
Architektur in Spanien: Der HALO-Aufzug in Vigo
Warum die Galicier dieses Bauwerk lieben
Der Stadtaufzug in der galicischen Stadt Vigo, entworfen von Alexandre Mouriño, ist ein Meilenstein der urbanen Architektur. Anders als andere vergleichbare Bauwerke ist er nicht nur sehenswert, sondern vor allem nützlich.
Von Luisa von der Heyde (Text und Fotos)
Vor einem Jahr habe ich drei Monate in Vigo gelebt und dort die Innenstadt und Baustruktur bewundert. Vigo ist viel moderner als Santiago de Compostela, dafür aber eine sehr hügelige Stadt mit teils steilen Straßen. Auch für mich als junge Frau waren die Spaziergänge manchmal fast schon Sport.
Wie aber ist das erst für Menschen, die beispielsweise mit dem Rollator zum Einkaufen müssen? Die Stadtplaner wissen das. Und sie hatten dabei vor allem einen Ort im Blick: Im Zentrum Vigos liegt der Hauptbahnhof und ein riesiges Einkaufszentrum hoch über den Wohnhäusern rund um die Straßen Rosalía de Castro und Co. Die Wege sind anspruchsvoll ohne Auto, eine Lösung musste her.

Die Lösung: Ein Aufzug mit Ausblick
Deshalb gibt es seit dem 16. Februar 2024 den HALO, ein Aufzug, welcher einen gratis und sekundenschnell von dem unteren Teil der Vigo Innenstadt nach oben direkt zur Aussichtsplattform Mirador do HALO bringt. Ein Highlight nicht nur für die Mobilität, sondern auch für den Sonnenuntergang und Blick auf den Hafen von Vigo.
Der HALO entstand ab dem 9. August 2022 in einer Rekordzeit von rund 1,5 Jahren. Er besteht aus zwei Aufzügen, welche die unten gelegene Straße Rua Serafin Avendano mit der oben gelegenen Via Norte verbinden. Der HALO fährt 17 Leute pro Aufzug in 30 Sekunden 50 Meter in die Höhe. Beide Aufzüge sind mit Glastüren ausgestattet und bieten einen schönen Blick auf Vigo.
Oben an der Via Norte angekommen ist man in einer Minute beim Kaufhaus Vialia Vigo, der wiederum direkt neben dem Bahnhof Vigo-Urzaiz liegt.
Stahlbeton, Glas und Aluminium
Der HALO besteht aus zwei großen Teilen, dem Aufzugsturm und der Fußgängerbrücke. Für den Aufzugsturm mit den zwei Aufzügen wurden rund 600 Quadratmeter Stahlbeton und 250 Tonnen Bewehrungsstahl verwendet.
Der Betonturm ist mit einem sogenannten Kletterschalungssystem gebaut, bei dem die Betonform nach dem Gießen immer eine Etage höher geschoben wird, um Schritt für Schritt höhere Etagen zu bauen. Dies geschah in nur gut einem Monat.
Auch die Fußgängerbrücke, welche den Aufzugsturm hier in Galicien mit dem oberen Teil der Stadt, der Straße Via Norte und dem Einkaufszentrum verbindet, besteht größtenteils aus Stahlkonstruktion.
Diese Metallkonstruktion wiegt ca. 700 Tonnen und wurde teilweise in einer Werkstatt vormontiert, mit einem Kran nach oben befördert und in neun Abschnitten montiert.
Der gläserne HALO ist von außen weiß. Dafür kam Solid Surface zum Einsatz, ein formbares Verbundmaterial aus Aluminiumhydroxid und Acrylmaterialien.
Der Halo im Vergleich zu anderen Bauwerken
Der HALO-Aufzug steht nun in einer Reihe mit so berühmten Konstruktionen wie dem Santa-Justa-Aufzug in Lissabon und der Bailong-Aufzug in China.
Der Santa-Justa-Aufzug ist ein historischer Personenaufzug aus dem Jahr 1902, welcher die Unterstadt Baixa mit dem höhergelegenen Stadtteil Chiado verbindet.
Dieser Elevador de Santa Justa ist 45 Meter hoch und wurde von dem Architekten Raoul Mesnier de Ponsard desingt, einem Schüler von Gustave Eiffel. Der Aufzug besitzt zwei Kabinen für jeweils 24 Personen.
Diese beiden Aufzüge bieten also mehr Platz damit mehr Platz als der Halo in Vigo, dafür ist der Halo kostenlos, die Fahrt mit dem Santa Justa kostet 6 Euro. Und weil der Aufzug in Lissabon eine Touristenattraktion ist, muss man dort oft bis zu 45 Minuten auf die Fahrt warten.
Der chinesische Bailong-Aufzug, auch Hundert-Drachen-Aufzug genannt, ist mit 326 Metern sechsmal höher als der HALO in Vigo. Er ist der höchste Freiluft-Außenaufzug der Welt und steht im Guiness-Buch der Rekorde.
Der Bailong-Aufzug mit seinen Doppelstockkabinen bietet Platz für 50 Personen. Die Fahrzeit dauert 88 bis 92 Sekunden. Der Aufzug bringt ein auf das Yuanjiajie-Hochplateau von welchem man einen sehr schönen Ausblick auf die umgebene Landschaft haben soll.
Da der Aufzug aber inmitten eines geschützten Naturerbes gebaut wurde, ist er nicht unumstritten.
Während die Aufzüge in Portugal und China in jedem Reiseführer stehen, ist der HALO in Vigo vor allem ein Fortbewegungsmittel. Der Santa-Justa und der Bailong sind historische Highlights, der HALO nützlich für die Bewohner. Und das macht ihn so wertvoll.

Wer steckt hinter der Idee dieses Aufzuges?
Architekt des HALOS ist Alexandre Mouriño, ein spanischer Architekt mit Büro in Vigo. Er entwickelte die ursprüngliche Idee für den Aufzug und die dazugehörige Fußgängerbrücke.
In seinem Interview mit atlantico.net erklärte er, sein Werk solle nicht nur nützlich sein sondern auch gut aussehen. Wichtig war ihm, dass das HALO-Design ikonisch wirkt und optisch zu dem bereits vor dem HALO-Aufzuges gebauten Kaufhaus Vialia Vigo passt, entworfen von Thom Mayne. Das ist gelungen.
Alexandre Mourino sagt, eine Herausforderung sei gewesen, wo denn ein so großer Aufzugsturm stehen solle, ohne dass den Stadtverkehr zu stören. Der Standort, so viel ist sicher, ist gut. Und die runde Fußgängerbrücke schön für den Blick auf die Stadt.
Die Autorin
Luisa von der Heyde aus Köln ist seit 2026 Mitarbeiterin unserer Online-Redaktion. Während ihrer Zeit als Au-Pair hat sie die Liebe zu Spanien entdeckt und einen Faible für Städte wie Vigo, Pontevedra und Barcelona. Hier ein weiterer Artikel von ihr zum Thema Au-Pair in Spanien
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