Isabella und Isabella: die spanischen zwei Königinnen

Spaniens Königinnen waren zumeist Monarchen-Gattinnen ohne Macht. Doch sowohl im 15. als auch im 19. Jahrhundert regierte jeweils eine gewisse Isabella. Die eine kannte sich mit Inkas aus, die andere mit Industrie. Und beide Reinas stellten vielleicht nicht die Heiligen drei Könige in den Schatten, aber sicher so manchen viel berühmteren spanischen König.

von Tobias Büscher

Zwischen den Regierungszeiten von Isabella I und Isabella II liegen Jahrhunderte. Die erste Königin erlebte die Neue Welt und die Einheit Spaniens. Die zweite Isabel erlebte die Industrialisierung und die Spaltung Spaniens. Doch beide blieben gut drei Jahrzehnte an der Macht, was sonst bislang nie einer Spanierin gelungen ist.

In Zukunft wird sich das aber wohl ändern. Das aktuelle spanische Königspaar Letizia und Felipe haben zwei junge Töchter. Die ältere Leonor kam 2005 zur Welt, sie wird wohl die nächste Regentin Spaniens. Und weiß ganz sicher, welche Macht diese beiden Isabellas hatten. Sie selbst wird eher repräsentieren.

Isabella I: die Katholische

Isabella I. von Kastilien (1451-1505) war eine dieser beiden Isabellas. Kurz nachdem sie den Thron bestieg, heiratete sie ihren Cousin zweiten Grades namens Fernando de Aragón. Der Papst im fernen Rom gab seinen Segen und nannte die beiden Katholische Könige.

Wenn man sich die damalige Zeit vergegenwärtigt, war Isabel mit Abstand die mächtigste Frau in der Geschichte Spaniens. Es war die Zeit, als Spanien innerhalb nur eines Jahres (1492) die letzten Maurenherrscher aus Granada vertrieb, sich erstmals ein Lexikon der Spanischen Sprache gönnte und durch Zufall auch noch Lateinamerika entdeckte.

Reicht noch nicht? Eines kam noch dazu: Die Ehe von Isabella und Ferdinand führte zum Staatsgebilde Spaniens, wie es heute existiert, also zur Einheit des Landes. Den Deutschen gelang das erst Jahrhunderte später, nämlich 1871.

Fernando und Isabella herrschten bereits zuvor über gewaltige Königreiche. Aragón galt als die Region der Händler, Kastilien als Hochburg der Schafzucht. Und die große Frage war: Wer hatte in der Ehe eigentlich das Zepter in der Hand? Zumal beide sehr cholerisch gewesen sein sollen und es noch lange keine Paartherapie gab. 

Historiker sind sich einig, dass es trotzdem gut funktionierte. Beide wussten: Wer die Einheit festigen will, braucht Feinde. Deshalb gründeten sie die Heilige Inquisition, um Juden, Muslime und gegebenenfalls renitente Halbbrüder in Schach zu halten.

Mehr noch: Sie beherrschten bereits den Hof-Tratsch. Bis heute hält sich eine Story, wonach Fernando seine geliebte Isabella einst als Händler verkleidet heimlich in Valladolid getroffen und abgeknutscht haben soll.

Und Isabella brachte Sprüche in Umlauf, die sich noch heute im Internet finden wie den hier: "Für die Einheit Spaniens würde ich sogar meine Kronjuwelen verhöckern, wenn das Geld nicht reicht."

Fünf ihrer Kinder überlebten und wurden groß: María; Isabella, Katarina, Juan und Juana. Eben diese Juana (siehe Porträt unten) war Isabellas rechtmäßige Nachfolgerin. Doch regieren wie ihre Mutter durfte sie nie.

Isabella wurde 53 Jahre alt, 30 Jahre davon war sie Königin. 

Isabella II: die Kastilische

Isabella die Kastilische war die zweite dieser Isabellas. Isabella II (1830-1904) kam schon mit drei Jahren auf den Thron und herrschte bis 1868.

Dass sie die Zeit der Industrialisierung als Königin erlebte, Eisenbahnstrecken einweihte und sogar für eine effektive Kanalisation Madrids sorgte, war den Machos im Land ein Graus. Ihr Onkel Carlos zettelte entsprechend ständig Gemetzel an, die als Carlistenkriege in die Geschichte eingingen.

Sein Ziel, selbst König zu werden, erreichte er aber nie. 

Zunächst führte ihre Mutter Maria Cristina die Regentschaft des minderjährigen Kindes. Dass sie im zarten Alter von 13 Jahren bereits selbst regieren konnte, hatte einen einfachen Grund. Der Hof entschied am 8. November 1843 mit 193 zu 16 Stimmen, dass Isabella volljährig sei. 

Drei Jahre später heiratete sie ihren Cousin ersten Grades: Francisco de Asís, über den der halbe Hofstaat in Madrid tuschelte, er sei der homosexuellste Herzog des ganzen Landes. Die andere Hälfte des Hofstaats wiederum wusste genau, wie viele uneheliche Kinder Francisco von wie vielen Maitressen hatte.

Isabella brachte in den Ehejahren fünf Kinder zur Welt, wobei der jüngste Sohn aussah wie ein guter Bekannter von Isabella, ein einflussreicher General.

Isabella hatte als Königin Spaniens eine Menge Ahnung von Statik, Motoren und Windkraft, das Bildungswesen war ihr nicht ganz so wichtig, im ganzen Land gab es weniger als 60 Bibliotheken. Und sie wusste um die Macht der Fotografie.

Die Bauwirtschaft boomte und die ganze Welt sollte das wissen. Straßennetze, Brückenpfeiler, Kanäle, Transportschiffe, all das ließ sie fotografieren und werbewirksam zur Weltausstellung im Jahr 1867 nach Paris schicken. Sie war jetzt auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Und erreichte den Zenit nie wieder. Mehr noch, sie ging bald selbst nach Paris.

Fünf Jahre später versuchte ein Pater Namens Merino y Gómez die Königin mit einem Stilett zu erstechen, doch Isabella überlebte. Bis auf Kuba, Puerto Rico und die Philippinen hatte Spanien alle Kolonien verloren. Und, so sah es der Hofstaat, die Industriearbeiter im Norden des Landes an die Sozialisten.

Im Land wuchs der Zorn wegen der Ungleichheit im Land. Und fokussierte sich dabei auf die Monarchin.

1868 kam es zu ersten Aufständen und Isabella floh ins Exil nach Frankreich. Sie sah von dort aus mit an, wie in ihrem Land die erste Republik ausgerufen wurde. 

Dem berühmten Journalisten Pérez Galdos gab sie in ihrem Palast in der französischen Hauptstadt eines ihrer ganz wenigen Interviews. Darin soll sie gesagt haben, es seien schwierige Zeiten für die Monarchie gewesen. Doch der Kaffee in Paris: unschlagbar.

Schon erstaunlich: Die Werbewirksamkeit von Isabella I war deutlich effektiver als die ihrer Namenscousine Jahrhunderte später. Doch lange regiert haben sie beide.

Isabel II wurde 74 Jahre alt, 35 Jahre davon war sie Königin.

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