Seeregenpfeifer in Dénia: Ein Vogel vor dem Aus
Naturschutz an der Costa Blanca
An den Stränden von Dénia brütet der Seeregenpfeifer im offenen Sand. Vor drei Jahren zählte ich als Ornithologe hier neun Brutpaare, in diesem Frühjahr nur noch vier. Was den kleinen Küstenvogel an der Costa Blanca verdrängt und warum sein Bestand kippt.
von Joan Sala (Text) und Jaume Caselles Ripoll (Fotos)
Wer im Frühsommer über die Strände von Dénia geht, übersieht ihn leicht. Der Seeregenpfeifer misst kaum 17 Zentimeter, trägt ein sandbraunes Gefieder und legt seine Eier ungeschützt in den offenen Boden. 2023 zählten wir Ornithologen an der Küste von Dénia noch neun Brutpaare. In diesem Frühjahr nur noch vier.
Ein Vogel, der im Sand brütet
Der Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus) gehört zu den Limikolen, den Watvögeln der Sand-, Schlick- und Schlammflächen. Dort sucht er kleine Wirbellose: Wasserflöhe, Krebstierchen, kleine Käfer und Würmer. Sein Nest ist kaum als solches zu erkennen. Oft genügt ihm eine flache Mulde im Sand, manchmal der Abdruck, den ein Schuh hinterlässt.
Pro Jahr legt das Weibchen in der Regel zwei Gelege mit durchschnittlich drei Eiern. Männchen und Weibchen brüten gemeinsam etwa drei bis vier Wochen lang. Die Küken verlassen das Nest schon wenige Minuten nach dem Schlüpfen und folgen den Eltern.
Fressen können sie allein, doch bei großer Hitze oder Gefahr suchen sie Schutz unter dem Gefieder der Altvögel.
In Europa, Nordafrika und Asien verbreitet
Das Verbreitungsgebiet der Art reicht über Europa, Nordafrika und weite Teile Asiens. In der Alten Welt unterscheidet die Forschung drei Unterarten. Die Nominatform brütet in Nordafrika, Europa und bis in den Osten der Paläarktis. Die früher mitgezählten nordamerikanischen Bestände werden heute als eigene Art geführt.
In der Comunitat Valenciana steht der Seeregenpfeifer als „gefährdet“ (vulnerable) im regionalen Katalog der bedrohten Tierarten. Spanienweit führt ihn das Rote Buch der Vögel ebenfalls als gefährdet, die EU-Vogelschutzrichtlinie nennt ihn im Anhang I als geschützte Art. In der Marina Alta besiedelte er früher die Salinen von Calpe, den Strand El Montañar bei Jávea und die Nordküste von Dénia bis zur Grenze der Provinz Valencia.
Mit dem Sonnen- und Badetourismus der 1970er und 1980er Jahre und der Bebauung der ersten Strandreihe verlor er Schritt für Schritt sein Brutgebiet.
Nur noch vier Paare in Dénia
Heute brütet in den Salinen von Calpe nach meinen Zählungen nur noch ein einziges Paar, dazu kommen einzelne Brutplätze am Strand von Las Marinas. An den Stränden von Dénia ging der Bestand deutlich zurück: von neun Paaren 2023 auf vier im Jahr 2026.
Vor zwei Jahren stellten die Stadtverwaltung Dénia und die zuständige Umweltbehörde Pfähle und Absperrungen auf, um die Dünenvegetation und die Gelege zu schützen. Die Maßnahme greift nur teilweise. Sala beobachtet, wie Menschen über die Absperrung steigen und in die Düne eindringen. Mehrfach verschwanden dabei ganze Gelege.
Hunde, Katzen und Maschinen am Strand
Mehrere Faktoren setzen dem Seeregenpfeifer zugleich zu. Die Strände füllen sich, und der Klimawandel verschiebt den Rhythmus: Schon im Mai steigen die Temperaturen, die Badesaison beginnt früher, und mit ihr kommen mehr Besucher.
Mit den Menschen kommen die Hunde. Viele Halter lassen sie frei laufen, und einzelne Tiere töten Altvögel wie Küken. Auch frei umherstreifende Hauskatzen reißen Jungvögel und ausgewachsene Tiere. Hinzu kommt die maschinelle Strandreinigung mit schwerem Gerät, die Nester und Gelege im Sand zerstört.
Weniger Posidonia bedeutet weniger Nahrung
Eine weitere Folge der Strandpflege betrifft die Nahrung. An der Wasserlinie sammelt sich angespültes Seegras, die sogenannten Bänke der Posidonia oceanica. In diesen Anspülungen leben zahlreiche Wirbellose, von denen sich der Seeregenpfeifer ernährt.
Wird das Seegras für die Saison entfernt, schwindet auch seine Nahrungsgrundlage. Die Generalitat Valenciana erlaubt die Räumung der Posidonia seit August 2025 nur noch ausnahmsweise, zwischen dem 15. Juni und dem 15. September und nur, wenn die Ansammlung mehr als zehn Zentimeter hoch und 1,5 Meter breit ist. In Schutzgebieten und im Netz Natura 2000 bleibt sie liegen.
Neue Fressfeinde aus der Luft
Seit einigen Jahren bedrängen zwei weitere Arten den Bestand. Die Mittelmeermöwe (Larus michahellis) hat stark zugenommen. Sie brütet auf der Burg von Dénia und auf den Dächern vieler Wohnanlagen und greift gezielt kleinere Vögel an. Auch der Turmfalke (Falco tinnunculus) wurde häufiger und erbeutet Küken des Seeregenpfeifers.
So summieren sich die Belastungen. Ohne eine spürbare Wende führt der Weg des Seeregenpfeifers an den Stränden der Marina Alta unaufhaltsam in Richtung Aussterben.
Praktische Hinweise für den Strandbesuch
Die Brutzeit fällt an der Costa Blanca etwa in die Monate April bis Juli und damit in den Beginn der Badesaison. Wer in dieser Zeit die Strände von Las Marinas oder die Salinen von Calpe besucht, kann mit einfachen Mitteln helfen: Bleiben Sie außerhalb der abgesperrten Dünenbereiche, halten Sie Hunde fern oder an der Leine, und lassen Sie angespültes Seegras liegen.
Sehen Sie Altvögel, Küken oder Gelege, halten Sie Abstand. Aktuelle Regelungen zum Zugang und zum Leinenzwang an einzelnen Strandabschnitten veröffentlicht die Stadtverwaltung Dénia auf ihrer Website.
Quellen
SEO/BirdLife, Artporträt Chorlitejo patinegro; III Atlas de las aves en época de reproducción en España (SEO/BirdLife); Catálogo Valenciano de Especies de Fauna Amenazada (Generalitat Valenciana); EU-Vogelschutzrichtlinie 2009/147/EG, Anhang I; Generalitat Valenciana, Manual de buenas prácticas zur Posidonia oceanica (2025); IMEDEA (UIB/CSIC) und Ecologistas en Acción zu Posidonia-Anspülungen; Artinformationen zur Mittelmeermöwe (Wikipedia, LfU Bayern); Feldbeobachtungen und Brutzählungen Joan Sala (Marina Alta).
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