Formel 1 in Madrid 2026: Alles zum neuen Grand Prix

Nach 45 Jahren kehrt die Formel 1 zurück in Spaniens Hauptstadt Madrid. Am 13. September 2026 fällt am neuen Madring-Kurs der Startschuss für eine Ära, die bis 2035 dauern soll. Steilkurve, Tunnel und Tapas an der Boxengasse: Was Fans und Madrid-Reisende erwartet.

Von Alexander Gresbek (Text und Illustrationen)

Am 21. Juni 1981 fuhr Gilles Villeneuve auf dem Circuito del Jarama über die Ziellinie. Fünf Fahrer trennten 1,24 Sekunden. Es war eines der packendsten Rennen der Formel-1-Geschichte – und das letzte Mal, dass die Königsklasse des Motorsports in Madrid gastierte. 

45 Jahre später bekommt die spanische Hauptstadt eine völlig neue Rennstrecke, einen Zehn-Jahres-Vertrag und den Anspruch, eines der spektakulärsten Events im F1-Kalender zu werden.

Der Madring: Keine gewöhnliche Rennstrecke

Der neue Kurs heißt offiziell Madring und liegt im Stadtteil Barajas, rund um das Messegelände IFEMA. 5,4 Kilometer Strecke, 22 Kurven, eine prognostizierte Qualifying-Rundenzeit von 1 Minute 32 Sekunden. 

Das Besondere: Der Madring ist ein Hybrid. Kein reiner Straßenkurs wie Monaco, keine permanente Rennstrecke wie Barcelona. Ähnlich wie in Miami verbindet er eigens gebaute Highspeed-Abschnitte mit 1,5 Kilometern öffentlicher Straße durch das angrenzende Viertel Valdebebas.

Die Boxen und das Fahrerlager ziehen in die Messehallen von IFEMA ein. 200.000 Quadratmeter überdachte Fläche stehen zur Verfügung. Kein anderer Kurs im Kalender hat eine vergleichbare Infrastruktur hinter der Startlinie.

Das Herzstück ist La Monumental: eine 547 Meter lange Steilkurve mit 24 Prozent Neigung, die längste Kurve mit Schrägneigung, die es in der modernen Formel 1 je gab. Der Name lehnt sich an Madrids berühmte Stierkampfarena Las Ventas an.

Dazu kommt ein Tunnel, der an Monaco erinnert, eine Passage mit 8 Prozent Steigung durch das Viertel Cárcavas und eine Hauptgerade, auf der die Autos 340 km/h erreichen sollen, bevor sie in Kurve 5 auf 80 km/h herunterbremsen.

Warum Madrid statt Barcelona?

Barcelona hat den Großen Preis von Spanien seit 1991 auf dem Circuit de Catalunya ausgetragen. Der Vertrag läuft aus. Madrid hat ein Angebot vorgelegt, das schwer zu überbieten war: ein Zehn-Jahres-Deal von 2026 bis 2035, getragen von IFEMA, der Regionalregierung, dem Rathaus und der Handelskammer.

Die Stadt erwartet über 110.000 Zuschauer pro Tag, mit dem Ziel, innerhalb der ersten fünf Jahre auf 140.000 zu wachsen. Das würde Madrid zu einem der größten Veranstaltungsorte im gesamten F1-Kalender machen.

Die wirtschaftlichen Projektionen sind entsprechend ambitioniert. Der Grand Prix soll laut Veranstalter einen Wirtschaftseffekt generieren, der weit über das Rennwochenende hinausstrahlt. Madrids Lokalheld Carlos Sainz fungiert als offizieller Botschafter des Rennens. Bei der Grundsteinlegung am 7. Juni empfingen ihn 80.000 Menschen.

So kommt man hin

Einer der großen Trümpfe des Madring ist seine Erreichbarkeit. Fünf Minuten vom Flughafen Madrid-Barajas, 20 Minuten vom Stadtzentrum. Die Veranstalter rechnen damit, dass 90 Prozent der Zuschauer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. 

Die Metro-Linie 8 hält direkt an der Station Feria de Madrid, von dort sind es wenige Gehminuten zum Südeingang der Strecke. Die Nahverkehrslinie C1 von Renfe verbindet die Station Valdebebas mit Atocha, Chamartín und dem Flughafen-Terminal T4.

Parkplätze auf dem Gelände gibt es nicht. Wer mit dem Auto kommt, muss außerhalb parken und umsteigen. Die Buslinie 828 verbindet den Flughafen mit mehreren Punkten rund um den Kurs. Für das Rennwochenende werden zusätzliche Verbindungen angekündigt.

Tickets zwischen 195 und 800 Euro

Die Ticketpreise bewegen sich auf dem Niveau internationaler Großstadt-Rennen. Stehplätze (Pelouse/General Admission) für drei Tage lagen je nach Verkaufsphase zwischen 195 und 345 Euro. Bronze-Tribünenplätze kosteten zwischen 324 und 544 Euro, Gold-Plätze an der Hauptgeraden mit Blick auf Startaufstellung, Boxengasse und Podium rund 800 Euro.

Die Veranstalter nutzen dynamische Preisgestaltung: Wer früh kauft, zahlt deutlich weniger. Bereits 80.000 Tickets sollen verkauft sein. Tagestickets gibt es ebenso wie Drei-Tages-Pässe.

Jede Eintrittskarte beinhaltet den Zugang zu einer sektorspezifischen Fan-Zone mit Gastronomie, Simulatoren, Ausstellungen und Live-Musik. Die offizielle Hospitality-Area soll die größte VIP-Zone Europas auf einem F1-Kurs werden.

Mehr als ein Rennen

Das Rennwochenende erstreckt sich vom 11. bis 13. September 2026. Freitag: Freie Trainings und Qualifying der Formel 2 und Formel 3, die als Begleitrennen bestätigt sind. Samstag: Qualifying der Formel 1. Sonntag: Das Rennen. Der Kurs bleibt täglich über acht Stunden geöffnet.

Abseits der Strecke plant Madrid Fan-Aktivitäten in der Innenstadt. Die Details stehen noch aus, aber die Idee ist klar: Der Grand Prix soll über das IFEMA-Gelände hinaus in die Stadt ausstrahlen. Madrid spielt dabei seine Stärken aus. 

Wer zum Rennen fliegt, kann Prado, Retiro-Park und die Tapas-Bars von La Latina ins Wochenende packen, ohne das Hotel wechseln zu müssen.

Für wen sich die Reise lohnt

Der Madring richtet sich an drei Zielgruppen: F1-Fans, die einen neuen Kurs bei seiner Premiere erleben wollen. Madrid-Reisende, die ein Sportevent mit einem Städtetrip verbinden möchten. Und Einsteiger, die noch nie bei einem Grand Prix waren. Die Erreichbarkeit, die Infrastruktur und Madrids Angebot abseits der Strecke machen den Einstieg so niedrigschwellig wie bei kaum einem anderen Rennen.

September in Madrid bedeutet: Temperaturen um die 28 Grad, wenig Regen, lange Abende. Die Hochsaison klingt gerade ab, die Hotelpreise sind außerhalb des Rennwochenendes moderater als im Sommer. Wer flexibel ist, legt ein paar Tage vor oder nach dem Grand Prix drauf und hat eine der spannendsten Städte Europas fast für sich.

Quellen: Formula1.com, IFEMA Madrid / madring.com, The Race, RaceFans.net, McLaren Racing, esmadrid.com, GPDestinations.com, RacingCircuits.info

Der Autor

Als Kenner der Costa Blanca lebt Alexander Gresbek seit vielen Jahren in der spanischen Region am Mittelmeer. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur, Politik, Umwelt und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.

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