
Teile der Römermauer in Lugo eingestürzt
Die Stürme an der spanischen Mittelmeerküste haben für Schlagzeilen gesorgt, doch auch den Nordwesten der Iberischen Halbinsel hat es erwischt. Wind und Wassermengen haben einen Teil der berühmten römischen Stadtmauer von Lugo zum Einsturz gebracht, der laut Experten besterhaltenen Römermauer Europas. Doch wieder einmal zeigt sich: Die Muralla ist nicht wirklich kaputt zu kriegen, das haben schon Goten, Piraten und Stadtplaner versucht.
von Tobias Büscher
Anfang Februar 2026 brachen Dutzende Steine aus der Mauer, was neben den Anwohnern auch die Eidechsen, Mauersegler und Fledermäuse in Alarmbereitschaft versetzte. Die herausgebrochenen Steine stammen allerdings nicht ursprünglich von den römischen Baumeistern selbst, sondern sind bei Ausbesserungsarbeiten eingefügt worden.
Die 2,2 km lange Muralla mit ihren zehn Türmen wird ständig überwacht. Der Schaden ist übersichtlich, allerdings so groß wie noch nie. Die Restaurierung wird Wochen in Anspruch nehmen.
Normalerweise machen den verantwortlichen Architekten rund um Ignacio López de Rego der winterliche Frost zu schaffen, doch bereiten sie sich längst auch auf weitere Sturmzüge und Wassermassen vor. Motto: Sie darf nicht zerstört werden, die "Mauer für die Menschheit" (laut PR-Abteilung).
Die Muralla: einzigartig in Spanien
Lugos 1700 Jahre alte Stadtmauer gehört seit dem Jahr 2020 zu den 50 Welterbestätten Spaniens. Der Grund: Sie ist als einzige noch vollständig erhalten.
Zwar gab es auch in der galicischen Provinzstadt Überlegungen, sie bei der Stadterweiterung abzureißen. Doch anders als in Köln oder auch Valencia geschah das nicht. Wohl auch deshalb, weil Lugo mit knapp 100.000 Einwohnern keine gewaltige Metropole ist und schon gar keine sechsspurigen Schneisen für den Autoverkehr braucht.
Dafür feiern die Anwohner ihr römisches Erbe ganz groß. Das Arde-Lucus-Fest im Juni stuft Spaniens Regierung als "Fest von internationalem Interesse" ein. Dann joggen die Anwohner nicht über den Römerkreis, sondern ziehen sich sündhaft teure Römerkostüme an.
Übrigens: Die Architekten aus Lugo stehen in enger Verbindung mit den Beschützern der chinesischen Mauer. Wobei die Arbeit dort etwas anspruchsvoller ist. Das asiatische Bollwerk ist 21.193 Kilometer länger.

