
6000 Eingeschlossene, evakuierte Hotels: Spanien in Flammen
Verheerende Waldbrände in Spanien:Ein Ferienhotel in der Sierra de Grazalema mit 60 Gästen: geräumt. Eine Wohngegend bei Barcelona: 6.000 Menschen eingeschlossen. Elf Häuser an der Costa Brava: zerstört. Die erste Juliwoche 2026 hat Spanien mit einer Wucht getroffen, die selbst Waldbrandfeuerwehrleute überrascht. Wo es brennt, was bereits kontrolliert ist und wie Sie Ihren Urlaub sicher durch die Hitze bringen.
von Alexander Gresbek (Text und Illustrationen)
Die Zahlen sind alarmierend. Seit Jahresbeginn sind in Spanien 55.128 Hektar Wald durch Feuer verbrannt, mehr als das Doppelte des Vergleichswerts aus dem Vorjahr. Allein in den vergangenen zwei Wochen hat die verbrannte Fläche um 36 Prozent zugenommen.
Spanien trägt damit rund 40 Prozent zur bislang in der Europäischen Union verbrannten Fläche bei. Als Hochrisikoregionen für die kommenden Wochen listet die Zivilschutzbehörde Andalusien, Extremadura, den Südwesten Kastiliens sowie Katalonien und das Vorland der Pyrenäen.
Die katalanische Feuerwehr hat für 219 Gemeinden in 24 Comarcas die höchste Warnstufe des Pla Alfa aktiviert und den Zugang zu acht Naturparks gesperrt, darunter Les Gavarres, Sant Llorenç de Munt und Montserrat, wobei die Klosteranlage weiter zugänglich bleibt.
Costa Brava: Trennscheibe entzündet 2.200 Hektar

Der bislang schwerste Brand des Jahres 2026 begann am Freitag, 2. Juli, in der Sierra Les Gavarres, rund fünf Kilometer von der Küste bei La Bisbal d'Empordà entfernt. Ein Arbeiter, der in einem als Hochrisikogebiet ausgewiesenen Areal mit einer Trennscheibe hantierte, wurde festgenommen.
Der Einsatz elektrischer Maschinen war dort behördlich untersagt. Die Flammen zerstörten 2.200 Hektar Vegetation, elf Häuser gingen vollständig verloren, 14 wurden beschädigt. Zeitweise saßen 45.000 Menschen in zwölf Küstenorten unter Ausgangssperre, ein Ferienlager brachte Kinder in Sicherheit.
Seit Dienstag, 8. Juli, gilt das Feuer als kontrolliert. Für Ihre Reiseplanung heißt das: Der Küstenbetrieb in Calonge, Sant Antoni, Castell d'Aro und Platja d'Aro läuft normal. Die Landstraßen GI-660 zwischen La Bisbal und Calonge sowie die GIV-6612 zwischen Santa Cristina d'Aro und Calonge bleiben aber gesperrt, ebenso alle Wanderwege im Naturpark Les Gavarres.
Sierra de Grazalema: 60 Hotelgäste evakuiert
Am Montag, 6. Juli, gegen 14 Uhr brach im Naturpark Sierra de Grazalema ein Feuer aus, das binnen Stunden auf den beliebten Bergort Grazalema zurollte. Rauchsäulen waren aus Ronda und Algodonales sichtbar.
Die Feuerwehr Infoca räumte das Hotel El Fuerte Grazalema mit 60 Gästen, ein zweites Hotel und mehrere Wohnhäuser. Insgesamt 188 Menschen mussten ihre Betten verlassen. Am Dienstag, 7. Juli, um 10:07 Uhr erklärte Notfallminister Antonio Sanz das Feuer für stabilisiert, die Alarmstufe fiel von eins auf null, alle Evakuierten kehrten zurück.
Betroffen sind rund 222 Hektar Naturpark, überwiegend Korkeichenwald, der eine hohe biologische Regenerationsfähigkeit besitzt. Die Straßen A-372 und CA-9123 sind wieder frei, das Hotel El Fuerte hat den Betrieb wieder aufgenommen.
Wer eine Rundreise durch die weißen Dörfer plant, kann Grazalema, Zahara de la Sierra und Ronda wieder ansteuern.
Barcelona: Ausgangssperre für 6.000 Menschen

Für die Metropole Barcelona wurde der 8. Juli zum bislang heißesten Tag der Stadtgeschichte, das Thermometer zeigte 41 Grad. Um 13:34 Uhr brannten in der Calle Montserrat Roig in Gavà, einem Küstenort südlich der Stadt, mehrere Autos.
Die Flammen schlugen auf die trockene Vegetation der Serra de Ferreres über. Der Zivilschutz löste eine ES-Alert-Warnung auf die Mobiltelefone im Gebiet aus und schloss 6.000 Menschen in den Urbanisationen Can Tries und Bruguers, im gesamten Ort Sant Climent de Llobregat und im Bereich Puig de Miramar in Viladecans ein.
Am Abend meldeten die Bomberos „stabilisiert", betroffen waren rund acht Hektar. Zeitgleich kämpften Einsatzkräfte weiter gegen den seit Montag brennenden Waldbrand bei Sentmenat, 20 Kilometer nördlich von Barcelona, wo 181 Hektar verkohlten und rund 300 Personen in Sant Sebastià und El Farell eingeschlossen blieben.
Wer im Großraum Barcelona übernachtet, sollte die spanische Warn-App AlertCops auf dem Handy installieren, damit ES-Alert-Warnungen in Echtzeit ankommen.
Weitere Brandherde von Aragón bis Asturien
Die Karte hat weitere Punkte. In Aragón vernichtete ein Feuer bei Loporzano in der Provinz Huesca 245 Hektar, davon 60 im Naturpark Sierra y Cañones de Guara. In Soneja (Provinz Castellón, Region Valencia) rief die Landesregierung die Alarmstufe zwei von drei aus und forderte das Militär an.
An der Costa del Sol brannte es an der AP-7 bei Estepona sowie im Naturgebiet Paraje Camino del Pozuelo, beide Brände gelten als kontrolliert. Nahe der Picos de Europa in Asturien breitet sich ein Feuer in einem beliebten Wandergebiet aus.
Galicien meldet fast stündlich neue Herde, unter anderem in Padrón, Boborás und Xermade. Bereits Mitte Juni brannten im Nationalpark Doñana bei Almonte (Huelva) 5.000 Hektar ab.
Menschliche Ursache in 95 Prozent der Fälle




Nach Angaben der Landesfeuerwehren gehen 95 Prozent der spanischen Waldbrände auf menschliches Handeln zurück. An erster Stelle stehen Unachtsamkeit und Fahrlässigkeit: weggeworfene Zigarettenkippen, Glasflaschen im Gebüsch, die wie Brenngläser wirken, Grillfeuer außerhalb zugelassener Stellen, Feuerwerk, Funken von Landmaschinen und Trennscheiben.
Hinzu kommen vereinzelte Fälle von Brandstiftung. In Torroella de Montgrí an der Costa Brava nahm die Polizei einen Mann fest, dem vier Brandlegungen zur Last gelegt werden. Für Reisende bedeutet das: Wer im Sommer in Spanien unterwegs ist, sollte die Feuer- und Rauchverbote in Naturgebieten strikt einhalten.
Bei Missachtung drohen Bußgelder in vier- bis fünfstelliger Höhe. In vielen Regionen ist auch das Befahren von Waldwegen und der Einsatz elektrischer Geräte im Freien untersagt.
Quellen:
Auswärtiges Amt, Reise- und Sicherheitshinweise Spanien, Stand 6. Juli 2026
Costa Nachrichten (Marco Schicker), Live-Ticker Waldbrände Spanien, Updates 3.–9. Juli 2026
Euronews Deutsch, Waldbrände 2026 in Spanien – die Bilanz in Zahlen, 4. Juli 2026
Sevilla Actualidad, Desalojado un hotel por un incendio forestal en Grazalema, 6. Juli 2026
Hosteltur, El fuego obliga a desalojar dos hoteles en Grazalema, 7. Juli 2026
COPE Cádiz, Estabilizan el incendio de Grazalema, 7. Juli 2026
Infobae, Estabilizado el incendio de Grazalema, 7. Juli 2026
El Nacional, Un incendio forestal en Gavà obliga a confinar a 6.000 personas, 8. Juli 2026
Infobae, El fuego no da tregua en Cataluña, con 6.000 confinados en Gavà, 8. Juli 2026
Metropoli Abierta, Incendios en Barcelona en plena ola de calor, 8. Juli 2026
Público, Incendios forestales en España: estabilizados y focos activos, 8. Juli 2026
El Diario, Última hora incendios en España, 8. Juli 2026
Spanienleben, Waldbrand nahe Costa Brava zerstört rund 2.200 Hektar, 6. Juli 2026
Nau.ch, Touristen in Spanien flüchten vor Feuerhölle, 8. Juli 2026
EFFIS/Copernicus, aktuelle Brandflächenstatistik EU/Spanien
AEMET und MITECO, Warnstufen und Waldbrandalarm Juli 2026
Der Autor
Als Kenner der Costa Blanca lebt Alexander Gresbek seit vielen Jahren in der spanischen Region am Mittelmeer. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur, Politik, Umwelt und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.
Weiterführende Links
Klimaschutz in Spanien
Klimawandel in Spanien



Seien Sie der Erste, der kommentiert