Spaniens Rennfahrer Daniel Sordo
Daniel Sordo fährt 2014 als Werksfahrer für Hyundai, copyright: danielsordo.com

11.04.2014

Der ewige Vize-Meister: Daniel Sordo im Porträt

Der Spanier Daniel Sordo Castillo ist Rennfahrer und fährt für Hyundai um den WM-Titel in der FIA World-Rally-Championchip (WRC). Er gehört zu den Schnellsten - und ist doch selten der Schnellste.



Von Ingo Schümmer

Es könnte ein Kneipenwitz unter Motorsport-Fans sein: Was hat WRC-Pilot Daniel Sordo mit Weltraum-Pilot Buzz Adrian gemeinsam? Antwort: Immer ist jemand schon vor ihm ausgestiegen! Zugegeben, der Gag ist flach, sportlich betrachtet allerdings bittere Wahrheit: In mehr als acht Jahren Rallye-Zirkus und 107 WM-Einsätzen für verschiedene Renn-Teams klettert Spaniens ewiger Hoffnungsträger Daniel Sordo Castillo zwanzig Mal als zweiter - aber nicht einmal als Nummer 1 aufs Treppchen. Der 1983 in Torrelavega, Kantabrien geborene Rennfahrer, den seine Fans nur Dani nennen, hat für seine Arbeitgeber stets etwas von einem Eichhörnchen: Wertungs- und Sympathiepunkte sammeln, das kann er, doch am schnellsten von Baum zu Baum fliegen, das können andere stets besser.

Mit Empfehlung des Rallye-Meisters

Dabei beginnt Sordos Karriere äußerst vielversprechend: 2003 klopft er bei Spaniens Rallye-Legende Carlos Saints an, der sofort das Potenzial des siegeshungrigen Zwanzigjährigen erkennt. Die Empfehlungen des Meisters bringen 2005 erste Arrangements in der Junioren-WM, die er mit gefühltem Halbgas locker für sich entscheidet. Die Duftmarke ist gesetzt und Hersteller Citroën packt ihn 2006 in das Kronos Racing Team, wo ein gewisser Sebastian Loeb mit seinem Talent bereits heftig Staub aufwirbelt. Aber auch Sordo beherrscht den Tanz auf den Pedalen und fährt, wie beim WM-Lauf in Spanien und Deutschland, als respektabler Zweiter hinter Loeb ins Ziel.

Das Bessere ist der Feind des Guten, sagte Voltaire einmal. Und wie sehr dieser Spruch zu seiner Karriere passt, ahnt der Spanier zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das "Bessere" ist fast immer Teamkollege Loeb. Dessen Fahrkunst lässt selbst die Konkurrenz vor Wut ins Lenkrad beißen. Egal ob bis 2009 auf einem Citroën, oder bei einem Ausflug 2011 auf einem MINI: Sordo fährt nicht in der selben Liga und gibt dies in Interviews auch offen zu. Eine Ehrlichkeit, für den ihn seine Fans lieben: " Er ist ein offenes Buch. Du kriegst was du siehst" so ein Freund im Interview mit der Zeitschrift SPORTAUTO.


Daniel Sordo
Daniel Sordo im Landeflug auf Portugal, danielsordo.com

Gut, aber nicht gut genug

Spaniens Motorsport-Fans haben es nicht immer leicht. Stets fiebern sie mit ihrem Helden. Doch mit Sébastian Ogier im Team nimmt ab 2010 ein weiterer Franzose dem Spanier regelmäßig die Butter vom Brot. Zum tragischen Helden macht Sordo, dass mehrere Konstrukteurs- bzw. Markenpokale für Citroën punktemäßig vor allem auf sein Konto gehen, den Sieger-Schampus aber stets andere versprühen. Als er 2013 nach besagtem Abstecher ins MINI-Lager zurück ins Citroën-Werksteam wechselt, bleibt er hinter dem scheinbar unschlagbaren, mehrfachen Weltmeister Loeb und Teamkollege Hirvonen erneut die dritte Geige. Die Luft für Sordo wird nun zunehmend dünner. Er leistet sich Fehler, nach einem fünften Platz beim WM-Lauf in Finnland droht das Karriereende.

Die Nerven halten, der Knoten platzt

Doch im August 2013 passiert das, womit selbst seine treuesten Fans nicht mehr rechnen: In einem spektakulären Zweikampf beim Großen Preis von Deutschland behält Sordo bis zum Schluss die Nerven. Nach Jahren des Schattendaseins bei Citroën, nun endlich der erste Sieg. Sein französischer Arbeitgeber lässt den Vertag zum Saisonende trotzdem auslaufen.

Neues Team, neues Glück

2014 fährt Sordo nun für Hyundai. Der koreanische Autohersteller ist erst seit einem Jahr wieder im Rallye-Sport aktiv. Das dokumentierte auch der durchwachsene Saisonauftakt bei der Rallye Monte Carlo im Januar. Das Auto ist noch nicht leistungsfähig genug. Den Koreanern dürfte es bei allem Siegeswillen vor allem darum gehen, möglichst viele Punkte und Erfahrungen zu sammeln.

Spaniens wohl spannendste Titelhoffnung, soviel scheint sicher, dürfte die ideale Besetzung sein.



Der Autor

Ingo Schümmer ist Technikjournalist und widmet sich mit Leidenschaft allen Themen rund um Technik und Mobilität. Dabei schraubt er nicht nur gerne an schönen Texten, sondern in seiner Freizeit mit Vorliebe auch an Autos und Motorrädern.

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