Els Poets: Tierschutzverein an der Costa Blanca
58 Katzenkolonien, 531 registrierte Tiere. Der Verein Els Poets hat in der kleinen Gemeinde Pedreguer bei Dénia eines der erfolgreichsten Katzenkolonie-Programme Spaniens aufgebaut. Getragen wird es von einem Team aus Freiwilligen, die jeden Tag nach ihren Schützlingen sehen.
Von Michelle Gresbek (Text), Alexander Gresbek (Fotos)
Früh am Morgen, manchmal schon um sechs, klingelt bei Paula Dólera das Telefon. Ein Nachbar hat eine verletzte Katze entdeckt, die Polizei meldet ein ausgesetztes Tier. Paula koordiniert, organisiert den Transport zum Tierarzt, fährt selbst hin, wenn es sein muss.
Manchmal dauert so ein Tag bis Mitternacht. Manchmal ist es ruhiger. Bezahlt wird sie dafür nicht. Paula koordiniert ehrenamtlich die 58 Katzenkolonien des Tierschutzvereins Els Poets in Pedreguer Gruppen freilebender Katzen, die an festen Standorten im Ort betreut und tierärztlich versorgt werden.
Insgesamt rund 531 registrierte Tiere. Daneben vermittelt sie bei Nachbarschaftskonflikten rund um die Kolonien.
Doch wenn man Paula fragt, wer hier die eigentliche Arbeit leistet, wird sie sehr deutlich: „Die Menschen, die die Kolonien täglich betreuen, sind die wirklich Wichtigen. Sie kümmern sich um das Futter, die Entwurmung, die Betreuung. Sie fangen die Katzen zur Sterilisierung ein. Anders wäre es gar nicht möglich, weil die Katzen sich nur den Menschen nähern, die sie füttern."'
Allein könnte Paula das auch gar nicht stemmen. Els Poets funktioniert, weil ein ganzes Team den Verein trägt. Jordi ist Präsident und rechtlicher Vertreter. Da ist Nohemí, die neben ihrer Verantwortung für die größte Kolonie auch die Finanzen verwaltet. Isa kümmert sich um die Vereinsverwaltung, Noelia um die sozialen Netzwerke. Daniel unterstützt Paula bei der Betreuung und Organisation der Kolonien. Alle arbeiten ehrenamtlich für den Schutz der Tiere, alle aus Überzeugung.
Ein Dorf, das zuhört
Bevor es Els Poets in dieser Form gab, kümmerten sich in Pedreguer bereits einzelne Bewohner um streunende Katzen. Während der Pandemie zog Paula in das Dorf ihrer Familie und brachte Erfahrung mit: In Madrid hatte sie sich als Beamtin jahrelang nach Feierabend um Katzenkolonien gekümmert. Die Gruppe bat sie um fachliche Unterstützung.
Was folgte, war ein langer Weg. Paula sprach beim Rathaus vor. Einmal, zweimal, immer wieder. „Es hat gedauert, bis sie uns zuhörten", erinnert sie sich. „Aber am Ende haben wir es geschafft." Das Rathaus von Pedreguer hat das Projekt von Anfang an unterstützt und Mittel bereitgestellt.
Bereits vor der Registrierung der Katzenkolonien an der Costa Blanca im Oktober 2023 gab es ein Budget für die Versorgung streunender, ausgesetzter und verlorener Tiere. Mit den Kooperationsverträgen zwischen Gemeinde und Els Poets wurden dann Zuständigkeiten und Finanzen klar geregelt: ein Vertrag für die Katzenkolonien, einer für die Aufnahme von Hunden und anderen Fundtieren.
Bürgermeister Sergi Ferrús und die Tierschutz-Stadträtin Celia Mas Puchol besuchen die Kolonien regelmäßig. Im September 2025 waren sie in Kolonie Nr. 8, der größten im Ort mit 62 registrierten Katzen. Es ist ein Pilotprojekt, das den Richtlinien des spanischen Ministeriums für Soziale Rechte folgt.
Andere Gemeinden aus der Region schauen sich das Modell inzwischen ab.
„Die Erfahrung der Kolonie Nr. 8 ist ein Beispiel dafür, wie Ethik und Zusammenarbeit ein funktionierendes Modell möglich machen", sagte Ferrús bei seinem Besuch. Für eine Gemeinde mit rund 7.800 Einwohnern ist das bemerkenswert.
Viele Orte ähnlicher Größe tun sich schwer mit dem spanischen Tierschutzgesetz von 2023, das den Kommunen die Verantwortung für alle Tiere in ihrem Gemeindegebiet überträgt.
Fangen, sterilisieren, zurückbringen
Das Prinzip hinter dem Programm heißt CER: Captura, Esterilización y Retorno. Die Katzen werden mit Käfigfallen eingefangen, beim Tierarzt sterilisiert, gechipt und entwurmt, dann an ihren Standort zurückgebracht. Dort werden sie an festen Futterstellen versorgt.
Die Sterilisierung ist ein Schlüssel des Programms: Sie verhindert unkontrollierte Vermehrung und reduziert die Verbreitung von Krankheiten wie Immunschwäche (FIV) und Leukämie (FeLV). Auch die Auswirkungen auf die Umgebung gehen zurück, und die Beschwerden der Nachbarn werden weniger. Jeden Mittwoch kommt ein Tierarzt. Kranke Tiere aus den Kolonien oder Tiere, die im Ort ausgesetzt werden, nimmt der Verein auf und versorgt sie. Tiere in Privatbesitz betreut Els Poets dagegen nicht.
Die Zahlen belegen den Erfolg: 171 Sterilisierungen allein im Jahr 2025. Von 58 Kolonien haben 37 den Status „totale Kontrolle" erreicht — 100 Prozent der Tiere sind sterilisiert. Zwei weitere Kolonien liegen über 80 Prozent und gelten als stabil.
Der Verein verfolgt eine Null-Tötungs-Politik. „Wir schläfern keine Katzen ein, es sei denn, ein Tierarzt stellt fest, dass die Krankheit so weit fortgeschritten ist, dass sie mit dem Leben unvereinbar ist."
Die Menschen hinter den Kolonien
Was die Kolonie Nr. 8 zur Vorreiterin macht, sind die Menschen, die sich dort engagieren: Nohemí, Natalia, Yana, Sicilia, Manola, Ana, Aldara und weitere Freiwillige sorgen dafür, dass die Hygiene- und Gesundheitsprotokolle eingehalten werden und die Tiere mit Fachkenntnis und Zuneigung betreut werden.
In den anderen Kolonien ist der Einsatz oft noch größer, weil die Infrastruktur fehlt. Chus etwa betreut eine Kolonie ohne feste Einrichtungen. Teresa kümmert sich um die Katzenkolonie im Seniorenheim des Ortes. 136 Freiwillige insgesamt sehen täglich nach den Tieren, bringen Futter, entwurmen, beobachten.
Der Erfolg dieser Arbeit lässt sich nicht nur in Zahlen messen. Viele der Katzen in Pedreguer waren früher scheu und mieden jeden Kontakt mit Menschen. Durch die tägliche, geduldige Pflege der Betreuerinnen haben sie Vertrauen gefasst. Wer heute die Futterstellen besucht, erlebt Katzen, die angelaufen kommen, sich an Beinen reiben und sich hochnehmen lassen. „Wenn eine Katze einmal Vertrauen gefasst hat, ist sie anhänglicher als jeder Hund", sagt Paula. „Die Menschen wissen das oft nicht, weil sie es nie erlebt haben."
Diese Verwandlung ist das eigentliche Ergebnis: Aus scheuen Straßenkatzen sind Tiere geworden, die sich in ihren Kolonien wohlfühlen und ein echtes Zuhause haben. Kein Tierheim, keine Gitter. Stattdessen feste Plätze im Dorf, betreut von Menschen, die jeden Tag kommen.
20 Euro im Jahr
Die finanzielle Realität des Vereins bleibt angespannt, auch wenn das Rathaus von Anfang an Mittel bereitstellt. Els Poets hat fast 200 Mitglieder. Der Jahresbeitrag beträgt 20 Euro. Ein einziges Mitglied zahlt 50 Euro. Spenden kommen selten. „Wir haben es manchmal wirklich schwer finanziell", gibt Paula zu.
Unterstützung kommt auch von unerwarteter Seite: In der Hauptstraße von Pedreguer gibt es einen Wohltätigkeitsladen, der von engagierten Privatpersonen geführt wird. Wanda und andere haben sich entschlossen, die gesamten Einnahmen an Els Poets zu spenden.
Jeder Cent fließt in die Tierversorgung: Futter, Tierarztkosten, Medikamente. Bei 531 Katzen und der zusätzlichen Hundeaufnahme reicht das Budget trotzdem oft nicht.
Ein Modell für die Region
Der Vereinsname Els Poets geht auf die Gegend Sipoet im Dorf zurück. Die Website poet.org wird gerade überarbeitet. Wer Mitglied werden will, kann das Anmeldeformular online oder direkt im Wohltätigkeitsladen ausfüllen.
Das spanische Tierschutzgesetz von 2023 hat den Gemeinden klare Pflichten auferlegt. Jede Kommune ist verantwortlich für alle Tiere in ihrem Gebiet. Katzen müssen gechipt werden, die Chips laufen auf die Gemeinde. Doch viele Orte kämpfen mit der Umsetzung. Es fehlt an Geld, an Personal, manchmal auch am Willen.
Pedreguer zeigt, dass es funktioniert. Mit politischem Rückhalt, einem engagierten Verein und einem Team aus Freiwilligen, das die Arbeit jeden Tag mit eigenen Händen macht. Oder wie Paula es formuliert: „Wenn einer es gut macht, folgen die anderen vielleicht diesem Beispiel."
Die Autorin
Michelle Gresbek ist Journalistin, Gesundheitswissenschaftlerin und Sachbuchautorin. In ihren Artikeln beschäftigt sie sich mit moderner Medizin und der Frage, wie digitale Innovationen – etwa KI – das Gesundheitswesen verändern.
Sie schreibt unter anderem für Fachmedien sowie deutschsprachige Publikationen in Spanien und legt großen Wert darauf, komplexe medizinische Themen verständlich und praxisnah zu erklären.
Neben ihrer journalistischen Arbeit veröffentlicht sie Bücher zu Medizin, Prävention und KI in der Gesundheitsversorgung. Derzeit promoviert sie nach ihrem Masterabschluss an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Weiterführende Themen








Kommentare :
Bravo für die Qualität des Informationen und die schönen Fotos von glücklichen Katzen!