. 

Der Autor

Benjamin Gröbe ist TV-Redakteur und Autor aus Köln. Er spielt begeistert Flamenco -Gitarre und verbringt seine Urlaube gerne auf Mallorca und Fuerteventura, um seiner zweiten Leidenschaft, dem Stand Up Paddling, nachzugehen.