Bild von Joan Miró im Thyssen-Museum in Madrid
Joan Miró, Bild von 1927, Madrid, Thyssen-Museum © tb

Maler des Unterbewussten

Joan Miró war nie einer dieser selbstverliebten extrovertierten Künstler. Er kam am 20. April 1893 in Barcelona zur Welt. Der Maler, Grafiker und Bildhauer stand stets im Schatten Picassos und Dalís.

 


von Wolfgang Gärtner



Zeitgenossen und Künstlerkollegen sahen in ihm einen korrekt gekleideten reichen Bourgois. Seine Eltern wollten einen anständigen Beruf für ihren Sohn und schickten ihn auf die Handelsschule. Doch der kleine Joan malte lieber als die Hausaufgaben zu machen. Der Vater war Goldschmied und Uhrmacher, seine Mutter stammte aus Mallorca. Nach einigen unglücklichen Jahren als Buchhalter begann der katalanische Maler ein Studium an der Kunstakademie „La Lonja“ in Barcelona. Bei dem Künstler Francesc Gali lernte er erste Formen kennen und mit geschlossenen Augen zu malen.



Miró in Paris


1919 begegnet Joan Miró in Paris Pablo Picasso. Sie werden gute Freunde. In die Weltstadt  an der Seine zieht es den jungen Miró immer wieder. Dort trifft er berühmte Künstlerkollegen wie Hans Arp, Max Ernst und René Magritte und den Bildhauer Alberto Giacometti. Miró schließt sich 1929 den Surrealisten um Salvador Dalí an. Diese Kunstepoche begründete seinen Weltruhm. Im selben Jahr heiratet er Pilar Juncosa Iglesias (1904-1995) und zwei Jahre später bekommen sie ihre Tochter María Dolors. Paris wird zu seiner zweiten Heimat und Zuflucht während des Spanischen Bürgerkrieges (1936-1939). Mit dem Einmarsch von Hitlers Armee endet 1940 seine Zeit in Paris.

 

Fälscher lieben Miró


Mirós Werke sind trotz oder wegen ihrer Abstraktheit populär. 17 Millionen US-Dollar kostet das Bild „La Caresse des étoiles“  bei Christies 2008 in New York. Nur Picasso und van Gogh sind teurer. Beliebt ist seine Kunst auf Bechern und Porzellantassen. Wer viel Zeit hat, versucht sich am 1000-teiligen Puzzle „Der Tanz des Harlekins“. Fälscher lieben Miró. Gefälschte Grafiken des Künstlers verkaufen sich bestens. Und manchmal geht Kunst verloren. Als im September 2001 das World Trade Center einstürzte, verschwand für immer ein riesiger Wandteppich Mirós.

Miró auf Schritt und Tritt


Selbst Kunstbanausen begegnen Joan Miró in Barcelona auf Schritt und Tritt. Auf der Rambles im Herzen der Mittelmeermetropole begehen Tausende Touristen Tag für Tag ein großformatiges Mosaik des Ausnahmekünstlers. Im Parc Joan Miró steht die Monumentalskulptur „Frau und Vogel“, die zu seinen Hauptmotiven zählt. Der Vogel symbolisiert die Begierde. In Mirós Bildern, Skulpturen und Plastiken sind Bildsymbole wie Frau, Schnecke, Spinne, Blume und Stern sehr häufige Motive. Sie stehen für Fauna und Flora, den Menschen und den Kosmos. Heute noch ist Barcelona stolz auf einen seiner berühmtesten Söhne, der auch sehr selbstkritisch sein konnte: „Ich bin Kolorist, aber was Formen angeht eine Null. Ich kann eine gerade Linie noch nicht einmal von einer Kurve unterscheiden.“ Joan Miró starb am 25. Dezember 1983 in Palma de Mallorca.

 




Der Autor

Wolfgang Gärtner ist freier Journalist und studierter Historiker. Aktuell betreut er redaktionell die Homepage des Vereins Unternehmensbuilder in Wuppertal.

 

 

Weiterführende Links:

 

Miró-Museum in Barcelona: fundaciomiro
(katal., spanisch, engl.)

Miró-Museum in Palma de Mallorca: centremiro

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