Jesús Pobre und der Montgó: Vom Urmeer zum Klimawandel
Kalkstein aus der Kreidezeit, ein Berg, den Afrika nach oben drückte, und ein Klima, das sich messbar verändert: Die Geschichte von Jesús Pobre beginnt 145 Millionen Jahre vor unserer Zeit. Ein Streifzug durch Geologie, Kulturlandschaft und die Folgen der Erderwärmung an der Costa Blanca.
Von Jeroen Kramer (Text) und Alexander Gresbek (Illustrationen)
Das tropische Urmeer der Kreidezeit: Wo heute das Dorf Jesús Pobre liegt, gab es vor 145 bis 66 Millionen Jahren kein Festland. Die gesamte Region war von einem flachen, warmen Urmeer bedeckt – der Tethys.
In diesem tropischen Gewässer wimmelten Korallenriffe und Muscheln. Als diese Meereslebewesen starben, sanken ihre kalkhaltigen Schalen auf den Meeresboden. Über Jahrmillionen wurden diese Schichten durch enormen Druck zu dem kompakten Kalkstein komprimiert, der heute das Landschaftsbild prägt.
Die Geburt des Montgó
Vor etwa 40 bis 10 Millionen Jahren veränderte die Plattentektonik die Region radikal. Die Afrikanische Platte schob sich unaufhaltsam nach Norden unter die Europäische Platte. Dieser gigantische Druck stauchte den alten Meeresboden zusammen und drückte ihn nach oben.
Der Montgó wurde als Teil des Betischen Gebirges aus dem Meer emporgehoben. Was einst eine flache Hochebene unter Wasser war, ragte nun als mächtiger Berg in den Himmel.
Die Formung der Täler
Sobald das Land trocken lag, begann das große Werkzeug der Natur: die Erosion. Leicht saures Regenwasser löste den Kalkstein langsam auf – ein Prozess, den Geologen als Verkarstung bezeichnen. Dadurch entstanden Höhlen und Schluchten.
Durch die Verwitterung des Steins bildeten sich in den Tälern extrem nährstoffreiche, rote Böden, die sich hervorragend für die Landwirtschaft eignen.
Die Ankunft der ersten Menschen
Vor 25.000 bis 30.000 Jahren streiften die ersten Gruppen von Homo sapiens durch dieses Gebiet. Die Natur bot ihnen idealen Schutz: Die vom Wasser geformten Höhlen im Montgó-Massiv dienten ihnen als Wohnstätten. Ihre Anwesenheit haben sie in Form von Höhlenmalereien hinterlassen.
Klima im Wandel: Die letzten 40 Jahre
Wer die Region heute bereist, erlebt ein mediterranes Klima, das zunehmend von den Auswirkungen der globalen Erwärmung geprägt wird. Daten des spanischen Wetterdienstes AEMET zeigen, wie sich das Mikroklima in den letzten vier Jahrzehnten verändert hat: Die jährliche Durchschnittstemperatur in der Region Valencia ist um gut 1,5 °C gestiegen.
Die Anzahl extremer Hitzewellen hat sich seit 2010 im Vergleich zu den 1980er Jahren verdoppelt. Sie beginnen früher im Jahr und dauern länger an.
Auch die Zahl der „tropischen Nächte“ – Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 °C sinkt – hat massiv zugenommen. Die Gesamtregenmenge pro Jahr ist zwar nahezu gleich geblieben, aber das Wetter ist unberechenbarer geworden.
Sanfte Frühjahrs- und Herbstregen weichen immer öfter langen Trockenperioden, die von extremen Starkregenereignissen (sogenannte DANA-Wetterlagen) unterbrochen werden.
Die lebendige Kulturlandschaft heute
Trotz der klimatischen Herausforderungen floriert das flache Agrargebiet rund um Jesús Pobre. Der fruchtbare Kalksteinboden aus der Kreidezeit speichert die Wärme hervorragend. Neben den historischen Weinreben für den berühmten Moscatel-Wein und die süßen Rosinen prägen Oliven- und Mandelbäume das Bild der Felder.
Vermehrt setzen die lokalen Landwirte auf den Johannisbrotbaum (Algarroba). Diese tief wurzelnden, robusten Bäume lieben den kalkhaltigen Boden und vertragen die zunehmend heißen und trockenen Sommer problemlos. Auf den Feldern gedeihen traditionell auch Weizen und Gemüse wie Saubohnen, Tomaten und Zwiebeln.
Probieren lässt sich die Ernte unter anderem auf dem wöchentlichen Bauernmarkt (Mercat de Riurau) in Jesús Pobre.
Vom tropischen Meeresboden der Kreidezeit über die Höhlenmalereien der Steinzeit bis hin zur klimabewussten Landwirtschaft – die Geologie bestimmt in Jesús Pobre bis heute das Leben.
Der Autor
Der Niederländer Drs. Jeroen Kramer (63) verbringt gerne einen Urlaub im wunderschönen Jesús Pobre in Spanien. Besonders begeistert ist er von der vielfältigen Flora und Fauna der Region, die er mit großer Leidenschaft fotografisch festhält – vor allem Vögel fotografiert er.
Kramer studierte ein Jahr Ökonometrie sowie sechs Jahre Physische Geographie (Master / drs.) an der Uni Amsterdam. Ergänzt wurde seine akademische Ausbildung durch ein Jahr Informatik an der Open Universiteit in Utrecht sowie eine intensive 100-tägige Ausbildung zum Systemdesigner bei Comtecno in Naarden.
In den 1980er Jahren war er aktiver Leichtathlet und wurde insgesamt zehnmal niederländischer Meister über 800 Meter, 1500 Meter, im Hindernislauf sowie im Crosslauf.
Ein besonderes Anliegen ist ihm zudem das ehrenamtliche Engagement: Für 25 Jahre freiwilligen Computerunterricht wurde er vor drei Jahren mit dem königlichen Orden von Oranien-Nassau ausgezeichnet.
Weitere Themen zur Costa Blanca
Altea: Blaue Kuppeln über der Costa Blanca




Seien Sie der Erste, der kommentiert