Guide Santiago de Compostela

Ein Wochenende in Santiago: 15 Highlights mit praktischen Infos

Santiago de Compostela gehört zu den wichtigsten historischen Städten Nordspaniens: Die Stadt entstand aus der mittelalterlichen Verehrung des Apostelgrabes des heiligen Jakobus und entwickelte sich seit dem 9. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Pilgerzentren Europas. 

Von Tobias Büscher

2027 ist ein besonderes Jahr, denn dann fällt der Jakobustag am 25. Juli auf einen Sonntag und Santiago begeht wieder ein Heiliges Jahr. Für Besucher bedeutet das eine besonders lebendige Atmosphäre, mehr Pilger auf den Wegen und ein dichtes Zusammenspiel aus Geschichte, Glauben, Kultur und Stadtleben.

Die Kehrseite: Viele Stadtbewohner fliehen im Hochsommer zu Freunden und Verwandten in den umliegenden Orten Galiciens, denn in den Altstadtgassen wird es proppevoll. Weil unsere Redaktion selbst vor Ort ist, schrieb eine Freundin (Virginia): „Tobi, ich komme nur mal kurz am 25. Juli zurück in meine Stadt. Weil Du es bist“.

Fakt ist: Pro Jahr stellt das Pilgerbüro inzwischen nach Angaben des galicischen Regierungschefs Alfonos Rudea mehr als 530.000 Pilgerdokumente (Compostelana) aus. Pro Jahr. 

Von der Kathedrale bis zum Markt

Heiliges Jahr und Massenpilgertum hin oder her. Nachfolgend die 15 immer gültigen Sehenswürdigkeiten in Santiago de Compostela mit genauer Beschreibung, Öffnungszeiten und – soweit verlässlich veröffentlicht – konkreten Eintrittspreisen in Euro.

  1. Kathedrale von Santiago de Compostela
    Die Kathedrale ist das religiöse und symbolische Zentrum der Stadt und das berühmte Ziel des Jakobswegs. Berühmt ist die barocke Obradoiro-Fassade (wörtlich Goldenes Werk), das Grab des Apostels Jakobus, der goldbesetzte Hochaltar aus Materialien Lateinamerikas und die starke räumliche Wirkung des Innenraums. Für viele Besucher ist sie der emotionale Höhepunkt jeder Reise nach Santiago. Und sie stellen fest: Die Orgelpfeiffen sind horizontal.

    Öffnungszeiten: tgl. 7-21 Uhr. Eintritt: die Basilika ist zu den Gottesdiensten kostenlos zugänglich.

    2. Museum der Kathedrale
    Das Museum vertieft den Besuch der Kathedrale und zeigt Kreuzgang, Schatzkammer, sakrale Kunstwerke, archäologische Stücke und Räume zur Baugeschichte.. Geöffnet: tgl. 10-20 Uhr. Eintritt: ab 10 € für die Dauerausstellung; je nach Besuchsart können andere Preise gelten.

    3. Pórtico de la Gloria
    Dieses Meisterwerk (wörtlich Tor der Glorie) von Meister Mateo gehört zu den bedeutendsten Werken der romanischen Bildhauerei in Europa. Meister Mateo war ein im 12. Jahrhundert tätiger Baumeister, Architekt und Bildhauer, über dessen Herkunft und Ausbildung nur wenig Sicheres bekannt ist.

    Belegt ist, dass er seit 1168 im Auftrag von König Fernando II. von León an der Kathedrale von Santiago de Compostela arbeitete und dort den westlichen Abschluss des romanischen Baus prägte. Zu seinem Projekt gehörten die Krypta unter dem Portal, der Pórtico de la Gloria selbst, die heute verlorene westliche Fassade sowie ein später abgebrochener steinerner Chor.

    Seine Figuren zeigen eine für die Romanik außergewöhnliche Lebendigkeit: Apostel, Propheten, Engel und biblische Szenen wirken nicht starr, sondern ausdrucksstark und erzählerisch. Deshalb gilt Mateo als einer der großen Künstler des europäischen Mittelalters und als Wegbereiter des Übergangs von der Romanik zur Gotik. 

    Die fein gearbeiteten Figuren von Aposteln, Propheten und Engeln machen den Pórtico zu einem Höhepunkt mittelalterlicher Kunst. Legendär sin die Figuren von Esther und Daniel, der sie ansieht. Sein Gesicht sieht gerötet aus, der Busen der Esther war gut sichtbar. Bis ein prüder Geistlicher sie per Meißel verkleinern ließ. Geöffnet: im Rahmen offizieller Kathedralbesuche mit Zeitfenster.
    Eintritt: ab 12 €.

    4. Dächer der Kathedrale
    Der Rundgang über die Dächer eröffnet eine außergewöhnliche Perspektive auf Türme, Plätze und Altstadt und verbindet Architekturgeschichte mit einem eindrucksvollen Panorama. Für viele Besucher ist dies eine der spannendsten Führungen der Stadt. Öffnungszeiten: abhängig von gebuchten Besuchszeiten. Eintritt: 20 € für den Besuch Dächer und Torre de la Carraca mit Museumszugang.

    5. Praza do Obradoiro
    Der bekannteste Platz Santiagos ist der klassische Ankunftsort vieler Pilger. Hier öffnet sich der monumentale Blick auf Kathedrale, Hostal dos Reis Católicos, Raxoi-Palast und Colegio de San Xerome. Die Atmosphäre macht den Platz zu einem der schönsten Stadtbilder Galiciens. 
    Geöffnet: jederzeit frei zugänglich. Eintritt: 0 €.

    6. Hostal dos Reis Católicos
    Das ehemalige Pilgerhospital zählt zu den architektonischen Wahrzeichen der Stadt. Seine prachtvolle Fassade zeigt einen eindrucksvollen Übergang zwischen Spätgotik, Platereske und Renaissance. Heute ist das Gebäude ein traditionsreiches Hotel, bleibt aber auch historisch eines der wichtigsten Monumente am Obradoiro-Platz. 
    Geöffnet: Außenbesichtigung jederzeit möglich; Innenbereiche abhängig vom Hotelbetrieb. Eintritt: Außenansicht 0 €.

    7. Pazo de Xelmírez
    Dieses bedeutende zivile romanische Bauwerk Galiciens ist besonders für seinen mittelalterlichen Festsaal mit Steinbögen und reich verzierten Kapitellen bekannt. Es vermittelt einen spannenden Einblick in die weltliche Macht Santiagos im Mittelalter. 
    Geöffnet: im Rahmen von Museums- oder Kombibesuchen. Eintritt: im Museumsticket enthalten, ab 10 €.

    8. Monasterio de San Martín Pinario
    Das monumentale ehemalige Benediktinerkloster ist eines der größten Klostergebäude Spaniens: Der Komplex umfasst rund 20.000 Quadratmeter, einzelne Angaben sprechen je nach Abgrenzung auch von etwa 2,2 Hektar; die Hauptfassade misst ungefähr 100 Meter. Seine lange Barockfront, die weiten Klosterbereiche und die eindrucksvolle Kirche mit Chorgestühl und Retabeln machen es zu einem zentralen Monument der Stadt. 
    Geöffnet: Di-Sa 10-14, 16-19 Uhr; Führungen um 12:30 und 16:30 Uhr. Eintritt: 20 € für die kombinierte Führung Kathedrale und San Martín Pinario; für andere Besuchsformen wurde in den recherchierten offiziellen Quellen kein eindeutig separater Preis ausgewiesen.

    9. Museo do Pobo Galego
    Das Museum im ehemaligen Kloster San Domingos de Bonaval ist eine der besten Adressen, um galicische Identität, Alltagskultur, Handwerk, Landwirtschaft, Fischerei, Musik und Volkskunst kennenzulernen. Besonders bekannt ist die elegante Wendeltreppe im Inneren. 
    Geöffnet Di-Sa 11-18, So und Fei 11-14 Uhr, Mo geschl. Eintritt: regulär 5 €, ermäßigt 2 €, Gruppen 3,50 € pro Person; sonntags freier Eintritt.

    10. Mercado de Abastos
    Der Markt ist das kulinarische Zentrum der Stadt und nach der Kathedrale eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten. Hier findet man frischen Fisch, Meeresfrüchte, Käse, Gemüse und viele regionale Spezialitäten. Gleichzeitig ist er ein lebendiger sozialer Treffpunkt. Tipp: Vorsicht beim Fotografieren, die Marktfrauen sind schlagfertig. 
    Geöffnet: Mo-Sa, meist 7-16 Uhr.

    11. Parque de la Alameda
    Die bekannteste Grünanlage Santiagos ist berühmt für ihren klassischen Blick auf die Kathedrale. Historische Gartenbereiche, Denkmäler und alte Baumgruppen verleihen dem Park eine elegante und entspannte Atmosphäre. Rund um die Uhr offen, freier Eintritt.

    12. Altstadt von Santiago de Compostela
    Die UNESCO-geschützte Altstadt ist ein dichtes Netz aus Granitgassen, kleinen Plätzen, Kirchen, Arkaden und Bürgerhäusern. Gerade das Zusammenspiel aus mittelalterlicher Struktur, religiöser Bedeutung und lebendigem Alltagsleben macht ihren besonderen Reiz aus. 

    13. Rúa do Franco
    Diese bekannte Straße der Altstadt ist berühmt für ihre Restaurants, Tapas-Bars und galicische Küche. Sie eignet sich hervorragend, um die kulinarische und gesellige Seite Santiagos kennenzulernen. Die Straße heißt übrigens nicht nach dem Diktator sondern nach den Franzosen so.

    14. Rúa do Vilar
    Die elegante historische Straße mit ihren Arkadengängen, steinernen Fassaden, Cafés und Geschäften gehört zu den schönsten Spazierwegen im Zentrum. Sie vermittelt besonders gut die klassische Atmosphäre des alten Santiago

    15. Rúa Nova
     Diese lebendige zentrale Straße verbindet historische Granitarchitektur mit modernem Stadtleben. Kleine Boutiquen, Cafés und die Nähe zu den wichtigsten Monumenten machen sie ideal für einen entspannten Bummel durch das Herz der Stadt.

Anreise nach Santiago de Compostela

Santiago de Compostela liegt im Nordwesten Spaniens in Galicien und ist sowohl als Ziel des Jakobswegs als auch als Städtereiseziel gut erreichbar. Besonders bequem ist die Anreise per Flugzeug über den Flughafen Rosalía de Castro, der die Stadt mit verschiedenen spanischen und internationalen Verbindungen verknüpft. 

Laut Spanien-Reisemagazin gibt es beziehungsweise gab es direkte Verbindungen aus Deutschland unter anderem mit Lufthansa ab München und Frankfurt sowie mit Ryanair ab Frankfurt-Hahn. Für Reisende aus Deutschland ist der Flug daher meist die schnellste Variante, während Bahn und Bus vor allem für Kombinationen mit anderen spanischen Städten wie Madrid, A Coruña, Vigo oder León interessant sind.

Mit dem Flugzeug: Der Flughafen Santiago de Compostela liegt außerhalb des Stadtzentrums und ist die naheliegendste Wahl für eine schnelle Anreise. Von dort gelangt man je nach Verbindung mit Bus, Taxi oder Mietwagen weiter in die Innenstadt. Für deutschsprachige Reisende sind Direktflüge besonders attraktiv, weil sie die lange Anreise in den äußersten Nordwesten Spaniens deutlich verkürzen.

Mit Bahn und Bus: Wer Santiago in eine größere Spanienreise einbindet, kann die Stadt auch mit Bahn oder Fernbus erreichen. Diese Variante eignet sich besonders für Reisende, die zuvor Madrid, Nordspanien, Galicien oder den Jakobsweg erkunden möchten. Innerhalb Galiciens bieten sich außerdem Verbindungen von und nach A Coruña, Vigo, Pontevedra oder Lugo an. Eine Fahrt mit dem Busunternehmen Transporte Urbano de Santiago (TUSSA) kostet 1 Euro.

Zu Fuß auf dem Jakobsweg: Für viele Besucher ist Santiago nicht nur ein Reiseziel, sondern der Endpunkt einer Pilgerreise. Spanien-Reisemagazin beschreibt mehrere Jakobswege nach Santiago, darunter den Camino Francés, den Camino del Norte, den Camino Portugués, den Camino Primitivo und weitere Routen. Besonders der Camino Francés gilt als klassischer Hauptweg und führt von den Pyrenäen über Nordspanien bis zur Kathedrale von Santiago.

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