Spanien schlägt Belgien und steht im Halbfinale
Spanien steht im WM-Halbfinale. Im Viertelfinale von Los Angeles hat sich die Selección mit 2:1 gegen Belgien durchgesetzt, entschieden erneut durch einen späten Treffer des Jokers Mikel Merino. Am Dienstag wartet in Dallas Frankreich.
von Alexander Gresbek (Text und Illustration)
Spanien hat die Partie im SoFi Stadium sofort in die Hand genommen. 68 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse, dazu Lamine Yamal auf der rechten Seite in Bestform: Belgien fand über weite Strecken kaum ins Spiel. Trainer Luis de la Fuente hatte für dieses Duell überrascht und Fabián Ruiz an der Seite Rodris ins zentrale Mittelfeld beordert, Pedri saß zunächst auf der Bank.
Die Umstellung zahlte sich in der 30. Minute aus. Nach einem Abpraller im Strafraum stand Ruiz goldrichtig und traf zum 1:0.
Belgien blieb offensiv eine halbe Stunde lang blass. Der erste Schuss aufs Tor saß dann sofort. Kevin De Bruyne bediente in der 41. Minute den rechten Verteidiger Timothy Castagne, dessen Flanke fand Charles De Ketelaere am Fünfmeterraum.
Der Stürmer setzte sich im Kopfballduell gegen Pau Cubarsí durch und traf zum überraschenden Ausgleich. Zur Pause hieß es 1:1.
Belgien verteidigt tief
Nach dem Wiederanpfiff zog sich Belgien weit zurück und lauerte auf Konter. Der Plan funktionierte lange. Jérémy Doku hatte in der 55. Minute nach Doppelpass mit De Bruyne im Strafraum die Chance zur Führung, seine Hereingabe fand aber keinen Abnehmer.
Spanien lief sich derweil an der belgischen Fünferkette fest. Thibaut Courtois hielt sein Team mit mehreren Paraden im Turnier, ehe ihn eine Oberschenkelverletzung nach über einer Stunde zum Aufgeben zwang. Der 34-Jährige verließ in seinem 115. Länderspiel für Belgien den Rasen unter Tränen.
Joker Merino entscheidet erneut
Für Courtois kam der 24-jährige Senne Lammens ins Tor, sein WM-Debüt. Auf der spanischen Bank tauschte de la Fuente in der 86. Minute Dani Olmo gegen Mikel Merino. Zwei Minuten später fiel die Entscheidung. Pau Cubarsí zog aus rund 30 Metern ab, Lammens ließ den Aufsetzer nach vorne abprallen, Merino spekulierte richtig und drückte den Ball aus wenigen Metern unter die Latte. 88. Minute, 2:1.
Für Merino war es die zweite Torbeteiligung dieser Art innerhalb weniger Tage. Bereits im Achtelfinale gegen Portugal hatte er als Einwechselspieler den späten Siegtreffer erzielt. Belgien warf in der siebenminütigen Nachspielzeit noch einmal alles nach vorn, Alexis Saelemaekers scheiterte an Unai Simón, danach war Schluss.
Serie ohne Gegentor endet
De Ketelaeres Ausgleich beendete eine spanische Rekordserie. Torhüter Unai Simón hatte bei dieser WM 649 Minuten kein Gegentor kassiert und damit die Bestmarke des Italieners Walter Zenga übertroffen, der bei der WM 1990 517 Minuten ohne Gegentreffer geblieben war.
Statistisch war De Ketelaeres Kopfball der erste belgische Schuss aufs spanische Tor überhaupt. Belgien traf mit dem einzigen ernsthaften Abschluss der ersten Halbzeit.
Zwischenbilanz nach sechs Spielen
Nach sechs Turnierspielen weist Spanien fünf Siege und ein Unentschieden auf, elf erzielte gegen ein einziges Gegentor. In der Gruppenphase begann die Selección mit einem enttäuschenden 0:0 gegen Kap Verde, danach folgten das 4:0 gegen Saudi-Arabien und das 1:0 gegen Uruguay.
In der K.-o.-Runde stand jeweils die Null: 3:0 gegen Österreich, 1:0 gegen Portugal, 2:1 gegen Belgien.
Auffällig ist das Muster der späten Tore. Gegen Portugal wie gegen Belgien fiel die Entscheidung erst nach der 85. Minute, in beiden Fällen durch Merino von der Bank. De la Fuente kann auf einen tiefen Kader zurückgreifen, was in diesem Turnier zum sportlichen Trumpf geworden ist.
Halbfinale in Dallas
Am Dienstag, 14. Juli, um 21:00 Uhr deutscher Zeit trifft Spanien in Dallas auf Frankreich. Die Equipe Tricolore hatte sich im Viertelfinale mit 4:1 gegen Marokko durchgesetzt und gilt bei den Buchmachern als Favorit.
Ein Prognosemodell auf Basis der bisherigen Turnierleistungen sieht Frankreich mit 41 Prozent Siegwahrscheinlichkeit vor Spanien (30 Prozent) und einem möglichen Remis (29 Prozent). Personell dürfte de la Fuente über die Rückkehr Pedris ins zentrale Mittelfeld nachdenken. Ob Ruiz seinen Startelfplatz behält, ist offen.
Für die spanische Innenverteidigung um Cubarsí und Aymeric Laporte wird der französische Angriff um Kylián Mbappé der bislang härteste Prüfstein dieses Turniers.
Quellen: FIFA-Turnierdaten (fifa.com), SportRadar, ZDF-Liveticker, kicker.de, blick.ch, t-online.de
Der Autor
Als Kenner der Costa Blanca lebt Alexander Gresbek seit vielen Jahren in der spanischen Region am Mittelmeer. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur, Politik, Umwelt und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.
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