Ist ein Osterurlaub in Andalusien sinnvoll?
Neun Stürme in zwei Monaten haben Andalusien verwüstet. Der Zug fährt erst seit Kurzem wieder, die Strände sind schwer beschädigt. Und die Karwoche Semana Santa beginnt in Kürze. Was bedeutet das für alle, die Ostern an der Küste und in den Städten Südspaniens verbringen wollen?
von Alexander Gresbek
Andalusien hat den schlimmsten Sturmwinter seit 30 Jahren hinter sich. Neun Atlantikstürme sind bis Mitte Februar über Südspanien gefegt. Ergebnis: über vier Milliarden Euro Schäden, Tausende Evakuierte, zerstörte Strände und eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, die nach einem Zugunglück mit 46 Toten einen Monat lang nicht fuhr.
Und jetzt, kurz vor der Semana Santa (29. März bis 5. April), arbeitet die Region gegen die Uhr, um sich für die Touristen herzurichten. Die entscheidende Frage für alle, die ihren Osterurlaub in Andalusien geplant haben: Lohnt sich die Reise trotzdem? Oder sollte man umbuchen?
Málaga und der Zugverkehr: AVE fährt noch nicht überall
Die wichtigste Nachricht zuerst: Der Hochgeschwindigkeitszug AVE zwischen Madrid und Sevilla fährt seit dem 17. Februar wieder. Die Strecke war nach dem Zugunglück bei Adamuz am 18. Januar für einen Monat komplett gesperrt. Renfe und das private Zugunternehmen Iryo bieten zusammen über 25 tägliche Verbindungen an, mit Speed bis zum 350 km/h.
Weniger gut sieht es für Reisende nach Málaga aus. Wer mit dem Zug an die Costa del Sol will, muss derzeit einen Umweg in Kauf nehmen: Zwischen Málaga und Antequera verkehren Busse statt Züge, weil ein Hangrutsch bei Álora während des Sturms Leonardo die Gleise und Oberleitungen zerstört hat.
Die Fahrt von Madrid nach Málaga dauert damit statt der üblichen 2 Stunden 45 Minuten über 4,5 Stunden. Renfe bietet die Kombitickets für 22,20 Euro an, weniger als die Hälfte des regulären Preises.
Noch dramatischer trifft es den Süden der Region: Die Bahnlinie Algeciras–Bobadilla bleibt nach schweren Hangabgängen bei Gaucín und Cortes de la Frontera voraussichtlich bis zu 15 Monate gesperrt. Das Campo de Gibraltar ist damit möglicherweise bis 2027 vom Schienennetz abgeschnitten.
Der Flug nach Málaga ist dagegen einfach. Der Aeropuerto Málaga-Costa del Sol war zu keinem Zeitpunkt länger geschlossen und ist voll funktionsfähig.
Torremolinos, Fuengirola und Marbella schwer getroffen
Für Strandurlauber gibt es weniger gute Nachrichten. Die Unwetterserie hat den Stränden entlang der Costa del Sol massiv zugesetzt. Die Spuren werden zu Ostern noch sichtbar sein.
In Torremolinos wurden über 12.000 Kubikmeter Sand weggespült, der Schaden an Promenade und Strandinfrastruktur beläuft sich auf mindestens 670.000 Euro. In Fuengirola fehlten ähnliche Mengen Sand, eine Ufermauer wurde zerstört.
In Marbella spülten die zu reißenden Strömen gewordenen Trockenflüsse tonnenweise Schilf und Sediment an die Strände. In Rincón de la Victoria legte die Erosion vergrabene Leitungen frei. Und in Vélez-Málaga und Nerja wurden Strandbars von den Wellen zertrümmert.
Planierraupen im Dauereinsatz
Die Gemeinden haben jetzt Planierraupen und Arbeitskolonnen im Dauereinsatz, um die Strände bis Ostern begehbar zu machen. Sand wird aufgeschüttet, Trümmer werden geräumt. Ob die wichtigsten Touristenstrände zur Semana Santa wieder in passablem Zustand sind, hängt vor allem davon ab, ob bis dahin kein weiterer Sturm kommt.
Ein Langzeitproblem kommt hinzu: Die invasive Asiatische Braunalge Rugulopteryx okamurae, die seit Jahren an der Costa del Sol für übelriechende Massen an den Stränden sorgt, wurde durch die Stürme in noch größeren Mengen angespült. In Marbella haben die Arbeiter in der Vergangenheit pro Tag und Strand bereits bis zu 374 Tonnen entfernt. Die Gemeinde Mijas gibt jährlich 1,2 Millionen Euro allein für die Algenbeseitigung aus.
Hotels: Buchungsrückgang von 20 % – Schnäppchen zu Ostern?
Die Unwetter haben dem Tourismussektor bereits schwere Einbußen beschert. Laut dem Provinztourismusverband Turismo Costa del Sol sind durch den einmonatigen AVE-Ausfall allein rund 65.000 Touristen ferngeblieben – ein Verlust von 109 Millionen Euro. Die Hotelverbände AEHCOS (Costa del Sol) und FAHAT (ganz Andalusien) melden für das erste Quartal 2026 einen Buchungsrückgang zwischen 15 und 20 Prozent. Die Gesamtverluste allein bei den Hotels der Provinz Málaga beziffert AEHCOS auf über 300 Millionen Euro.
Für Osterurlauber könnte das paradoxerweise eine gute Nachricht sein: Die Verfügbarkeit von Hotelzimmern für die Semana Santa ist deutlich besser als in den Vorjahren, als in Sevilla, Málaga und Granada zur Osterwoche regelmäßig alles ausgebucht war. Ob das auch zu Preissenkungen führt, bleibt abzuwarten. Die Branche wird eher versuchen, im Sommer Verluste auszugleichen.
Die Online-Suchen nach Costa del Sol sind laut Turismo Costa del Sol im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent gestiegen. Die Nachfrage scheint also da zu sein. Der andalusische Hoteldachverband FAHAT bezeichnet die Osterwoche als „Lackmustest" für die gesamte Saison 2026.
Sevilla, Granada, Córdoba: Städtereisen zu Ostern möglich
Wer die Semana Santa vor allem wegen der berühmten Osterprozessionen in Sevilla, Granada oder Córdoba besucht, kann beruhigt planen. Die Innenstädte der großen andalusischen Kulturmetropolen sind von den Unwetterschäden nicht direkt betroffen. Die Prozessionen finden statt, die Sehenswürdigkeiten sind geöffnet.
Der AVE nach Sevilla fährt wieder planmäßig. Granada und Córdoba sind ebenfalls per Zug oder Flugzeug gut erreichbar. Die Autobahnen und wichtigsten Nationalstraßen sind frei, auch wenn auf Nebenstrecken – vor allem in der Provinz Cádiz, wo Mitte Februar noch 42 Straßenabschnitte gesperrt waren – weiterhin Einschränkungen bestehen können.
Wer mit dem Mietwagen Andalusien erkunden möchte, sollte allerdings die Serranía de Ronda und die Sierra de Cádiz mit Vorsicht planen. Die A-374 zwischen Algodonales und Ronda wurde auf hunderten Metern völlig zerstört. Die Bergdörfer Grazalema, Ubrique und Zahara de la Sierra haben schwere Schäden erlitten – Grazalema musste während des Sturms Leonardo sogar komplett evakuiert werden, weil unterirdische Wasserströme in den Karsthöhlen erdbebenähnliche „Hydrobeben" auslösten.
Costa de la Luz und Cádiz: Atlantikstrände noch stärker betroffen als Costa del Sol
Während alle Augen auf die Costa del Sol gerichtet sind, hat es die Atlantikküste teilweise noch härter getroffen. In Matalascañas (Huelva) hat der Sturm Francis bereits Anfang Januar die komplette Strandpromenade zerstört und Bungalows sowie Strandbars weggerissen. Das Küstenamt plant eine neue Promenade weiter von der Küstenlinie entfernt – die Bauzeit wird auf mindestens zwei Jahre geschätzt.
In der Provinz Cádiz konzentrierten sich die meisten Notfalleinsätze der gesamten Sturmperiode: 2.332 Einsätze, mehr als in jeder anderen Provinz. In Jerez de la Frontera wurden 3.400 Menschen evakuiert, landwirtschaftliche Flächen standen wochenlang unter Wasser. Die Sierra de Cádiz mit ihren weißen Dörfern ist als Ausflugsziel derzeit nur eingeschränkt erreichbar.
Für Urlauber an der Costa de la Luz zwischen Tarifa und Huelva gilt: Die Strände sind nutzbar, aber mit Einschränkungen. Die berühmte Playa de Bolonia und die Surfstrände bei Tarifa haben weniger gelitten als die bebauten Küstenabschnitte.

Landwirtschaft und Gastronomie: Olivenöl und Obst teurer in Andalusien
Die Unwetter haben auch die Landwirtschaft Andalusiens verwüstet – und das werden Touristen beim Essen merken. Die Schäden in der Agrarwirtschaft belaufen sich nach Schätzungen der Junta de Andalucía auf bis zu 3,5 Milliarden Euro. Allein in der Provinz Jaén – dem Herzen der weltweiten Olivenölproduktion – gingen über 50.000 Tonnen Olivenöl im Wert von rund 200 Millionen Euro verloren, weil fast die Hälfte der noch nicht geernteten Oliven durch die Stürme verdarb. In Almería erlitten die Gewächshäuser Produktionsausfälle von über 50 Prozent.
In der Gastronomie dürften die Preise für lokale Produkte deshalb weiter steigen. Wer an Ostern die berühmten Fischrestaurants an der Costa del Sol besuchen möchte, sollte außerdem wissen: 90 Prozent der Fischereiflotte lag wochenlang im Hafen.
Milliardenpaket für Andalusien: Kann die Hilfe rechtzeitig wirken?
Die Regierungen in Madrid und Sevilla haben insgesamt rund 9 Milliarden Euro an Hilfen mobilisiert. Die Zentralregierung genehmigte am 17. Februar ein Paket von 7,17 Milliarden Euro, darunter zwei Milliarden als direkte Transfers an die betroffenen Gemeinden. Die Junta de Andalucía steuert 1,78 Milliarden Euro bei – unter dem Namen „Plan Andalucía Actúa", mit 700 Millionen für die Landwirtschaft und 500 Millionen für Straßenreparaturen.
Für die Strände sind Millionenbeträge eingeplant: 15 Millionen Euro für Marbella und San Pedro de Alcántara, 6,5 Millionen für den Strand Ferrara in Torrox, 6,1 Millionen für die Baños del Carmen in Málaga und 2,2 Millionen für die Cala de Mijas.
Allerdings: Keines dieser größeren Projekte wird vor der Semana Santa fertig. Die Baños del Carmen befinden sich noch in der Ausschreibungsphase, für Marbella steht die Ausschreibung noch aus, und bei der Cala de Mijas ging die erste Vergaberunde ins Leere. Vor Ostern werden nur Notmaßnahmen greifen – Sand aufschütten, Trümmer räumen, Promenaden flicken.
Was bedeutet das für den Osterurlaub 2026 in Andalusien?
Wer Ostern 2026 nach Andalusien reist, fährt in eine Region, die sich mitten im Aufräumen befindet – aber die dennoch viel zu bieten hat. Die Semana Santa in Sevilla, Málaga und Granada findet statt, der AVE nach Sevilla fährt wieder, der Flughafen Málaga funktioniert normal. Hotels haben mehr Kapazitäten als üblich, und die Preise könnten niedriger ausfallen als in den Vorjahren.
Worauf man sich einstellen sollte: Die Strände an der Costa del Sol werden stellenweise noch Spuren der Stürme zeigen. Manche Strandbar wird fehlen. Wer mit dem Zug nach Málaga will, muss den Bus-Umweg über Antequera einplanen. Und für Ausflüge ins Hinterland – etwa in die Sierra de Grazalema oder die Serranía de Ronda – sollte man vorab prüfen, ob einzelne Straßen noch gesperrt sind.
Wer dagegen auf Prozessionen, Kultur, Gastronomie und das unvergleichliche andalusische Frühlingsklima setzt, wird auch 2026 nicht enttäuscht. Andalusien ist angeschlagen, aber nicht am Boden. Die Osterwoche wird zeigen, ob Touristen das genauso sehen.
Der Autor

Alexander Gresbek lebt seit vielen Jahren an der spanischen Mittelmeerküste. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.
Städte am spanischen Mittelmeer





