Filmkritik: So klingt das Leben von Daniel Sánchez Arévalo
Die Tragikomödie SO KLINGT DAS LEBEN von Daniel Sánchez Arévalo kommt am 16. Juli in die Kinos. Der Film ist eine Hommage an eine Dorfgemeinschaft, die mit Musik über ein fürchterliches Schiffsunglück hinwegkommt. Die Erkenntnis der Zuschauer: Folkmusik in Nordwestspanien ist Balsam für eine zerrüttete Seele. Und zu kämpfen lohn sich immer. Erst recht in einer galicischen Dorfgemeinschaft.
von Tobias Büscher
Rondalla ist eine nordwestspanische Musikgruppe, die tanzt, geigt, trommelt und mit dem Dudelsack spielt. Gaitero (Dudelsackspieler) heißt in Spanien gefühlt jedes dritte galicische Restaurant zwischen Gomera und Gijón. Denn der Gaitero ist die Seele der Tanzfolklore aus Nordwestspanien. Seit Generationen.
Regisseur Daniel Sánchez Arévalo hatte schon lange vor, einen Film über die Rondallas mit ihren Kostümen, Percussions und Aura zu drehen, die ihm Freunde aus Nordwestspanien auf youtube gezeigt hatten.
Der Rhythmus der Rondallas
So klingt das Leben heißt im spanischen Original Rodallas, die Produktion kostete gut fünf Millionen Euro und der Film kam im Januar 2024 in die spanischen Kinos. Zwei Jahre später ist er nun ab Mitte Juli 2026 auch bei uns zu sehen.
Galiciens Schauspieler in Hochform
Beachtlich ist die Schauspielkunst der Akteure, die fast alle aus Galicien stammen. María Vázquez spielt die Witwe Carmen des verstorbenen Kapitäns so brillant, dass es keinen Zuschauer kalt lässt. Fernando Fraga gibt den durchgeknallt hübschen Elias zwischen Selbstmordgedanken und sattem Humor.
Und Hauptdarsteller Javier Gutiérrez ist als Luis der Taktgeber für den ganzen Film. Beachtlich auch: Wer die Schülerin Lola López in ihrer Rolle als Noa sieht, weiß: Die Kleine steht sicher vor einer langen Filmkarriere.
Es gibt einige gute Filme aus Galicien bei uns in den Lichtspielhäusern und auf Onlineplattformen, darunter Romería von Carla Simón. Der spielt in der Hafenstadt Vigo, So klingt das Leben dagegen in A Guarda an der Grenze zu Portugal.
Der Unterschied: Romería ist ein ernster Film, Rondallas ist vor allem für eines zuständig: für gute Laune. Die Dialoge und die Tanzeinlagen sind ein Mix aus Emotion und Rhythmus.
Kult um Folkloregruppen
In Interviews u.a. mit El País hat der Regisseur eine Standardantwort darauf, warum ihn dieser Film begeistert: Es gibt leichte Filme für Kids, warum dann nicht auch für Erwachsene.
Dabei ist der Anfang ziemlich dramatisch. Bei einem Schiffsunglück vor der galicischen Küste sterben fast alle an Bord.
Und im Fischerstädtchen folgt auf Trauer der Trotz: Die verstaubten Trommeln, werden aus den Kartons gezogen, die Blusen gebügelt und die einstige Musikgruppe neu ins Leben gerufen. Der Beginn ist brüllkomisch holprig, doch gemeinsam sind die Galegos stark.
Sánchez Arévalo (*1970 in Madrid) brauchte ein halbes Jahr für das Drehbuch, doch nur wenige Augenblicke beim Besuch Galiciens, um den kunterbunten Fischerort A Guarda als Drehort auszuwählen.
Rodaje, Rondalla und Rock ’n’ Roll
Und das sagt er selbst zu seinem Filmdreh (spanisch Rodaje): “Als Filmemacher bin ich besessen davon, die Kunst zu meistern, Geschichten zu erzählen, die Herz und Seele berühren, ohne dabei den Humor zu verlieren. Ich glaube, dieser Film vereint all die richtigen Zutaten: Komödie, soziales Drama, Galicien, das Meer, Rondallas, Tradition und Rock ’n’ Roll”.
In Galicien ist Rondalla natürlich auch unabhängig vom Kino sichtbar. Bei vielen Dorffesten und bei Musikwettbewerben, darunter im Messepavillon von Vigo im jeden Januar. Seit dem Film ist der Besucheransturm enorm.
Der Autor
Tobias Büscher ist Leiter dieses Portals und Autor des Buchs Galicien & Jakobsweg (DuMont).
Es kommt im Frühjahr 2027 neu heraus, mit Infos zum Drehort A Guarda und natürlich auch zum Film So klingt das Leben.
Büscher ist ebenfalls Autor des Bildbands Nordspanien & Jakobsweg bei DuMont.
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