Nach einem Kunstraub gehen romanische Figuren an ein spanisches Kloster zurück
Zwei romanische Figuren des legendären Künstlers Meister Mateo, ein ehemaliger Nazi als Zwischenhändler und ein spätes Auftauchen von eindeutigen Beweisen. Das ist der Stoff einer Geschichte rund um ein ehemaliges Benediktinerkloster, welches die wertvolle Kunst nun zurückbekommen hat.
Von Tobias Büscher
Kronjuwelen des Louvre, Goldmünzen in Maching, Edvard Munch in Oslo, immer wieder umgehen Diebe das angeblich so lupenreine Sicherheitssystem. Immer wieder berichten Medien mit einem Mix aus Empörung und Schadenfreude.
Was sich jetzt in Nordspanien zugetragen hat, fällt da deutlich aus dem Rahmen. Hier mussten die Diebe weder clever noch geschickt sein. Und die Ankäufer der Figuren waren offensichtlich völlig ahnungslos.
Als die Diebe die beiden Figuren des Eingangsportals des Klosters Carboeiro um das Jahr 1955 entwendeten, war die Arbeitssituation paradiesisch. Kein Mensch störte sie. Das Gebäude war bereits seit Jahrzehnten eine Ruine, die nächsten Wohnhäuser weit weg.
Den Diebstahl bemerkte auch niemand. Das Kloster war umgeben von Eichen und Eukalyptusbäumen, bis auf Waldarbeiter kam damals keiner vorbei.
Von Banausen und Profis
Wie El País berichtet, gelangten die Figuren später in die Hände des Deutschen Sammlers Ferdinand Birk Crecelius, der wie so viele andere nach dem Zweiten Weltkrieg nach Spanien gekommen war. Der Sammler blieb, andere zogen weiter nach Chile, Argentinien und Venezuela.
Sicher ist, dass das Marès-Museum in Barcelona diese beiden Figuren dann 1980 für umgerechnet 4500 Euro erwarb. Und sicher ist auch, dass sich niemand für die Herkunft interessierte. Und schon gar nicht dafür, wer diese Figuren eigentlich geschaffen haben könnte.
Kunstfachleute sind sich heute sicher: Die Figuren, die Christus und Apostelsymbole darstellen, sind das Werk von Meister Mateo. Der Mann war der wichtigste Steinmetz des spanischen Hochmittelalters. Von ihm stammt die im 12. Jahrhundert errichtete Eingangspforte Pórtico de la Gloria in der Kathedrale von Santiago de Compostela.
Wer auch immer außer den Dieben und dem Deutschen mit den Figuren zu tun gehabt hat: alles Banausen. Der Kaufpreis von 4500 Euro ist ungefähr so irre, als bekäme man für das selbe Geld eine Wohnung in der Münchner Innenstadt.
Enrique Iglesias im Kloster
Außer dem Diebstahl hat dieses Gebäude schon einiges erlebt. Im 10. Jahrhundert hatte es ein Graf namens Gonzalo in Auftrag gegeben, Maurenanführer Almanzor schleifte es kurz darauf, dann entstand es neu im Stil der Romanik und im Jahr 1836 kam das vorläufige Ende: alle Gotteshäuser Spaniens gingen in den Besitz des Staates über.
Heute steht es unter dem Schutz der Regierung, ist bravourös restauriert und Enrique Iglesias hat darin einen seiner seichten Popsongs intoniert. Seitdem bekommt Carboeiro ziemlich viel Besuch, es gilt als ein architektonisches Highlight im Hinterland Galiciens.
Dass die beiden Figuren nun wieder im Kloster sind, ist dem Historiker Francisco Prado-Villar von der Uni Santiago zu verdanken. Der Professor hat nach monatelanger Recherche 2023 Dokumente entdeckt, die den Diebstahl und den Ankauf belegen. Das Museum in Barcelona war nach einigem Zögern schließlich mit der Übergabe einverstanden.
Ob die Figuren wieder am Eingang angebracht werden oder zur Sicherheit hinter Panzerglas, ist zwar noch nicht entschieden. Aber immerhin ist das Kloster jetzt wieder Thema in den Medien.


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