Ein gotischer Friedhof wie eine Zwergenstadt

Der Friedhof Cementerio de Goiriz liegt in der nordwestspanischen Gemeinde Vilalba in der Provinz Lugo. Mit seinen neogotischen Nischenreihen und kunstvollen Steinmetzarbeiten ist er einer der beachtlichsten Friedhöfe Galiciens.

Von Tobias Büscher (Text und Fotos)

Nationalstraße N-634. 5 Kilometer vor Villalba, Kilometerstein 619. Nicht viele Besucher Spaniens fahren diesen Weg.. Doch wer es tut, bleibt stehen. Was sind das denn für winzige Kathedralen da nebeneinander? 

Normalerweise sind Spaniens Cementerios kastenförmige Anlagen. Doch diese hier ist anders. Tatsächlich kennen ihn vor allem die Pilger auf dem Jakobsweg Camino del Norte, ansonsten fast kein Mensch.

Historiker sind sich einig: Die Anlage entstand im 16. Jahrhundert im neogotischen Stil. Und trotz verschiedener Bauphasen wirkt das Ensemble erstaunlich geschlossen, weil die neueren Teile den charakteristischen Stil der älteren Nischenreihen aufnehmen.

Zinnen; Kreuze, Nischenreihen

Besonders prägend sind die hohen Nischenwände aus Stein, deren einzelne Gruppen von filigranen spitzen Türmchen und Kreuzen bekrönt werden. Typisch sind auch die sogenannten „chantas“: flache, behauene Steinplatten, die die Nischen verschließen Und so wirkt die Anlage wie eine kleine steinerne Stadt. Prominente liegen übrigens nicht hier, dafür haben sich die örtlichen Steinmetze einen Namen gemacht, die sogenannten Canteros.

Die Merkmale des Cementerio

• Ein Friedhof wie eine Miniaturstadt: Die Nischenreihen mit Zinnen und Kreuzen erinnern viele Besucher eher an eine kleine gotische Stadt als an einen gewöhnlichen Friedhof.

• Nischen statt Grabfelder: In Goiriz stehen die Nischen klar im Mittelpunkt; klassische Erdgräber sind deutlich seltener.

• Teil eines regionalen Phänomens: Goiriz wird häufig zusammen mit den Friedhöfen von Alba und Román genannt, die ebenfalls für ihre besondere steinerne Friedhofsarchitektur bekannt sind.

• Direkt am Camino del Norte: Pilger auf dem nördlichen Jakobsweg kommen in der Nähe vorbei und entdecken den Friedhof oft überraschend am Straßenrand.

• Witterung als Teil der Ästhetik: Der Zahn der Zeit ist an den Steinen sichtbar; gerade diese Patina trägt zum historischen Eindruck der Anlage bei.

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