In Spanien Fußball spielen

Casados gegen Solteiros heißt ein Fußballspiel während der Volksfeste in Spanien. Zu Deutsch:  Verheiratete gegen Ledige. Beim lokalen Fußball-Derby neben der Kneipe oder auf dem Dorfplatz darf jeder mitmachen. Ich hab das im nordwestspanischen Galicien mal getestet.

Von Tobias Büscher

Die meisten Spanienurlauber, wenn sie Fußball mögen, schwärmen vom Stadionbesuch oder der Athmo in der Kneipe beim Knaller Barca gegen Real. Doch es geht noch viel aktiver. Also besser mal die Fußballschuhe ins Gepäck und auf zum nächsten Dorffest. Denn solche Fiestas gehen meist einher mit einem Fußballspiel auf dem nächstgelegenen Rasen. 

Die Frage ist nur: Wie einfach ist da die Teilnahme? Also habe ich mich zum Spiel angemeldet. In Rodeiro, einem kleinen Ort wenige km östlich von Lalín in Galicien mit seiner Hauptstadt Santiago de Compostela. War da gerade mit Frau und Tochter unterwegs und hab von dem Event in der Dorkneipe erfahren. Durch das Schild, siehe Foto unten.

Schwarz gegen Weiß: Ablauf des Spiels

Das Spiel geht so: Verheiratete laufen mit schwarzem Shirt auf, Ledige mit weißem. Dabei ist relativ egal, ob die Spieler ansonsten Turnschuhe oder Fußballschuhe tragen, Trainingshosen oder kurze Jeans. Der Spaß steht im Mittelpunkt. Wer mitmachen will: Ein Aushang hängt in den lokalen Kneipen. Das Spiel steigt zumeist bei Dorffesten gegen 18. Uhr. Und die Casados sind meist natürlich älter als die Solteiros, von denen die jüngsten Spieler oft noch in die Schule gehen.

Schwein gehabt: Die Ledigen gewinnen 4:3

Übrigens ging das Spiel in Rodeiro nicht so gut für meine Mannschaft aus: 3:4 haben wir alten Säcke gegen die quirligen Ledigen verloren. Mitmachen darf also jeder. Auch Sprachkenntnisse sind nicht so nötig. Gegebenenfalls einfach den Ehering zeigen oder eben nicht. Dann kann der Anpfiff kommen.

Übrigens: Laut Rathaus von Rodeiro gibt es dort derzeit 1159 Verheiratete und 838 ledige Männer. Auf dem Platz waren wir aber nur 28 Spieler. Aus dem Ausland nur einer, der Neuzugang aus Köln sozusagen. Und in meiner Mannschaft waren zumeist Schweinebauern. In der Gegenmannschaft deren Söhne. Die Kollegen von der Zeitung Voz de Galicia haben herausgefunden, warum das dort ganz normal ist: Rodeiro hat zwar nur eine Mannschaft in der untersten Regionalliga ever, dafür ist der Ort aber der größte Produzent für Schinkenkeulen: Konkret leben in dem Kaff in Zentralgalicien (2600 Einwohner) insgesamt 81.000 Schweine, so viele wie sonst nirgendwo in ganz Nordwestspanien.

Weil Fußball hungrig macht, hat der Wirt uns Verheirateten nach dem Spiel erst mal  ein paar Rationen Jamón Serrano spendiert. Als Trost für die hauchdünne, selbstverständlich völlig unverdiente Niederlage. Den Siegtreffer landete die Gegenmannschaft in der Nachspielzeit sozusagen aus dem Nada. Das ist das spanische Wort für Nichts. 

PS: Spanienweit der berühmteste Fan des Fußballspiels Casados gegen Solteros dürfte Pablo Iglesias sein, der Chef der spanischen Linkspartei Podemos. Der jedenfalls hat auch schon mal so ein Spiel organisiert, sehr zum Gaudi der Medien.