
Klimawandel in Spanien: Fakten, Fronten, Folgen
Andújar meldete am 20. Juni 2026 einen Höchstwert von 45,1 Grad, drei Tage vor dem astronomischen Sommeranfang. Spanien hat die heißesten Juni-Tage seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt. Und trotzdem verläuft die Debatte über die Ursachen weiter entlang politischer Fronten. Was in der Klimaforschung gesichert ist, was strittig bleibt und wo die Grenzen zwischen Wissenschaft und Ideologie verlaufen.
Von Alexander Gresbek (Text und Ilustrationen)
Der Sommer 2026 hat seine Aufgabe früh übernommen. Zwischen dem 21. und 25. Juni registrierte das spanische Sterblichkeitsüberwachungssystem MoMo 327 hitzebedingte Todesfälle. Die landesweite Durchschnittstemperatur erreichte am 23. Juni 28,17 Grad und übertraf damit den bisherigen Juni-Rekord vom 30. Juni 2025.
In der kantabrischen Ortschaft Tama wurden 43,7 Grad gemessen, der höchste je in Nordspanien erfasste Wert. Am 5. Juli rief AEMET die zweite Hitzewelle des Sommers aus, mit Spitzen bis 44 Grad im Ebro-Tal und im Südwesten.
Die Wissenschaftsorganisation Climate Central berechnete für die Junihitze einen Climate Shift Index von 5. Das heißt: Der menschengemachte Klimawandel hat diese Temperaturen mindestens fünfmal wahrscheinlicher gemacht.
Parallel brennen die Wälder. Im Nationalpark Doñana bei Almonte verbrannten rund 5.000 Hektar, an der Costa Brava bei La Bisbal d’Empordà weitere 2.400. Am 5. Juli beschrieben Einsatzkräfte einen Brand bei Soneja in der Provinz Castellón zeitweise als „völlig unkontrollierbar“. Auf diesem Hintergrund lohnt der Blick auf die Debatte, die seit fast 20 Jahren geführt wird.
Ein Film, ein Wendepunkt
Im Mai 2006 stand ein früherer US-Vizepräsident vor einer Kinoleinwand und zeigte Diagramme. „An Inconvenient Truth“ verkaufte 24 Millionen Kinokarten, gewann zwei Oscars und brachte Al Gore einen halben Friedensnobelpreis. Der Film erreichte Menschen, die keinen Fachartikel gelesen hätten, und zog zugleich eine Linie durch das amerikanische Publikum, die bis heute quer durch Kongress, Schulbücher und Nachbarschaften verläuft.
Manche Warnungen des Films hielten der Zeit nicht stand. Die Schneekappen des Kilimandscharo verschwanden nicht binnen zehn Jahren. Die zugrunde liegenden Trends bestanden weiter, doch konservative Publizisten hatten ihr Argument gefunden. Wer ein Detail wackeln sah, konnte das ganze Gebäude infrage stellen.
Bis in die frühen 2000er Jahre war Klimapolitik überparteilich. George H. W. Bush unterschrieb 1992 die UN-Klimarahmenkonvention. John McCain warb 2008 als republikanischer Präsidentschaftskandidat für einen Emissionshandel. Dann kippte das Klima des Klimadiskurses.
Die Tea Party wuchs, „Cap and Trade“ wurde zum Schimpfwort. Donald Trump verließ 2017 das Pariser Abkommen, Joe Biden trat 2021 wieder bei, Trump kündigte in seiner zweiten Amtszeit erneut. 2019 legten die Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez und Senator Ed Markey den Green New Deal vor. Das Programm koppelte Klimaschutz mit Krankenversicherung, Mindestlohn und Wohnbaupolitik.
Für seine Befürworter war das die logische Verbindung von Klimakrise und sozialer Gerechtigkeit. Für seine Gegner der Beleg, dass Klimaschutz nur ein Vehikel für linke Wirtschaftspolitik sei. Was als Frage der Naturwissenschaft begann, wurde eine Identitätsfrage.
Klimaleugner, Klimaalarmisten und die Sprache dazwischen
Der Wortwechsel folgte den politischen Fronten. Aus „Global Warming“ wurde „Climate Change“, weil sich mehr veränderte als nur die Temperatur. „Klimaskeptiker“ wurden zu „Klimaleugnern“. Beide Seiten arbeiten mit Reizvokabeln. Wer skeptisch fragt, sieht sich neben Holocaustleugnern geparkt. Konservative Kommentatoren sprechen im Gegenzug von „Klimaalarmisten“ und „grüner Ideologie“, auch dort, wo Wissenschaftler Extremszenarien nur mit Wahrscheinlichkeitsbändern präsentieren.
Beide Kampfbegriffe treffen echte Positionen. Es gibt tatsächlich Menschen und Institutionen, die den menschengemachten Klimawandel bestreiten, obwohl die Datenlage klar ist. Die spanische Rechtspartei Vox bezeichnet ihn regelmäßig als „Umweltfanatismus“.
Das Heartland Institute in Chicago hat über Jahrzehnte Konferenzen finanziert, auf denen die Existenz des Klimawandels grundsätzlich bestritten wurde. Umgekehrt gibt es Kampagnen und Buchautoren, die einzelne Extremprognosen als sicheres Zukunftsszenario verkaufen, obwohl die Forschung sie als eher unwahrscheinliche Randfälle einordnet.
Wer die Debatte verstehen will, muss beide Formen von Übertreibung erkennen und beide Formen von Stigmatisierung ablehnen.
Wer die Botschaft bezahlt
Interne Dokumente von ExxonMobil, ab 2015 in mehreren Wellen veröffentlicht, zeigen: Der Konzern kannte den menschlichen Beitrag zur Erwärmung seit den späten 1970er Jahren. Trotzdem finanzierte er über Jahrzehnte Kampagnen, die diese Erkenntnisse infrage stellten. Auf der Gegenseite mobilisieren Umweltstiftungen, Solarhersteller und internationale NGOs beträchtliche Summen für ihre Sicht. Wer eine Studie zitiert, zitiert oft auch einen Geldgeber.
Medien tragen ihren Teil bei. Redaktionen berichten bevorzugt über die drastischste Studie, den apokalyptischsten Bericht. Das erzeugt Klicks. Der wissenschaftliche Alltag mit Fußnoten liest sich weniger dramatisch. Bleibt ein angekündigtes Extremszenario aus, folgt der Rückschlag: „Seht ihr, alles übertrieben.“ So schaukelt sich die Debatte in beide Richtungen hoch.
Der Kulturkampf erreicht Madrid

Wer glaubt, das sei ein amerikanisches Problem, sollte nach Spanien schauen. Am 28. April 2025 kollabierte gegen Mittag das Stromnetz der iberischen Halbinsel. Innerhalb weniger Sekunden fielen etwa 60 Prozent der Leistung weg. Zwölf Stunden lang standen Züge, brachen Mobilfunknetze zusammen, mussten Krankenhäuser auf Notstrom.
Noch bevor die Ursachensuche begann, war die politische Interpretation da. Konservative Medien und die rechte Vox machten die erneuerbaren Energien verantwortlich. Ministerpräsident Pedro Sánchez konterte, die Kritiker seien „Hobby-Lobbyisten“ der Atomkonzerne.
Der Zwischenbericht der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E entlastete die Photovoltaik weitgehend. Am Deutungskampf änderte das wenig. Eine Sigma-Dos-Umfrage im April 2026 fand: 32,8 Prozent der Spanierinnen und Spanier machen weiter die Erneuerbaren für den Blackout verantwortlich. Die Fundación BBVA dokumentiert parallel, dass 15 Prozent den menschengemachten Klimawandel bezweifeln, unter politisch rechts orientierten Befragten sind es 29 Prozent.
Was die Physik wirklich sagt
Jenseits der politischen Fronten ist die Grundlage stabil. Den Treibhauseffekt beschrieben der irische Physiker John Tyndall und die amerikanische Forscherin Eunice Foote bereits im 19. Jahrhundert. CO₂ und Methan absorbieren einen Teil der Wärmestrahlung, die die Erde ins All abgibt. Die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre ist seit Beginn der Industrialisierung von etwa 280 auf rund 420 ppm gestiegen. Isotopenanalysen zeigen, dass dieser Zusatzkohlenstoff überwiegend aus fossilen Brennstoffen stammt.
Auch die Erwärmung selbst lässt sich in harten Zahlen fassen. AEMET hat für Spanien seit 1961 einen Anstieg der Jahresmitteltemperatur um 1,75 Grad dokumentiert. 2025 lag der Landesmittelwert bei 15,1 Grad, das sind 1,1 Grad über dem Referenzzeitraum 1991 bis 2020. Die zwölf wärmsten Jahre der Serie liegen sämtlich im 21. Jahrhundert.
Die Statistik der Rekordtage lässt kaum Zweifel: 2025 zählte AEMET 25 Rekorde für besonders warme Tage und keinen einzigen für kalte. In den letzten zehn Jahren waren warme Tagesrekorde 32-mal häufiger als kalte.
Der Meeresspiegel ist im weltweiten Durchschnitt seit dem späten 19. Jahrhundert um rund 25 Zentimeter gestiegen. Die spanischen Küstengewässer verzeichneten 2025 das vierte extrem warme Jahr in Folge, 0,8 Grad über dem Referenzwert. Im westlichen Mittelmeer wurden regionale Höchstwerte erreicht. Nach WHO-Angaben erwärmt sich Europa insgesamt etwa doppelt so schnell wie die Weltmeere und Landflächen im Durchschnitt.
Klimasensitivität und Tipping Points
Nicht alles ist gleich klar. Die Klimasensitivität beschreibt die langfristige Temperaturreaktion auf eine Verdopplung der CO₂-Konzentration. Der Weltklimarat (IPCC) gibt einen Bereich von etwa 2,5 bis 4 Grad an. Am oberen Rand hätten dieselben Emissionen deutlich härtere Folgen als am unteren. Trotz jahrzehntelanger Forschung mit immer leistungsfähigeren Modellen lässt sich der Wert kaum enger eingrenzen.
Ähnlich offen ist die Diskussion um sogenannte Tipping Points, im Deutschen als Kipppunkte bezeichnet. Gemeint sind Prozesse im Erdsystem, die sich nach Überschreiten einer bestimmten Schwelle selbst verstärken und teilweise nicht mehr rückgängig zu machen sind.
Ein Lehrbuchbeispiel ist das arktische Meereis: Solange die Fläche weiß ist, reflektiert sie einen großen Teil des Sonnenlichts zurück ins All. Schmilzt das Eis, absorbiert das dunkle Wasser darunter die Strahlung, die Region erwärmt sich zusätzlich, weiteres Eis schmilzt. Ein Kreislauf, der sich selbst antreibt.
Als besonders relevant gelten das Abschmelzen der Eisschilde in Grönland und der Westantarktis, das Auftauen von Permafrostböden mit Methanfreisetzung und die großflächige Schädigung des Amazonasregenwaldes. Ob und wann solche Schwellen tatsächlich überschritten werden, ist umstritten. Einige Studien sehen bereits in diesem Jahrhundert Risiken, andere geben mehr Zeit. Wer diese Bandbreite kennt, sortiert Schlagzeilen anders.
Extremwetter: Spanien als Fallstudie
Bei Extremwettern differenziert die Forschung stärker, als es die Talkshow zulässt. Für Hitzewellen ist der Zusammenhang mit dem Klimawandel gut belegt. Der Sommer 2025 lieferte ein spanisches Lehrbuchbeispiel: 24,2 Grad im landesweiten Sommermittel, 2,1 Grad über dem Referenzzeitraum, 45,8 Grad am 17. August in Jerez de la Frontera.
Das Gesundheitsministerium registrierte zwischen Mai und September 3.832 hitzebedingte Todesfälle. Der Juni 2026 knüpft nahtlos an, mit neuen Landesrekorden und einer ersten Bilanz von rund 1.000 zusätzlichen Todesfällen.
Bei Starkregen ist die physikalische Erklärung ähnlich robust, weil wärmere Luft mehr Wasserdampf transportiert. Eine im Februar 2026 in Nature Communications veröffentlichte Attributionsstudie zur DANA von Valencia rekonstruierte das Ereignis vom 29. Oktober 2024 mit hochauflösenden Simulationen und verglich es mit einer vorindustriellen Welt.
Ergebnis: Die Niederschlagsmenge im Sechsstundenfenster fiel 21 Prozent höher aus, die Fläche mit mehr als 180 Litern pro Quadratmeter war um 55 Prozent größer. 238 Menschen kamen ums Leben, der Sachschaden lag bei rund 29 Milliarden Euro.
Bei tropischen Wirbelstürmen ist die Datenlage weniger eindeutig. Es gibt Hinweise darauf, dass besonders starke Stürme intensiver werden. Ob ihre Gesamtzahl steigt, ist deutlich weniger klar. Für Spanien ist das ohnehin nachrangig: Tropische Zyklone erreichen die iberische Halbinsel nur ausnahmsweise als abgeschwächte ehemalige Hurrikane, wie 2005 „Vince“ auf Andalusien.
Politisch relevanter ist der spanische Ableger einer verwandten Klasse, die DANA, deren Wechselspiel aus warmem Mittelmeer und kalter Höhenluft immer heftiger ausfallen kann.
Bei Waldbränden spielen viele Faktoren zusammen. Vegetation, Landnutzung, Waldbewirtschaftung und menschliche Zündquellen entscheiden mit.
Die World Weather Attribution Initiative untersuchte die spanischen Feuer vom Sommer 2025: Die Kombination aus Hitze, Trockenheit und Wind, die etwa 382.000 Hektar verbrennen ließ, wurde durch den Klimawandel rund 40-mal wahrscheinlicher und 30 Prozent intensiver.
Das ist ein Teil der Erklärung. In Galicien tragen Landflucht, aufgegebene Weidewirtschaft und der Vormarsch von Eukalyptus-Monokulturen wesentlich zur Anfälligkeit bei. Der Klimawandel erhöht das Risiko, ohne Prävention und Landnutzungspolitik erklärt er die Feuer allein aber nicht.
Streit um die Rechnung
Auch bei den Kosten scheiden sich die Geister. Der britische Ökonom Nicholas Stern veröffentlichte 2006 im Auftrag der britischen Regierung eine Studie, die bis heute die Argumentationsgrundlage vieler Klimapolitiken bildet: Frühzeitiger Klimaschutz ist langfristig billiger als die Schäden eines ungebremsten Wandels.
Der dänische Politikwissenschaftler Bjørn Lomborg widerspricht dem nicht grundsätzlich. Er stellt die Prioritätensetzung infrage. Nach seiner Rechnung würden dieselben Milliarden im globalen Gesundheitswesen, in Bildung und Trinkwasserversorgung mehr Leben retten als in schneller Dekarbonisierung. Ökonomen streiten seit Jahren darüber, mit welchen Diskontsätzen und Modellannahmen zu rechnen ist. Die Antworten spannen zwischen einigen Dutzend und mehreren Hundert US-Dollar pro Tonne CO₂.
Berlin, Paris, Madrid: Drei Antworten
Handfest wird die Debatte, wenn Kraftwerke stillgelegt werden. Deutschland stieg nach Fukushima aus der Kernenergie aus. Die Entscheidung war umstritten und ist es bis heute. Kritiker halten sie für einen Klimafehler.
Befürworter verweisen auf zwei Punkte, die in der Kernkraftdebatte selten zusammen bewertet werden: Die deutschen Reaktoren waren beim Stilllegungsbeschluss teils über 30 Jahre alt, die Katastrophen von Tschernobyl 1986 und Fukushima Daiichi 2011 haben die Risiken alternder Anlagen sichtbar gemacht. Und ein Endlager für hochradioaktiven Müll existiert bis heute nicht, auch nach mehr als sechs Jahrzehnten kommerzieller Kernenergienutzung. Die Zwischenlager in Ahaus, Gorleben und Lubmin sind Notlösungen.
Als Klimafehler wird das oft dennoch bezeichnet, weil die Lücke zunächst durch Braunkohle und Erdgas gefüllt wurde. Das eigentliche Problem der deutschen Energiepolitik liegt inzwischen anderswo, und zwar in der Gegenwart.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat seit ihrem Amtsantritt 2025 mehrere Gesetzentwürfe vorgelegt, die den Ausbau der Erneuerbaren verlangsamen. Die Einspeisevergütung für neue kleine Solaranlagen soll gestrichen werden. Das sogenannte Netzpaket würde in „kapazitätslimitierten“ Gebieten die Redispatch-Entschädigungen für neu angeschlossene Wind- und Solarparks entfallen lassen.
Der Bundesverband Solarwirtschaft, der Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen und selbst die frühere christdemokratische NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser, heute Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie, warnen vor einem Investitionsstopp. Der Spiegel nennt die Pläne einen „Energiewende-Stopp durch die Hintertür“. Der Anteil der Erneuerbaren am deutschen Strommix erreichte 2024 mit 62,7 Prozent einen Rekord. Um das 80-Prozent-Ziel für 2030 zu erreichen, müsste das Ausbautempo mindestens gehalten werden.
Es sinkt gerade.
Frankreich erzeugt seit den 1970er Jahren große Teile seines Stroms atomar. Die Emissionen im Stromsektor liegen entsprechend niedrig. Das ungelöste Endlagerproblem besteht auch dort, ebenso die Frage nach der Sicherheit alternder Reaktoren.
Spanien geht seinen eigenen Weg. Sieben Reaktoren sind in Betrieb, der schrittweise Ausstieg ist bis 2035 geplant, Almaraz-1 soll 2027 als erster vom Netz gehen. Nach dem Blackout vom April 2025 beantragten Iberdrola, Endesa und Naturgy im November 2025 eine Laufzeitverlängerung um rund drei Jahre bis 2030. Die Debatte ist offen, die Regierung hat sich bislang nicht bewegt. Anders als in Deutschland wächst der Erneuerbaren-Anteil rasant.
Laut Fraunhofer ISE lag er 2025 bei rund 59 Prozent der Nettostromerzeugung, allein die Onshore-Windkraft trug 22,2 Prozent bei. Der aktualisierte Nationale Energie- und Klimaplan (PNIEC 2023 bis 2030) peilt 81 Prozent Erneuerbare bis 2030 an.
Bei der Anpassung ist Spanien pragmatisch. Barcelona betreibt seine beiden Meerwasserentsalzungsanlagen seit der letzten Dürre auf über 80 Prozent Kapazität. Sánchez hat ein landesweites Netz von Hitzeschutzräumen angekündigt. Frühwarnsysteme wurden nach Valencia überarbeitet.
Warum die Weltbilanz nicht aufgeht
International wirkt das Bild widersprüchlich, weil verschiedene Länder in verschiedene Richtungen laufen. China ist mit rund einem Drittel der weltweiten CO₂-Emissionen der größte Emittent, baut aber gleichzeitig mehr Solar- und Windkapazität aus als der Rest der Welt zusammen.
Neue Kohlekraftwerke gehen weiter ans Netz, obwohl Peking Klimaziele verkündet. Die USA sind zweitgrößter Emittent. Unter Trumps zweiter Amtszeit ist das Land 2025 erneut aus dem Pariser Abkommen ausgetreten,
Förderprogramme für Erneuerbare wurden zurückgefahren, Öl- und Gasproduktion ausgeweitet. Indien deckt seinen wachsenden Energiebedarf zu großen Teilen weiter mit Kohle und beharrt darauf, denselben fossilen Entwicklungspfad wie einst Europa und Nordamerika zu haben.
Die EU liegt bei den Pro-Kopf-Emissionen im Rückgang, macht aber nur noch rund sieben Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen aus. Selbst eine vollständige europäische Dekarbonisierung würde die globale Kurve nur wenig bewegen. Daraus zieht ein Teil der europäischen Debatte pessimistische Schlüsse, ein anderer die Aufforderung, Vorbild und Technologielieferant zu sein.
Grautöne halten aus
Die grundlegenden Mechanismen des Klimawandels gelten als gut belegt. Die Erde erwärmt sich, der Mensch ist der dominierende Faktor, das Mittelmeer heizt sich schneller auf als die Weltmeere im Durchschnitt, Spanien spürt die Folgen früher und deutlicher als der europäische Durchschnitt.
Über die exakte Stärke einzelner Auswirkungen, das Timing möglicher Tipping Points und die klügste Klimapolitik streiten Fachleute weiter. Wer diese Trennlinien erkennt, kommt in der Debatte weiter als jemand, der jedes Extremereignis einer einzigen Ursache zuordnet oder jeden Zweifel für Verrat hält. Die Debatte kann warten, das Thermometer nicht.
Praktische Hinweise
Der aktualisierte PNIEC 2023 bis 2030 lässt sich über das Ministerio para la Transición Ecológica y el Reto Demográfico einsehen. Tagesaktuelle Hitze- und DANA-Warnungen stellt AEMET unter aemet.es bereit. Der jährliche europäische Klimabericht ESOTC des Copernicus Climate Change Service erscheint jeweils Ende April.
Quellen
AEMET (Informe sobre el estado del clima de España 2025, Warnkarten Juni/Juli 2026); Ministerio de Sanidad (MoMo, Hitzemortalität); Nature Communications (Attributionsstudie DANA Valencia, Februar 2026); World Weather Attribution (iberische Waldbrände September 2025, europäische Hitzewellen Juni 2026); Climate Central (Climate Shift Index Juni 2026); Copernicus Climate Change Service (ESOTC 2025); Fraunhofer ISE via Statista (Strommix 2025); Ministerio para la Transición Ecológica y el Reto Demográfico (PNIEC); ENTSO-E (Zwischenbericht Blackout April 2025); Fundación BBVA (Estudio de Cultura Científica); Sigma Dos; IPCC (AR6); Stern Review (2006); ExxonKnew-Dokumente (Inside Climate News, LA Times); Bundesverband Solarwirtschaft; Der Spiegel; pv-magazine.de; taz.de; t-online.de; euronews.de.
Der Autor
Als Kenner der Costa Blanca lebt Alexander Gresbek seit vielen Jahren in der spanischen Region am Mittelmeer. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur, Politik, Umwelt und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.
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