Pedreguer: Kuh bei der Fiesta erschossen

Darf man eine junge Kuh erschießen, weil sie bei der Treibjagd Bous al Carrer in Pedreguer an der Costa Blanca eine Frau verletzt hat? Beim sogenannten Stiertreiben werden die Tiere wie auch anderswo in Spanien durch die Gassen getrieben. Die Kuh war dabei ausgebrochen. Hemingway fabulierte einst in Pamplona vom "Tod am Nachmittag". Doch unsere Autorin meint: Keine Tradition rechtfertigt ein Todesopfer. Weder in Pamplona noch in Pedreguer.

Von Paula Dólera

Der Tod der jungen Kuh, die im Parque del Patronato von Pedreguer erschossen wurde, ist keine Episode eines Sommerfestes an der spanischen Mittelmeerküste. Es ist das Ergebnis eines Festmodells, das Angst, Stress und das Leid eines Tieres als Teil der Unterhaltung einbezieht.

Wenn Tiere bei solchen Veranstaltungen eingesetzt werden, kann die Situation jederzeit eskalieren. Das wissen die Veranstalter, die Genehmigungsbehörden und die Ordnungshüter. Die Gefahr ist allerdings offenbar Teil des Vergnügens.

Die junge Kuh griff niemanden an. Sie floh. Sie war ein desorientiertes, verängstigtes Tier, das vor Angst rannte, instinktiv. Ein Grund, es zu erschießen ist das nicht.

Wer entscheidet, ob ein Tieropfer nötig ist?

Noch brisanter: Wenn, wie verbreitet wurde, die Entscheidung zur Tötung des Tieres vor Ort vom Viehhalter selbst getroffen und von einem örtlichen Jäger ausgeführt wurde, geht die Debatte über den Bereich der Stierkampftradition hinaus und wird zu einem institutionellen Problem. In einem Rechtsstaat dürfen Entscheidungen dieser Tragweite nicht in den Händen von Privatpersonen liegen. Es gibt zuständige Behörden, Protokolle und eine Befehlskette, gerade um zu verhindern, dass eine Notsituation improvisiert gelöst wird.

Auch beachtlich: Eine Schusswaffe wurde in einem Bereich eingesetzt, in dem sich Hunderte von Menschen befanden, darunter Familien und Minderjährige. Ein solches Vorgehen verlangt eine Erklärung, wer diese Entscheidung autorisiert hat, nach welchen Kriterien sie getroffen wurde und ob die festgelegten Verfahren eingehalten wurden.

Tiere töten ist kein Vorbild für Kinder

Die Anwesenheit von Kindern bei solchen Festen ist ohnehin ein Problem. Die Kindheit ist die Phase, in der Sensibilität, Empathie und das Wertesystem geprägt werden, mit dem sie die Welt verstehen werden. Deshalb muss man sich fragen, welche Botschaft sie empfangen, wenn Angst, Verfolgung, Leid und der Tod eines Tieres Teil einer Feier sind.

In Pedreguer teilen viele von uns dieses Festmodell nicht. Das auszusprechen, bedeutet weder, unsere Feste abzulehnen, noch, uns gegen diejenigen zu stellen, die sie erleben und genießen. Ein Fest muss doch nicht den Sinn haben, dass ein Tier leidet. Zusammenleben heißt auch, denen zuzuhören, die anders denken, denn anderer Meinung zu sein heißt nicht, gegen das Dorf zu sein: Es heißt, Teil davon zu sein.

Wir, die diese Position vertreten, sind ebenfalls Nachbarinnen und Nachbarn von Pedreguer. Wir gehören zu dieser Gemeinde, wir zahlen unsere Steuern und finanzieren die Mittel, die diese Festveranstaltungen ermöglichen, auch wenn wir ihre Ausrichtung nicht teilen. 

Deshalb verdient unsere Stimme Respekt und muss gehört werden. Wir fordern nicht weniger Feste und nicht weniger Leben auf den Straßen; wir fordern, dass sie von allen geteilt werden können. Und keine Tiere sterben müssen.

Die junge Kuh wird nicht zurückkehren. Nichts wird dieses Ende ändern. Aber wir können etwas ändern.

Die Autorin

Paula Dólera schreibt für das Spanien-Reisemagazin über Tierschutz und Tierrechte. Mehr über die Tierschutzarbeit an der Costa Blanca: Els Poets, Tierschutzverein an der Costa Blanca.

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