Au-Pair in Spanien: ein Erfahrungsbericht

Sprachunterricht, UNO mit Kids und eine coole Hafenmetropole

Unsere Mitarbeiterin war drei Monate als Au-Pair bei einer spanischen Familie in der Stadt Vigo angestellt. Ein Abenteuer zwischen fehlenden Koffern, englischen Vokabeln, kostenlosen Tapas und genialen Tripps in die Umgebung.

von Luisa von der Heyde (Text & Fotos)

"Wo muss ich hin?", dachte ich am Flughafen in Madrid, nachdem ich das erste Mal allein mit einem Flugzeug geflogen war. "Ich darf doch meinen Anschlussflug nach Vigo nicht verpassen!"

Es war das erste Mal, dass ich in Spanien war und jetzt auch Spanisch sprechen musste. Spanisch hatte ich in der Schule, doch da wusste ich noch nicht, dass ich es wirklich brauche.

Jetzt aber brauchte ich Spanisch: Um jemanden nach Hilfe zu fragen, um das Gate für meinen anstehenden Flug zu finden. Zum Glück waren die Airport-Mitarbeiter sehr freundlich und haben mir mit Hilfe eines Übersetzers weiterhelfen können, denn leider kann nicht jeder Spanier Englisch.

Natürlich kam ich dann auch irgendwann am Flughafen in Vigo an, wo mich meine Gastmutter abgeholte. Doch prompt kam der nächste Aufreger: Meine Koffer waren nicht auf dem Rollband. Perfekter Start in mein Au-Pair Abenteuer! 

Sie kamen dann drei Tage nach meiner Ankunft an. Zum Glück hat mir meine Gastmutter erst einmal mit ein paar Sachen ausgeholfen, damit ich zumindest die wichtigsten Dinge für die nächsten Tage hatte.

Kochen, Kurse und eine neue Kultur

An meinem zweiten Tag in Vigo habe ich dann meine Gastkinder kennengelernt. Zwei Mädchen, eine neun und die andere zwölf Jahre alt. Mein Job war es, mit den Kindern zu spielen, für sie zu kochen und ihnen Englisch beizubringen.

Das Erste, was wir also gemacht haben, um uns besser kennenzulernen, war UNO spielen. Genau in dem Moment habe ich gewusst, dass die Zeit, die ich in Spanien als Au-Pair verbringen werde, sehr lustig und besonders sein wird.

Surfen auf der Vigo-Welle

Es ist schon ein Monat vergangen? Es fühlte sich wie eine Woche an. Ich hatte schon neue Freunde, war das erste Mal in meinem Leben Surfen und konnte bereits mehr als adiós und buenas noches.

Dank der Webseite, über welche ich mein Au-Pair gemacht hatte, habe ich ganz viele andere Au-Pairs kennengelernt, denn wir waren alle in derselben Whatsapp-Gruppe bestehend aus über 100 Mitgliedern.

Da alle in Vigo oder in nahen Städten wie Pontevedra wohnten, haben wir uns nach der Arbeit in den Gastfamilien oft getroffen. Und so habe ich auch meine Zwillingsschwester und ihre Freunde oft in Pontevedra gesehen.

Einer der Freunde hatte einen Führerschein und durfte das Auto seiner Gasteltern fahren, weshalb wir auch Wochenendtrips an verschiedene Strände machen konnten. Die Strände in Pontevedra waren oft mit Strand-Cafés ausgestattet. Dort bekamen wir zu Kaltgetränken oft kostenlose Tapas wie Oliven und Chips.

Als Au-Pair in der Ferienzeit

Da ich mein Au-Pair zur Sommerzeit gemacht habe, musste ich von ungefähr 10 bis 14 Uhr auf meine Gastkinder aufpassen, da sie Ferien hatten und die Gastmutter arbeiten musste. Da die Kinder Ferien hatten konnten sie länger ausschlafen. 

Wir haben oft am Strand gespielt, der direkt vor meiner Haustür war. Also waren wir in einer Minute dort. Und wenn das Wetter schlecht war, was sehr selten vorkam, dann haben wir zu Hause gebastelt. Mit den Kindern Zeit zu verbringen, hat sich definitiv nicht wie Arbeit angefühlt.

Ab 14 Uhr konnte ich die Zeit für mich nutzen und mit den anderen Au-Pairs an einen der vielen Strände gehen, die es in Vigo gab, Essen gehen, Surfen oder Shoppen.

An den Wochenenden hatte ich immer frei und neue Orte kennengelernt. Ich war zum Beispiel an einem Wochenende mit fünf weiteren Mädchen, welche auch Au-Pairs waren, in Porto. Wir haben uns alle so gut verstanden, dass wir uns täglich trafen. Auch heute noch stehen wir alle in Kontakt.

Tapas und Tortillas

Dies sind wohl zwei Dinge, die ich seit meinem Au-Pair am meisten vermisse. Ich kannte es nicht aus Deutschland, dass man Essen geschenkt bekommt. Auch andere Au-Pairs aus England oder Frankreich waren sehr überrascht davon, als sie das erste Mal kostenlose Snacks (Tapas) zu ihrer Cola bekamen. 

Es wirkt sehr einladend und freundlicher, wenn dir die Kellner in einem Restaurant etwas schenken. In Deutschland ist es meistens schon unmöglich, Leitungswasser gratis zu bekommen.

Tortilla vermisse ich einfach, weil es mich an die Zeit erinnert, als ich mein Au-Pair gemacht hatte und an den Blick auf den Strand, sowie das warme Wetter. Denn es gab Tortillas oft an Restaurants, welche in der Nähe des Strandes waren. Tortilla besteht eigentlich nur aus Kartoffeln, Eiern, Olivenöl und Salz.

Deshalb kann Tortilla auch manchmal etwas langweilig wirken, bis man merkt, dass es verschiedene Versionen gibt. Trüffeltortilla, Tortilla mit Schinken, Ziegenkäse oder gebratenen Zwiebeln.

Generell hatte ich das Gefühl, dass Spanier sehr freundlich und entspannt sind. Auch die Großeltern meiner Gastkinder waren sehr freundlich, obwohl wir uns nicht richtig unterhalten konnten, da mein Spanisch nicht gut genug war.

Sie haben es bei jedem Besuch aufs Neue versucht mir etwas Interessantes zu erzählen, mich gefragt, wie es mir geht, mir Essen, wie zum Beispiel eine selbstgemachte Tortilla angeboten oder mich gefragt, ob sich ihre Enkelkinder gut benehmen.

Würde ich noch einmal nach Spanien reisen? Auf jeden Fall!

Ich und weitere Au-Pairs, sowie auch meine Zwillingsschwester denken noch oft an die Zeit, welche wir in Spanien verbracht haben und planen noch einmal nach Vigo und Pontevedra zu fliegen.

Vigo war für mich die perfekte Kombination von Stadtleben und Strandleben. Strand und Stadt sind nah aneinander, die Strände sind nicht voll mit Touristen, wie zum Beispiel in Barcelona und die Stadt ist sehr modern gestaltet mit einem riesigen Einkaufszentrum, welches mit einer Bus- und Bahnstation verbunden ist. 

Falls einem also langweilig wird, was ich stark bezweifle, dann ist es möglich, mit einem Flixbus in einer halben Stunde in Pontevedra zu sein oder in einer Stunde in Porto.

Die Autorin

Luisa von der Heyde aus Köln ist seit 2026 Mitarbeiterin unserer Online-Redaktion. Während ihrer Zeit als Au-Pair in Galicien hat sie die Liebe zu Spanien entdeckt und einen Faible für Städte wie Vigo, Pontevedra und Barcelona.