Flamenco-Tänzerin Rocío Molina beim Tanz
Rocío Molina in ihrem Element © Félix Vázquez

6.07.2013

Flamenco-Tänzerin Rocío Molina triumphiert in Bonn

Gestern Abend hat Flamenco-Star Rocío Molina ein Gastspiel in der Oper Bonn gegeben. Mit Tanzszenen voller Leidenschaft und Experimentierfreude begeisterte sie das rheinische Publikum.

von Marcos Fernández Vacas

Die 28-jährige Rocío Molina aus Málaga zeigte ihre Flamenco-Show Danzaora y Vinática, also Tänzerin und Weinliebhaberin. Der Auftritt in der Oper Bonn war ihre Deutschlandpremiere und der letzte ihrer exklusiven und kurzen Europa-Tournee, die sie vorher nach Paris und Mailand geführt hat. Das Bonner Publikum riss die Vorstellung zum Schluss aus den Sitzen.

Ein avantgardistischer Flamenco-Beginn

Schon beim Einlass des Publikums in den Saal steht Molina mit dem Rücken zum Publikum auf der Bühne. Die rheinischen Aficionados nehmen langsam Platz. Keine Musik ist zu hören und Molina macht keinen einzigen Tanzschritt. Sie hält ein Glas Wein in der einen, eine an einer Kordel befestigten Flasche in der anderen Hand. Mit langsamen Bewegungen verwandelt sie ihren Körper in unterschiedliche Skulpturen. Ein sehr avantgardistischer Beginn für die so traditionelle Kunstform Flamenco.

Minimalismus pur auf der Bühne

Zunächst bleibt das Bonner Publikum erstaunt: Zwar spielt Eduardo Trassiera  fulminant auf der Gitarre, José Angel 'Carmona'” singt und spielt Laute, José Manuel Ramos 'Oruco' und Miguel Angel Ramos 'EL Rubio' sind fürs Handklatschen und Fußstampfen zuständig. Die Bühne ist minimalistisch in Schwarz gehalten, der Tanzboden (tablao) in Blau, keine Dekoration, Tisch und Stuhl im Hintergrund, ein Rhythmuskasten (cajón) im Vordergrund, die kleine Rocío Molina im schwarzen Kleid und ihre Begleiter in schwarzen Anzügen. Keine Azulejos, keine Rundbögen, kein Torero-Porträt. Nichts außer der Musik erinnert an das Flair von Andalusien.

Weinglas mit Fuß zertrümmert, Herzen der Bonner erobert

Doch Rocío Molina macht die Zuschauer neugierig. Zwar ist ihr Tanzstil fest in der Tradition des Zapateado mit den typischen eleganten Bewegungen des Körpers und dem wilden Fußstampfen verankert. Aber es sind von Anfang an auch kleine, abgehackte, manchmal marionettenhafte Elemente im Tanz der Künstlerin vorhanden. Sie lässt sich von Modern Dance, orientalischem Bauchtanz und Ballett inspirieren. Die Bonner geraten immer mehr in ihren Bann. Und  als Molina ein gefülltes Glas Wein auf den Boden stellt, virtuos über und um das Glas herum immer wilder tanzt, um es schließlich mit einem Tritt zu zerbrechen, hat sie die Herzen der Rheinländer gewonnen. Nun begleiten lautes Johlen und Klatschen die einzelnen Tanzszenen. Sie ist Liebende, Verzweifelte, Verführerin, Voodoo-Zauberin mit einer von innen leuchtenden Trommel, und einmal sogar ein Vogel mit kleinen Glöckchen auf dem Kopf.

Mit Rocío Molina hat Flamenco-Tanz Zukunft


Spätestens als  Rocío Molina mit den Füßen das Klirren von Glassplittern einbaut und dann ein Solo tanzt, in dem sie digitale Loop-Technik nutzt, um mit dem Echo der eigenen Schritte einen virtuosen Chor des kunstvollen Stampfens zu formen, ist allen klar, wie sehr der Flamenco-Tanz in der Gegenwart angekommen ist. Die große Künstlerin bedient sicherlich nicht die Wünsche der Puristen. Aber mit der Kraft, mit der Molina die technische Perfektion in den Hintergrund treten lässt und echte Geschichten erzählt, ist sie mehr als nur ein neuer Star am Flamenco-Himmel. Mit Künstlern wie Rocío Molina bleibt den Aficionados der Flamenco mit all seiner Erotik und all seinem Geheimnis noch lange erhalten. Die Bonner belohnten Molina und ihre Truppe in der nicht ausverkauften Oper stehend mit minutenlangen Ovationen. Ihrem Lächeln konnte man ansehen, dass sie nun auch die Rheinländer mag und vielleicht wiederkommt.

 

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