Lebensmittel-Lieferdienste an der Costa Blanca im Vergleich
Klicken statt Schleppen
Welcher Supermarkt liefert wohin, was kostet der Service, und wo funktioniert die Webseite auf Deutsch? Alle Anbieter, aktuelle Preise, praktische Tipps.
von Alexander Gresbek (Text und Illustrationen)
Wer schon einmal mit vier Sechser-Packs Wasser und zwei Wassermelonen den Weg vom Parkplatz in den dritten Stock einer Urbanisation bewältigt hat, kennt den Moment: Es muss doch auch anders gehen. Geht es. Der Online-Einkauf von Lebensmitteln hat sich an der Costa Blanca längst etabliert.
Zehn Anbieter liefern inzwischen Lebensmittel in der Provinz Alicante. Manche decken fast die gesamte Region ab, andere konzentrieren sich auf einzelne Küstenorte. Die Preise, Liefergebiete und Sprachoptionen unterscheiden sich erheblich. Wir haben alle Anbieter geprüft und die Ergebnisse aktualisiert.
Mercadona: Der Platzhirsch wird teurer
Mercadona kontrolliert knapp 30 Prozent des spanischen Lebensmittelmarktes und betreibt in Alicante ein eigenes Logistikzentrum. Von dort aus beliefert der Marktführer fast die gesamte Provinz, einschließlich kleinerer Orte wie Moraira, Teulada, Benitachell und Gemeinden im Hinterland.
Im Februar 2025 hat Mercadona die Online-Liefergebühr von 7,21 Euro auf 8,20 Euro angehoben. Es war die erste Preiserhöhung seit 25 Jahren. Damit verlangt Mercadona die höchste Pauschalgebühr unter den großen spanischen Ketten. Der Mindestbestellwert liegt bei 50 Euro, bezahlt wird per Karte.
Für deutschsprachige Kunden bleibt Mercadona trotzdem attraktiv: Die Webseite funktioniert auf Deutsch, Englisch und Spanisch. Die Fahrer bringen die Ware in gekühlten Transportern bis in die Küche. Pro Bestellung liefert Mercadona bis zu 120 Liter Wasser.
Wer im Laden selbst einkauft und die Tüten nach Hause bringen lassen will, zahlt 6,50 Euro ohne Mindestbestellwert.
Carrefour: Große Auswahl, aber nur in Stadtnähe
Carrefour liefert aus fünf Hypermarkt-Standorten in der Provinz Alicante: Puerta de Alicante und San Juan in der Hauptstadt, Finestrat bei Benidorm, Ondara in der Marina Alta und Torrevieja im Süden. Der Lieferradius beträgt jeweils etwa 13 Kilometer. Wer außerhalb wohnt, schaut in die Röhre.
Die Gebührenstruktur hat sich zuletzt verändert. Die Standard-Liefergebühr liegt bei rund 7,99 Euro, wobei Carrefour auf der Webseite auch Tarife „ab 3,99 Euro“ bewirbt. Ab 90 Euro Bestellwert entfällt die Gebühr oft komplett.
Da Carrefour häufig Aktionen fährt, lohnt sich ein Blick auf die tatsächliche Summe im Warenkorb. Für deutschsprachige Residenten bleibt die ausschließlich spanische Webseite eine Hürde.
Lidl und Aldi: Viele Filialen, keine Lieferung
Die beiden deutschen Discounter gehören an der Costa Blanca zum Straßenbild. Online-Lebensmittel bestellen kann man bei ihnen trotzdem nicht.
Lidl verkauft über lidl.es nur Non-Food-Artikel: Haushaltswaren, Kleidung, Kleinelektro. Ein 2018 gestarteter Lebensmittel-Pilot über die Plattform Lola Market blieb auf Madrid beschränkt und erreichte die Costa Blanca nie.
Aldi kooperiert seit April 2021 mit der Lieferapp Glovo, allerdings nur an sechs Filialen in Barcelona. Eine Ausweitung auf die Provinz Alicante ist nicht absehbar. Stattdessen setzt Aldi auf physische Expansion: 28 Neueröffnungen allein 2025.
Einzelne Filialen bieten gelegentlich einen Heimlieferservice für Vor-Ort-Einkäufe an, etwa in El Campello (Aldi) oder Pego (Lidl). Einen Online-Shop gibt es bei keinem der beiden.
Alcampo: Der Hypermarkt ohne Mindestbestellwert
Alcampo ist in der Region nur im Süden vertreten und beliefert den Großraum Alicante-Stadt mit umliegenden Gemeinden. Dafür fällt der Mindestbestellwert weg. Die Standardgebühr beträgt 7 Euro, eine Same-Day-Lieferung kostet 9,90 Euro.
Praktisch für alle, die gern selbst auswählen: Der Click-&-Collect-Service („Recogida Express“) ist kostenlos. Online bestellen, ab einer Stunde nach Bestellung im Markt abholen, bis zu sieben Tage lagern. Im Norden der Costa Blanca fehlen Alcampo-Filialen allerdings komplett.
Consum: Noch heute bestellt, noch heute geliefert
Die valencianische Genossenschaft Consum hat sich seit der Pandemie zu einer der am schnellsten wachsenden Ketten Spaniens entwickelt (4,1 Prozent Marktanteil 2025). Ihr Online-Angebot überzeugt mit einem klaren Versprechen: Bestellungen bis 12 Uhr kommen am selben Tag.
Die rund 9.000 Artikel kosten online das Gleiche wie im Laden. Geliefert wird mit eigener Flotte in Papier-Recyclingtüten. Die Gebühren: 7 Euro für Bestellungen unter 60 Euro, 4 Euro ab 60 Euro. Einen festen Mindestbestellwert gibt es nicht. Die Webseite funktioniert auf Spanisch und Valencianisch.
Masymas: Aus der Region, für die Region
Masymas (Juan Fornés Fornés S.A., Sitz in Pedreguer) ist die Kette der Einheimischen. Über 100 Filialen in Alicante, Valencia, Castellón und Murcia, und ein Online-Shop, der mehr als 70 Ortschaften abdeckt. Wer regionale Produkte schätzt, ist hier richtig.
Die Gebührenstruktur hat sich geändert: Bestellungen unter 60 Euro kosten 7 Euro Liefergebühr, ab 60 Euro sinkt sie auf 4 Euro. Eine kostenlose Lieferung ab einem bestimmten Bestellwert gibt es aktuell nicht mehr. Wer im Laden einkauft und die Ware nach Hause bringen lassen möchte, zahlt pauschal 4 Euro ohne Mindestbestellwert. Der Online-Shop ist auf Spanisch, Valencianisch und Englisch verfügbar.
Achtung: Es gibt eine gleichnamige, aber unabhängige Kette in Asturien mit anderen Konditionen. Die hier beschriebene Masymas ist die Costa-Blanca-Kette aus Pedreguer.
Dia: Der stille Neuzugang
Dia fällt im Vergleich selten auf, liefert aber inzwischen landesweit über dia.es. An der Costa Blanca betreibt Dia physische Filialen und übernimmt von dort die Online-Bestellungen. Die Standard-Liefergebühr liegt bei 4,99 Euro, ab 100 Euro Bestellwert entfällt sie.
In Großstädten wie Madrid und Barcelona bietet Dia Express-Lieferung innerhalb einer Stunde an, an der Costa Blanca gibt es diesen Expressdienst aber nicht. Die Webseite ist auf Spanisch verfügbar.
Pepe La Sal: Schwarzbrot, Sauerkraut und fünf Sprachen
Für deutschsprachige Residenten in der Marina Alta ist Pepe La Sal die erste Adresse. Die kleine Kette mit Filialen in Moraira, Teulada, Benissa und Benitachell/Cumbre del Sol hat sich auf internationale Kundschaft spezialisiert. Im Sortiment: deutsches Schwarzbrot, Sauerkraut, Biersorten aus der Heimat und andere Importwaren.
Die Webseite pepelasalonline.com läuft auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Niederländisch und Französisch. Der Mindestbestellwert ist mit 30 Euro der niedrigste im Vergleich. Die Liefergebühren staffeln sich nach Entfernung: 3 Euro bis 5 Kilometer, 5 Euro für 5 bis 10 Kilometer, 7 Euro für 10 bis 22 Kilometer. Ab 120 Euro Bestellwert liefert Pepe La Sal kostenlos.
Bestellungen vor 9 Uhr werden am selben Tag bis 17 Uhr geliefert, Montag bis Samstag.
Die Preise für importierte Artikel liegen erwartungsgemäß etwas höher als für lokale Produkte. Wer Heimweh nach deutschem Essen hat, nimmt das gern in Kauf.
My Mercat: Persönlicher Service per WhatsApp
My Mercat funktioniert anders als die großen Ketten. Die vier Filialen in Calpe (zwei Standorte: Salinas und Centro), Xaló und Altea nehmen Bestellungen per Telefon, WhatsApp oder Web-Formular entgegen. Ein klassischer Online-Shop mit Warenkorb fehlt. Dafür bekommt man persönliche Beratung und flexible Bestellmöglichkeiten.
Die Liefergebühr beträgt pauschal 7 Euro für alle Bestellungen, ohne Mindestbestellwert. Bestellungen bis 12 Uhr kommen am selben Tag. Im Sortiment finden sich britische und europäische Produkte, dazu betreiben die Filialen Cafés mit englischem und amerikanischem Frühstück. Die Webseite ist auf Spanisch und Englisch verfügbar.
Glovo, Amazon Fresh und Co.: Was es sonst noch gibt
Glovo betrieb bis Januar 2024 einen eigenen Dark Store in Alicante („Super Glovo“). Der wurde wegen zu geringer Nachfrage geschlossen, zusammen mit fünf weiteren Standorten in Spanien. Als Marktplatz funktioniert Glovo in Alicante weiterhin: Die App vermittelt Lieferungen von Partnershops in unter einer Stunde. Ein eigenes Lager gibt es dort aber nicht mehr.
Amazon Fresh gibt es in Spanien nur in Madrid, Barcelona, Sevilla, Zaragoza, Valencia und Guadalajara. Die Provinz Alicante ist nicht dabei. Daran hat sich seit dem Start nichts geändert.
Schnelllieferdienste wie Gorillas spielen keine Rolle mehr: Der Dienst wurde von Getir übernommen und anschließend eingestellt.
Der Autor
Alexander Gresbek lebt seit vielen Jahren an der spanischen Mittelmeerküste. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.
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