Stürme in Spanien: Wie sicher ist Reisen jetzt wirklich?

Sturm Leonardo hat Andalusien mit voller Wucht getroffen. Straßen stehen unter Wasser, Züge fallen aus, Schulen bleiben geschlossen. Gleichzeitig planen Millionen Deutsche ihren nächsten Spanien-Urlaub. Muss man seine Reise jetzt absagen? Die Antwort ist differenzierter, als viele Schlagzeilen vermuten lassen.

von Alexander Gresbek (Text und Fotos)

Spanien ist und bleibt eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Doch die Bilder aus Andalusien, wo Anfang Februar 2026 Sturm Leonardo für Überschwemmungen, Evakuierungen und Verkehrschaos sorgt, verunsichern viele Urlauber. Noch frisch ist die Erinnerung an die verheerende Flutkatastrophe in der Region Valencia im Herbst 2024, bei der über 200 Menschen ums Leben kamen. 

Und auch das schwere Zugunglück nahe Córdoba im Januar 2026 hat das Vertrauen in die Sicherheit des Landes erschüttert. Die Frage, die sich viele stellen: Ist Spanien noch ein sicheres Reiseziel – oder wird der Urlaub dort zum Risiko?

Sturm Leonardo: Andalusien im Ausnahmezustand

Seit Anfang Februar trifft Sturm Leonardo vor allem den Süden der Iberischen Halbinsel mit außergewöhnlicher Wucht. In Teilen von Cádiz, Málaga und Jaén gelten rote Unwetterwarnstufen, die höchste Alarmstufe. Dauerregen, Orkanböen und Sturzfluten haben zu einem Ausnahmezustand geführt, der den Alltag in weiten Teilen Andalusiens lahmlegt: Häfen wurden geschlossen, Bahnstrecken gesperrt, Busverbindungen eingestellt. In mehreren Gemeinden mussten Anwohner evakuiert werden.

Für Touristen, die sich aktuell an der Costa del Sol oder in anderen betroffenen Gebieten aufhalten, bedeutet das vor allem massive Einschränkungen bei der Fortbewegung. Überflutete Straßen, gesperrte Autobahnen und ausgefallene öffentliche Verkehrsmittel machen spontane Ausflüge unmöglich und können dazu führen, dass Urlauber tagelang in ihrer Unterkunft festsitzen. 

Warnung vor Fahrten durch gefährdete Küstenorte

Besonders problematisch sind tiefliegende Küstenorte und Orte in Flusstälern, wo sich das Wasser schnell und unberechenbar sammelt. Die spanischen Behörden raten in den betroffenen Zonen ausdrücklich dazu, unnötige Fahrten zu unterlassen und den Anweisungen von Katastrophenschutz und Polizei Folge zu leisten.

Leonardo ist dabei kein Einzelfall. Die spanische Mittelmeerküste wird in den Wintermonaten regelmäßig von schweren Stürmen getroffen, die mit meterhohen Wellen Uferpromenaden verwüsten und Küstenorte unter Wasser setzen. Zwar investieren die Gemeinden verstärkt in Wellenbrecher und Dünenrenaturierung, doch die zunehmende Häufigkeit und Intensität solcher Sturmereignisse stellt Infrastruktur und Küstenschutz vor wachsende Herausforderungen.

Die Flutkatastrophe 2024: Valencia als Warnung

Was Sturm Leonardo für Andalusien ist, war die DANA-Wetterlage im Oktober 2024 für die Region Valencia – nur deutlich verheerender. Innerhalb weniger Stunden fielen dort Regenmengen, die normalerweise in einem ganzen Jahr niedergehen. Tageswerte von über 700 Litern pro Quadratmeter verwandelten Straßen in reißende Flüsse. 

Über 200 Menschen verloren ihr Leben, tausende Fahrzeuge wurden weggeschwemmt, zentrale Verkehrsachsen wie die A3 und A7 waren mehr als 24 Stunden lang blockiert. Der Sachschaden wird auf über zehn Milliarden Euro geschätzt.

Die Zahlen verdeutlichen, wie strukturell anfällig die Region ist: Rund zwölf Prozent des Gebiets der Comunitat Valenciana gelten offiziell als hochwassergefährdet, über 314.000 Wohnhäuser stehen in amtlich ausgewiesenen Überschwemmungs-Risikozonen. 

Die Überbauung natürlicher Überschwemmungsflächen und unzureichende Entwässerungssysteme verschärfen das Problem. Experten betonen, dass DANA-Ereignisse – im Spanischen auch als gota fría bekannt – durch den Klimawandel häufiger und intensiver werden. Ein Nullrisiko gibt es in den bekannten Flusstälern südlich von Valencia nicht, auch wenn Frühwarnsysteme und Krisenmanagement nach der Katastrophe verbessert wurden.

Sicherheit in Spanien: Was sagen die Behörden?

Die gute Nachricht für alle, die einen Spanien-Urlaub planen: Kein europäisches Außenministerium rät derzeit pauschal von Reisen nach Spanien ab. Das deutsche Auswärtige Amt führt das Land weiterhin als reguläres Reiseziel ohne generelle Reisewarnung. Allerdings weist es ausdrücklich darauf hin, dass Starkregen und Überschwemmungen in allen Landesteilen zunehmen und sogenannte Medicanes – Sturmsysteme über dem Mittelmeer – häufiger auftreten können.

Im Zusammenhang mit den aktuellen Winterstürmen rät das Auswärtige Amt zu erhöhter Vorsicht, zum Meiden überfluteter Zonen und zur aufmerksamen Beobachtung der Lage – nicht jedoch zu einem generellen Reiseverzicht.

Die Schweiz und andere europäische Staaten bewerten die Situation ähnlich. Spanien und Portugal selbst haben im Zuge von Sturm Leonardo dringende Wetterwarnungen herausgegeben, die sich gezielt auf die akuten Gefahrenzonen in Südspanien beziehen.

Warnhinweise auch ohne spanische SIM-Karte

Positiv ist, dass Spanien in den vergangenen Jahren massiv in Frühwarnsysteme investiert hat. Seit 2022 sendet das Cell-Broadcast-System ES-Alert bei akuten Gefahrenlagen Warnmeldungen direkt auf alle Mobiltelefone in der betroffenen Zone – mit lautem Signalton und in mehreren Sprachen, auch auf Deutsch und Englisch. 

Urlauber werden also auch ohne spanische SIM-Karte gewarnt, sofern ihr Handy eingeschaltet ist. Ergänzend informiert der offizielle Notfall-Account @GVA112 auf sozialen Medien zuverlässig über aktuelle Gefahren, und viele Kommunen haben detaillierte Notfallpläne mit Evakuierungsrouten und Notunterkünften erarbeitet.

Sicher reisen in Spanien: Risiken je nach Jahreszeit

Die Stürme in Andalusien lenken den Blick auf ein Thema, das für die Reiseplanung zunehmend wichtig wird: In Spanien variieren die Risiken für Urlauber erheblich je nach Jahreszeit – und der Klimawandel verschärft diese saisonalen Unterschiede spürbar.

Herbst und Winter sind die Jahreszeiten mit dem höchsten Unwetterrisiko. Die gefürchteten DANA-Wetterlagen entstehen, wenn kalte Höhenluft auf das noch warme Mittelmeer trifft, und entladen sich dann mit extremer Wucht über den Küstenregionen von Andalusien, Murcia und Valencia. Atlantikstürme wie Leonardo oder Gloria verschärfen die Lage zusätzlich, an der Küste drohen meterhohe Wellen und Sturmfluten.

Für Urlauber bedeutet das: Wer zwischen Oktober und Februar an die spanische Mittelmeerküste reist, muss kurzfristige Überschwemmungen, Straßensperrungen und Flugausfälle als realistisches Szenario einkalkulieren. Das Risiko lässt sich durch die Wahl von Unterkünften auf erhöhtem Gelände und das tägliche Verfolgen der AEMET-Wetterwarnungen deutlich reduzieren – ausschalten lässt es sich nicht.

Frühling und Frühsommer gelten als die sichersten und angenehmsten Reisemonate. Die Temperaturen sind angenehm, Extremwetter ist selten, und die Touristenströme halten sich noch in Grenzen. Wer seinen Spanien-Urlaub frei planen kann, ist in dieser Phase am besten aufgehoben. Allerdings können vereinzelte DANA-Ereignisse auch im Frühjahr auftreten – ein Blick auf die Wettervorhersage bleibt also auch in diesen Monaten sinnvoll.

Hochsommer bringt andere, nicht weniger ernst zu nehmende Gefahren. Temperaturen jenseits der 40 Grad sind in Andalusien, Kastilien und der Region Murcia keine Seltenheit mehr – im Juni 2025 wurde mit 46 Grad Celsius ein neuer Hitzerekord aufgestellt, im August kletterte das Thermometer erneut über 44 Grad.

Hitzewellen halten mittlerweile länger an als noch vor einem Jahrzehnt und sind für Urlauber ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko: Sonnenstich, Dehydrierung und Kreislaufprobleme treffen besonders ältere Reisende, Familien mit kleinen Kindern und chronisch Kranke. Experten raten dringend, die Mittagssonne zwischen 12 und 16 Uhr zu meiden, ausreichend Wasser zu trinken und leichte, bedeckende Kleidung zu tragen.

Hinzu kommen Waldbrände, die in den letzten Jahren regelmäßig ganze Landstriche verwüstet und auch Ferienorte unmittelbar bedroht haben. 2022 vernichtete ein Großbrand in der Vall d'Ebo an der Costa Blanca über 12.000 Hektar Wald und Buschland, 2023 mussten auf Teneriffa tausende Bewohner und Touristen evakuiert werden.

Waldbrände durch Hitze und Fahrlässigkeit

Nur rund vier Prozent aller Waldbrände in Spanien haben natürliche Ursachen wie Blitzschlag – der überwiegende Anteil geht auf menschliche Fahrlässigkeit zurück, wird aber durch die extreme Hitze und Dürre in seinen Auswirkungen dramatisch verstärkt.

Wer im Juli oder August nach Spanien reist, sollte die Waldbrandgefahr in seiner Region im Blick behalten, Wanderungen in ausgetrockneten Waldgebieten bei erhöhter Warnstufe meiden und damit rechnen, dass Zufahrten zu Naturparks kurzfristig gesperrt werden können.

Ganzjährig sollten Urlauber an der Küste die Kraft des Meeres nicht unterschätzen. Jedes Jahr sterben in Spanien Dutzende Menschen bei Badeunfällen – oft durch Unterschätzung von Strömungen und Brandung, besonders an der Atlantikküste und bei auflandigem Wind. Wer nur an bewachten Stränden badet und die Flaggensignale der Rettungsschwimmer konsequent beachtet, minimiert dieses Risiko erheblich.

Wenig Gewalt, aber windige Trickdiebe

Jenseits von Wetter und Naturgefahren bleibt Spanien eines der sichersten Länder Europas. Die Gewaltkriminalität liegt deutlich unter dem europäischen Durchschnitt, im ersten Halbjahr 2025 verzeichneten die Behörden sogar einen leichten Rückgang der registrierten Straftaten.

Die Herausforderung für Touristen ist eine andere: Kleinkriminalität. Taschendiebstähle und Trickbetrug gehören in den touristischen Hotspots von Barcelona, Madrid und Valencia zum Alltag. An den Ramblas, auf der Gran Vía oder rund um Valencias Mercado Central operieren professionelle Banden mit eingespielten Maschen – vom Freundschaftsbändchen über falsche Unterschriftensammlungen bis hin zu gezielten Ablenkungsmanövern an Metro-Ausgängen.

Weniger bekannt, aber besonders für Autofahrer relevant, ist der sogenannte „método del pinchazo": Kriminelle beschädigen gezielt den Reifen eines Mietwagens, bieten an der nächsten Haltemöglichkeit scheinbar hilfsbereit Unterstützung an – und nutzen die Ablenkung, um Wertsachen aus dem Fahrzeug zu entwenden. Wer bei einer Reifenpanne Hilfe angeboten bekommt, sollte daher alle Türen verriegeln und im Zweifel den nächsten offiziellen Pannendienst rufen.

Spanien hat auf die Sicherheitsbedürfnisse internationaler Touristen reagiert: Der Safe Tourism Plan umfasst mehrsprachige Hilfsangebote, der SATE-Dienst (Servicio de Atención al Turista Extranjero) unterstützt Besucher bei der Anzeigenerstattung auf Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch. Über die App „Alertcops" können Vorfälle direkt mit GPS-Standort gemeldet werden.

Stürme in Südspanien: Reise absagen oder anpassen?

Die Antwort auf die Frage, ob man seinen Spanien-Urlaub jetzt absagen sollte, hängt entscheidend von zwei Faktoren ab: dem Zeitpunkt und dem Reiseziel.
Wer in den kommenden Tagen oder Wochen in eine der aktuell von Sturm Leonardo betroffenen Regionen reisen wollte – insbesondere in die roten Warnzonen Andalusiens –, dem ist eine Verschiebung oder Anpassung der Reisepläne dringend anzuraten.

In der Phase der heftigsten Niederschläge und Orkanböen vor Ort zu sein, bringt ein vermeidbares Risiko mit sich: weniger ein systematisches Lebensrisiko als die sehr reale Gefahr, auf dem Landweg festzusitzen, Flüge zu verpassen oder empfindliche Einschränkungen hinnehmen zu müssen.

Wer hingegen eine Reise in weniger betroffene Regionen plant oder seinen Urlaub auf das Frühjahr legen kann, für den besteht kein grundsätzlicher Anlass zur Sorge. Spanien wird von europäischen Behörden nicht anders bewertet als andere südeuropäische Staaten, die mit zunehmenden Klimaextremen umgehen müssen.

Entscheidend ist, die Reiseplanung an die jeweilige Saison und ihre spezifischen Risiken anzupassen – statt sich von einzelnen Schlagzeilen verunsichern zu lassen.

Für Urlauber, die bereits vor Ort in einer betroffenen Region sind, gilt: Bewegungen auf das Nötigste beschränken, Hochwassergebiete und Küstenpromenaden meiden und keinesfalls durch überflutete Straßen fahren – schon 30 Zentimeter fließendes Wasser können ein Fahrzeug mitreißen.

Fazit: Informiert reisen statt pauschal absagen

Spanien bleibt ein sicheres und attraktives Reiseland – daran ändern auch die aktuellen Stürme in Andalusien nichts Grundsätzliches. Doch die Zeiten, in denen man eine Mittelmeerreise allein nach Lust und Budget plante, sind vorbei.

Der Klimawandel verändert die Risikolage spürbar: Winterstürme und Sturzfluten, Sommerhitze und Waldbrände – wer diese saisonalen Gefahren kennt und seine Reise daran ausrichtet, kann Spanien weiterhin unbeschwert genießen.

Die gute Nachricht: Mit ES-Alert, AEMET-Warnkarten und mehrsprachigen Hilfsangeboten wie SATE und Alertcops ist Spanien besser aufgestellt als viele andere europäische Urlaubsländer, wenn es darum geht, Reisende im Ernstfall zu informieren und zu schützen. Panik ist fehl am Platz. Sorglosigkeit allerdings auch.

Der Autor

Alexander Gresbek lebt seit vielen Jahren an der spanischen Mittelmeerküste. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.

Eure Meinung

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Seien Sie der Erste, der kommentiert