
Hitzewelle in Spanien: Was Urlauber jetzt wissen müssen
Bis zu 44 Grad, orange Warnstufen in halb Spanien und über tausend Hitzetote im Juni. Der Sommer 2026 zeigt bereits in seiner ersten Woche, wie ernst die Lage auf der Iberischen Halbinsel ist. Was Reisende jetzt zu Temperaturen, Waldbränden und Gesundheitsrisiken wissen sollten.
von Alexander Gresbek (Text und Illustrationen)'
Die spanische Wetterbehörde AEMET hat am 5. Juli die zweite Hitzewelle des Sommers 2026 ausgerufen. Sie erreichte am Montag ihren Höhepunkt und soll bis Dienstagabend mit Werten bis zu 44 Grad andauern. Betroffen sind der Südwesten der Halbinsel, das Ebro-Tal und der Osten der Kanaren, wo Orange-Warnungen gelten.
Für Gran Canaria und Teneriffa haben die Behörden zusätzlich die Waldbrandalarmstufe erhöht.
Die erste Hitzewelle des Jahres begann bereits am 21. Juni, drei Tage vor dem astronomischen Sommeranfang. In Andújar (Provinz Jaén) stieg das Thermometer am 20. Juni auf 45,1 Grad, den bisherigen Höchstwert des Jahres. In 13 der 17 Regionen galt damals die Warnstufe Orange, im Baskenland zeitweise die höchste Stufe Rot.
Über 1000 zusätzliche Todesfälle
Das Gesundheitsministerium meldet für die erste Hitzewelle rund 1.029 zusätzliche Todesfälle, ermittelt vom Überwachungssystem MoMo. Der Juni allein steht mit knapp 900 Toten in der Statistik. Zum Vergleich: Frankreich verzeichnete im gleichen Zeitraum etwa 1.000 zusätzliche Sterbefälle innerhalb von zehn Tagen.
Besonders gefährlich sind die tropischen Nächte. In weiten Teilen des Landes fallen die Tiefstwerte nicht mehr unter 20 Grad, an Teilen der Süd- und Ostküste liegen sie bei 23 bis 25 Grad. Fachleute des öffentlichen Gesundheitswesens stufen diese Nächte als ebenso belastend ein wie die Tageshitze, weil der Körper keine Erholungsphase mehr bekommt.
Die Forschungsgruppe Climate Central hat die aktuelle Episode analysiert. Ihr Ergebnis: Der menschengemachte Klimawandel hat das Ereignis mindestens fünfmal wahrscheinlicher und um bis zu vier Grad heißer gemacht.
Großbrände in mehreren Regionen
Parallel zur Hitze brennt es an mehreren Stellen. An der Costa Brava vernichtete ein Feuer bei La Bisbal d'Empordà rund 2.400 Hektar, über 600 Personen mussten ihre Häuser verlassen. Am 5. Juli brach in Soneja (Provinz Castellón, Region Valencia) ein weiterer Großbrand aus, den Einsatzkräfte zeitweise als „völlig unkontrollierbar" beschrieben. Die Regionalregierung rief die Alarmstufe 2 von 3 aus, was den Einsatz des Militärs ermöglicht.
Bereits Mitte Juni brannten im Nationalpark Doñana bei Almonte (Huelva) rund 5.000 Hektar ab. Nach Daten des Europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS wurden in Spanien 2026 bislang etwa 50.000 Hektar durch Feuer zerstört.
14 Brände gelten als „Großwaldbrände" mit über 500 Hektar Ausdehnung. Als Hochrisikoregionen listet die Waldbrandfeuerwehr Andalusien, Extremadura, den Südwesten Kastiliens sowie Katalonien und das Vorland der Pyrenäen.
Für Reisende bedeutet das konkrete Einschränkungen: Feuer, Grillen und der Einsatz von Baumaschinen sind in weiten Teilen des Landes verboten. Wer Naturgebiete betritt, muss auf Sperrungen achten, die kurzfristig verhängt werden können. Glasmüll gilt als eine der häufigsten Brandursachen und darf nirgends in der Natur zurückbleiben.
Sonnenstich und Hitzschlag unterscheiden
Ein Sonnenstich entsteht, wenn die Sonne direkt auf den ungeschützten Kopf oder Nacken einwirkt. Typische Anzeichen sind ein hochroter, heißer Kopf bei sonst normaler Körpertemperatur, dazu Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Betroffene gehören sofort in den Schatten oder in kühle Räume, bekommen Flüssigkeit und einen kühlen Umschlag auf den Kopf. Bei Bewusstlosigkeit gilt: stabile Seitenlage, Notruf 112.
Ein Hitzschlag ist ein akuter medizinischer Notfall. Die Körperkerntemperatur steigt auf über 40 Grad, die Wärmeregulation bricht zusammen, die Schweißproduktion versiegt. Die Haut fühlt sich heiß und trocken an, Puls und Atmung beschleunigen sich, es folgen Verwirrtheit, Krämpfe und Bewusstseinsstörungen.
Ohne intensivmedizinische Behandlung drohen Multiorganversagen und Tod. Bei Verdacht sofort 112 wählen und die Körpertemperatur senken, etwa durch feuchte Tücher und Fächern.
Verhaltensregeln für heiße Tage
Das spanische Rote Kreuz und die Gesundheitsämter der Regionen empfehlen einheitlich, sich zwischen 12 und 18 Uhr im Schatten oder in kühlen Räumen aufzuhalten. Draußen tragen Sie eine Kopfbedeckung, helle und weite Kleidung sowie Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30 oder höher, aufgetragen 30 Minuten vor dem Rausgehen und regelmäßig erneuert.
Als Faustregel für Erwachsene gelten 2 bis 2,5 Liter Wasser pro Tag, mehr bei Anstrengung. Alkohol und koffeinhaltige Getränke erhöhen den Flüssigkeitsverlust und sollten in der heißesten Zeit reduziert werden.
Wanderungen und Radtouren gehören in die frühen Morgenstunden oder späten Abendstunden. Die Kombination aus 37 Grad im Schatten und praller Sonne in der Route kann Werte von 60 Grad erzeugen. Für Bergtouren und abgelegene Strecken empfiehlt sich die App AlertCops, mit der die Behörden Warnungen ausspielen.
An der Küste sinken die Tageshöchstwerte selten unter das Niveau der Meseta, dafür ist die Luftfeuchtigkeit deutlich höher. Das erschwert die körperliche Anpassung, besonders in Valencia, Alicante und auf den Balearen. Wenn Sie empfindlich auf Hitze reagieren, wählen Sie Unterkünfte mit funktionierender Klimaanlage und prüfen bei der Buchung, ob sie tatsächlich installiert und im Preis inbegriffen ist.
Quellen
AEMET (Agencia Estatal de Meteorología), Warnkarten und Sondermeldungen Juli 2026
Ministerio de Sanidad, Sistema de Monitorización de la Mortalidad Diaria (MoMo), Bilanz Juni 2026
EFFIS (European Forest Fire Information System), Copernicus, Datenstand Juli 2026
Ministerio para la Transición Ecológica (Miteco), Waldbrandberichte 2026
Climate Central, Analyse Climate Shift Index Juli 2026
Cruz Roja Española, Empfehlungen bei Hitze
Deutsche Hirnstiftung, Fachinformation zu Sonnenstich und Hitzschlag
Auswärtiges Amt, Reise- und Sicherheitshinweise Spanien
Der Autor
Als Kenner der Costa Blanca lebt Alexander Gresbek seit vielen Jahren in der spanischen Region am Mittelmeer. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.
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