Padrón: Stadt der Pilger, Pimientos und Poesie

Padrón mit seinen 4000 Einwohnern liegt im Westen Galiciens in der Provinz A Coruña, nur 23 Kilometer südwestlich von Santiago de Compostela. Es ist eine Kleinstadt mit großer historischer Bedeutung. 

von Tobias Büscher (Text und Fotos)

Die Stadt ist eng mit dem Jakobsweg, mit galicischer Literatur und mit einer der bekanntesten Spezialitäten Spaniens verbunden: den Pimientos de Padrón.

Wer hier ankommt, findet keine laute Metropole, sondern eine traditionsreiche Kleinstadt am Fluss Sar, in der sich Pilgergeschichte, Marktleben, religiöse Legenden, Gärten, Klöster und literarische Erinnerungsorte zu einem besonders dichten galicischen Reisebild verbinden.

Steinalte Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes

Die Geschichte Padróns beginnt nicht erst mit der heutigen Stadt, sondern mit Iria Flavia, einer antiken Siedlung an der wichtigen Verbindung zwischen dem Atlantikraum, Braga und Astorga. 

In römischer Zeit erhielt der Ort unter den Flaviern seinen Namen Iria Flavia und entwickelte sich später zu einem bedeutenden kirchlichen Zentrum. Im Mittelalter war Iria Flavia Bischofssitz, bevor die religiöse Bedeutung nach der Auffindung des Jakobusgrabes nach Compostela wanderte. 

Padrón blieb dennoch ein Schlüsselort der Jakobustradition: Der Überlieferung zufolge gelangte der Leichnam des Apostels Jakobus nach seiner Hinrichtung in Jerusalem ganz ohne Kopf per Boot nach Galicien. 

Die Jünger sollen das Boot in der Nähe von Iria Flavia an einem großen Stein festgemacht haben, dem sogenannten „Pedrón“. Aus diesem galicischen Wort für einen großen Stein leitet sich der Name Padrón ab. 

Dieser Pedrón wird bis heute unter dem Hauptaltar der Kirche Santiago de Padrón verehrt und macht den Ort zu einem symbolischen Ursprungspunkt der Jakobus- Legende.

Museen für Rosalía de Castro und Camilo José Cela

Zu den wichtigsten Museen Padróns gehören vor allem zwei Häuser, die eng mit der galicischen Literatur verbunden sind. Und das gibt es sonst nirgendwo in ganz Nordwestspanien.

Die Casa Museo Rosalía de Castro, auch Casa da Matanza genannt, bewahrt das letzte Wohnhaus der Schriftstellerin Rosalía de Castro, die hier von 1883 bis zu ihrem Tod 1885 lebte. 

Das Museum zeigt persönliche Erinnerungsstücke, Lebensstationen und das kulturelle Umfeld der Autorin, deren Werk zu den Grundpfeilern der modernen galicischen Literatur gehört. 

Eines Ihrer besten Bücher trägt den Titel „Die Witwen der Lebenden“ und behandelt das Schicksal der Galicierinnen, deren Männer nach Lateinamerika auswanderten. Von Juli bis September ist das Museum von Dienstag bis Samstag von 10 bis 14.00 und von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Montags bleibt sie geschlossen, sonntags und an Feiertagen öffnet sie gewöhnlich von 10 bis 13.30 Uhr. Der  Eintritt liegt bei 3 Euro.

Das zweite zentrale Museum ist die Fundación Camilo José Cela in Iria Flavia, gegenüber der Kirche Santa María de Adina. Sie befindet sich in den ehemaligen Häusern der Kanoniker aus dem 18. Jahrhundert und widmet sich dem literarischen und künstlerischen Nachlass Camilo José Celas, der 1989 den Nobelpreis für Literatur erhielt und aus dieser Gegend stammte. Eines seiner besten Bücher heißt „Mazurka für zwei Tote“.

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr; im Sommer, von Juli bis Mitte September zusätzlich nachmittags von 16.30 bis 20 Uhr. Eintritt 3 Euro, reduziert 1,50 Euro, etwa für Studierende, Jugendkarteninhaber, Pilgerinnen und Pilger. Freier Eintritt für alle am Dienstag und Samstagnachmittag. Kommentierte Führungen werden gegen Aufpreis angeboten und kosten 5 Euro pro Person.

Pimientos, Lamprea und galicische Küche

Kulinarisch ist Padrón vor allem durch die Pimientos de Padrón bekannt, kleine grüne Paprikaschoten, die meist in Olivenöl gebraten und mit grobem Salz serviert werden. 

Das berühmte galicische Sprichwort „Os pementos de Padrón, uns pican e outros non“ bedeutet: „Die Pimientos de Padrón, manche sind scharf und manche nicht.“ Streng genommen trägt die geschützte Herkunftsbezeichnung heute den Namen Pemento de Herbón, denn die Tradition wird besonders mit dem nahe gelegenen Ort Herbón und seinem Franziskanerkloster verbunden. 

Dort sollen Franziskanermönche im 17. Jahrhundert Samen aus Amerika eingeführt und an das feuchte, milde Klima der Täler von Sar und Ulla angepasst haben. Die Saison reicht klassisch vom Frühsommer bis in den Herbst; in Padrón und Herbón gehören die Pimientos nicht nur zur Küche, sondern zur regionalen Identität.

 Neben den Paprikaschoten sollte man in der Gegend auch galicische Klassiker wie Pulpo, Empanada, Käse, Meeresfrüchte und, je nach Saison, Lamprea aus dem Ulla probieren. Die traditionellen Lamprea-Fanganlagen am Ulla gehören ebenfalls zur Kulturlandschaft rund um Padrón.

Ausflüge ins Umland

Für Ausflüge bietet Padrón eine überraschend große Auswahl. Im Ort selbst lohnt sich die Kirche Santiago de Padrón mit dem Pedrón ebenso wie der Botanisch-Künstlerische Garten, der seit 1946 als kunsthistorisches Denkmal gilt und auf kleiner Fläche eine bemerkenswerte Sammlung alter Bäume und Pflanzen zeigt.

Oberhalb der Stadt liegt Santiaguiño do Monte, ein traditionsreicher Aussichtspunkt und Wallfahrtsort, der mit der Predigt des Apostels Jakobus in Verbindung gebracht wird. In Iria Flavia sollte man die Kirche Santa María a Maior de Iria Flavia besuchen, eine der historisch wichtigsten Kirchen der Gegend. 

In Herbón verbinden das Franziskanerkloster, die Pfeffertradition und die Landschaft am Ulla Kultur und Gastronomie besonders anschaulich. Wer mehr Zeit hat, fährt nach Santiago de Compostela, das mit Zug oder Auto schnell erreichbar ist, oder erkundet die Flusslandschaft am Ulla, die Orte Dodro und Rois, die Ría de Arousa oder die Route der Pedronía, die Padrón mit der jakobäischen Tradition und dem Weg nach Santiago verbindet.

Berühmte Persönlichkeiten

Padrón ist untrennbar mit Rosalía de Castro verbunden, obwohl sie in Santiago de Compostela geboren wurde. Sie verbrachte wichtige Jahre in Padrón, starb in der Casa da Matanza und gilt als nationale Schriftstellerin Galiciens sowie als zentrale Stimme des Rexurdimento, der Wiederbelebung der galicischen Sprache und Kultur im 19. Jahrhundert. 

Ebenfalls eng mit Padrón verbunden ist Camilo José Cela, einer der bedeutendsten spanischen Autoren des 20. Jahrhunderts und Nobelpreisträger für Literatur. Sein Geburtsort Iria Flavia gehört heute zum Gemeindegebiet, und seine Stiftung hält sein Werk präsent. 

Auch der mittelalterliche Erzbischof Diego Gelmírez spielt in der regionalen Geschichte eine Rolle, da seine Zeit mit dem Ausbau kirchlicher und politischer Macht in Compostela und der Region verbunden war. So wirkt Padrón wie ein kleiner Ort mit einem ungewöhnlich großen literarischen und religiösen Echo.

Anreise nach Padrón

Die Anreise nach Padrón ist unkompliziert. Von Santiago de Compostela erreicht man die Stadt mit dem Auto über die AP-9 oder die N-550 in etwa einer halben Stunde; auch aus Richtung Pontevedra und Vigo ist Padrón gut angebunden. 

Besonders praktisch ist die Bahn, da Padrón an der Strecke zwischen Santiago de Compostela und Vilagarcía de Arousa beziehungsweise Vigo liegt. Für Pilgernde ist Padrón eine der letzten wichtigen Stationen auf dem Portugiesischen Jakobsweg vor Santiago. 

Wer zu Fuß unterwegs ist, spürt hier bereits die Nähe des Ziels, denn von Padrón sind es nur noch rund 25 Kilometer bis zur Kathedrale von Santiago de Compostela. Auch per Bus ist die Stadt regional erreichbar, vor allem über Verbindungen zwischen Santiago und den Orten im Umland. 

Als Ausgangspunkt eignet sich Padrón daher sowohl für einen Tagesausflug als auch für einen ruhigen Aufenthalt zwischen Literatur, Pilgertradition und galicischer Küche.

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