Krasse Nonnen haben schöne Namen
Spanien. 16 Klarissinnen aus einem Kloster in Belorado bei Burgos unterhalten seit geraumer Zeit weltweit die Medien. Sie haben sich werbewirksam mit der Katholischen Kirche angelegt. Der Spiegel berichtet, das Domradio, Spaniens Medien sowieso. Stichwort: Rebellische Nonnen. Ganz nach dem Motto: Kirchenaustritte sind wieder hipp. Dabei muss die ketzerische Frage lauten: Sind die Klarissinnen eigentlich noch ganz klar im Kopf?
ein Kommentar von Tobias Büscher
Ein Karnevalslied der Höhner geht so: Dicke Mädchen haben schöne Namen, heißen Rosa, Tosca oder Carmen. In dem Fall aus Spanien ist das anders. Krasse Nonnen haben schöne Namen, heißen Paloma. Alma nur nicht Carmen. Zwei weitere heißen sogar Belén und Israel, kein Scherz. Die Äbtin der gottesfürchtigen Damen hat 2024 eine Lawine losgetreten, als sie ein 70seitiges Manifest verbreitete und vor die Kameras trat. Grundaussage: Wir treten aus, weil der Vatikan nicht mehr Gott, sondern nur noch den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Wegen ihrem Kirchenaustritt müssen sie im März 2026 gerichtlich verordnet ihr Kloster räumen.
Nun kann man dem Vatikan einiges vorwerfen: Frauenrechte ignorieren, Missbrauch vertuschen und so weiter. Aber gottlos? Was soll daran so schlimm sein? Dass es Menschen gibt, ist unstrittig. Den Gottesbeweis hat dagegen noch nie einer erbracht.
Es ist sicher kein Vorwurf, wenn der Vatikan den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Vielmehr ist es in Wahrheit ein Kompliment. Fakt jedenfalls ist: Die Nonnen haben eigenhändig ihren Vertrag mit der Katholischen Kirche gebrochen und wurden folgerichtig exkommuniziert. Doch die Sache ist kompliziert. Anwälte streiten sich, welches Recht greift: Kirchenrecht? Zivilrecht?
Überhaupt, das erinnert mich an einen Fall aus dem Bergnest Plan in den Pyrenäen. Den Geistlichen hatte einst der Bischof von Toledo dorthin zwangsversetzt, weil er ständig mit Journalisten sprach. Wenn dieser Geistliche mediengeil war, dann sind die Ex-Nonnen medienverrückt. Eine Journalistin von El País hatte unlängst große Mühe, ein Interview mit den Ladys zu bekommen. Das Zeitfenster war wohl doch sehr eng.
"Schoko-Nonnen"
Belén, Alma und all die anderen hatten bislang in ihrem Konvent Plätzchen verkauft und den Spitznamen "Schoko-Nonnen". Inzwischen haben sie umgeschult und eine Webseite entwickelt: queremosunconvento.com. Wir wollen ein Konvent. Auch das ist medienwirksam umgesetzt, denn eine Bleibe zu finden, ist auch ohne Internetportal gar kein Problem. In Spanien gibt es hunderte leerstehende Klöster.
Der Fall, schreibt El País, sei zu einem "endlosen gerichtlichen Durcheinander aus zivil- und strafrechtlichen Klagen" geworden. Stimmt. Doch es gibt auch viele offene Fragen: Wollten die Nonnen das Kloster durch den Austritt etwa zu einem Zivilbau machen? Waren die fünf ältesten Nonnen zwischen 85 und 100 Jahren überhaupt noch in der Lage, der Äbtin zu folgen? Und wie fromm war eigentlich der Verkauf von 1,7 Kilo Gold, wofür die Damen über 120.000 Euro einkassierten? Auch die Frage beschäftigt gerade ein Gericht.
Camino del Matadero
Nur eins muss man den Rebellinnen wirklich lassen. Kirchenaustritte sind wieder hipp. Und wo haben die Frauen eigentlich den Mut her, so aufsässig zu sein? Etwa weil eine Straße nahe ihres Ex-Konvents Camino del Matadero heißt, Weg des Stierkämpfers?
Sicher ist, sie hätten auch etwas ganz anderes tun können: Nonnen bleiben, auf den Vatikan pfeifen und Gott in den Mittelpunkt stellen.
Denn so mussten sie einst ja eingetreten sein. Der im Jahr 1212 von Klara von Assisi gegründete Frauenorden lebt normalerweise kontemplativ, in strenger Klausur und radikaler persönlicher Armut. Als Bettelorden widmet er sich dem Gebet und Gott.
Na, das war dann auf Dauer wohl doch zu langweilig.


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