Spanien wirft Uruguay raus und wird Gruppensieger

Fußball-WM in der Gruppe H

Effizient statt brillant: Spanien zieht zähe Pflicht durch: Spanien gewinnt sein letztes Gruppenspiel bei der WM 2026 mit 1:0 gegen Uruguay und zieht als Gruppensieger in die Runde der besten 32 ein. Den Unterschied macht kein Glanzmoment, sondern ein schwerer Fehler von Uruguays Torwart Fernando Muslera. Für Marcelo Bielsas Mannschaft endet das Turnier schon nach der Vorrunde.

 von Alexander Gresbek (Text und Illustrationen

In der Nacht auf Samstag stand in Guadalajara das Duell zweier ehemaliger Weltmeister an, und es wurde keine Werbung für den Angriffsfußball. Spanien übernahm vom Anstoß weg die Kontrolle und kam schon nach zehn Minuten auf über 75 Prozent Ballbesitz. 

Luis de la Fuente hatte zwei Positionen verändert: Marcos Llorente und Mikel Merino begannen anstelle von Pedro Porro und Dani Olmo. An der Spielanlage änderte das wenig. La Roja ließ den Ball laufen, fand aber kaum Wege in die Tiefe.

Uruguay lauerte auf Konter und brauchte eine Viertelstunde, um selbst Akzente zu setzen. Nach der ersten Trinkpause kam Bielsas Team auf. Eine Aktion von Darwin Núñez in der 27. Minute und ein Fernschuss von Rodrigo Bentancur in der 36. Minute waren die besten Gelegenheiten der Celeste. Zählbares sprang dabei nicht heraus.

Baena trifft, Muslera patzt

Das Tor fiel auf der anderen Seite und passte zum Spielverlauf. Álex Baena zog nach einer Flanke von Llorente aus der Drehung ab. Der Schuss aus rund 13 Metern war weder besonders scharf noch platziert, doch Muslera ließ den Aufsetzer über die Hände gleiten. Kurz vor der Pause stand es 1:0, und Spanien war nur noch eine Halbzeit vom Gruppensieg entfernt.

Für Uruguay kam es vor dem Seitenwechsel doppelt bitter. Manuel Ugarte verletzte sich kurz nach dem Gegentor in einem Zweikampf schwer am Knie und musste vom Platz getragen werden. Den 40-jährigen Muslera, schon gegen Kap Verde tragische Figur, nahm Bielsa zur Halbzeit vom Feld.

Uruguay ohne Durchschlagskraft, Canobbio sieht Rot

Der zweite Durchgang brachte für die Südamerikaner keine Wende. Die Partie blieb zäh und wurde zunehmend rauer, Uruguay ging hart in die Zweikämpfe. Spanien verwaltete den Vorsprung, ohne nachzulegen. Dani Olmo reklamierte in der 62. Minute vergeblich einen Elfmeter und vergab kurz darauf eine gute Position. Auch Lamine Yamal nutzte in der 72. Minute eine Abschlusschance nicht.

Ferran Torres traf in der 86. Minute die Latte, sonst drohte kaum noch Gefahr. Den Schlusspunkt setzte ein Platzverweis: Agustín Canobbio fuhr mit offener Sohle in einen Zweikampf gegen Pau Cubarsí und ging anschließend noch den Schiedsrichter an. Dafür sah er in der Nachspielzeit die Rote Karte. Die nackten Zahlen unterstreichen das schwache Niveau, denn von je einem Schuss aufs Tor abgesehen blieb das Spiel über weite Strecken harmlos.

Gruppensieg trotz mäßiger Vorrunde

Am Ende zählt das Resultat, und das fällt für Spanien klar aus. Mit sieben Punkten zieht die Mannschaft als Gruppensieger in die Runde der besten 32 ein. Das Auftaktremis gegen Kap Verde wirkt damit wie ein Ausrutscher. Überzeugend war diese Vorrunde allerdings nur in einer einzigen Halbzeit, beim 4:0 gegen Saudi-Arabien. Gegen Uruguay fehlte über weite Strecken die Durchschlagskraft, die man von einem Titelaspiranten erwartet.

Für Uruguay endet das Turnier früh und unrühmlich. Die Celeste scheitert nach 2022 zum zweiten Mal in Folge in der WM-Gruppenphase. Bielsas Aufholjagd nach dem schwachen Start kam nie in Fahrt, gegen die spanische Ballkontrolle fand sein Team keine Mittel. Kap Verde reichte derweil ein 0:0 gegen Saudi-Arabien für Platz zwei, das WM-Märchen des Inselstaats geht damit weiter.

Ausblick: Spaniens Weg in der K.-o.-Runde

Der Gruppensieg verschafft Spanien einen vermeintlich machbaren Auftakt in die K.-o.-Phase. In der kommenden Woche trifft die Mannschaft auf Österreich oder Algerien. Welcher der beiden Gegner es wird, entscheidet sich erst im direkten Duell der Gruppe J am 28. Juni. Den Spielplan ziehen wir nach, sobald das Ergebnis feststeht.

Sportlich bleibt die Frage, ob die kalte Effizienz reicht. Zweimal entschieden bislang ein gegnerischer Patzer und individuelle Klasse, nicht das überlegene Kollektiv. In der K.-o.-Runde genügt ein einziger schwacher Abend für das Aus, gegen stärkere Gegner dürfte das zu wenig sein. Die Personalfragen im Mittelfeld und auf den Flügeln, wo de la Fuente zuletzt rotierte, muss er bis dahin klären.

Quellen: kicker, FIFA Match Centre, ZDFheute, sportschau.de und fussballdaten.de. Stand: 27. Juni 2026.

Der Autor

Als Kenner der Costa Blanca lebt Alexander Gresbek seit vielen Jahren in der spanischen Region am Mittelmeer. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur, Politik, Umwelt und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.

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