Benidorm: Hochhausküste und ein Stück Fischerdorf

Benidorm ist Spaniens dichtestes Urlaubskonzentrat: rund 75.000 Einwohner, bis zu 2,1 Millionen Besucher im August und mehr als 340 Hochhäuser auf sechs Kilometern Küste. Die Stadt polarisiert wie kaum ein zweiter Ort an der Costa Blanca. Das folgende Kurzprofil ordnet ein, was hinter der Skyline steckt, was Sie sich anschauen können und was Sie besser wissen sollten, bevor Sie kommen.

von Alexander Gresbek (Text und Fotos)

Die Stadt polarisiert. Für die einen ist sie das Sinnbild des rücksichtslosen Massentourismus, für die anderen ein interessantes Modell verdichteter Urlaubsinfrastruktur mit vergleichsweise geringem Flächenverbrauch. 61 Prozent des Gemeindegebiets stehen unter Naturschutz. 

2025 verlieh die Europäische Kommission Benidorm den Titel European Green Pioneer of Smart Tourism.

Die Skyline und ihre Rekorde

Auf einem knapp sechs Kilometer langen Küstenstreifen stehen in dem einstigen Fischerdorf mehr als 340 Hochhäuser. Das Intempo mit 200 Metern und 47 Etagen zählt zu den höchsten Wohngebäuden Europas, das Gran Hotel Bali erreicht 186 Meter.

Diese Dichte hat einen praktischen Effekt: kurze Wege, wenig Zersiedelung, geringer Flächenverbrauch pro Bett. Ästhetisch bleibt sie umstritten. Wer die Skyline vom Meer aus sehen will, kann eine der regelmäßigen Bootstouren zur vorgelagerten Isla de Benidorm buchen. Die Insel selbst ist unbewohnt, klein und Teil des Meeresschutzgebiets.

Die Altstadt auf der Punta Canfali

Zwischen den beiden Hauptstränden ragt die Punta Canfali ins Meer. Auf dieser Landzunge liegt der historische Kern des ehemaligen Fischerdorfes, das 1325 seine Stadtrechte erhielt. Weiß getünchte Häuser, enge Gassen, blau gekachelte Kuppeln der Iglesia de San Jaime y Santa Ana aus dem 18. Jahrhundert.

Die Altstadt ist überschaubar, in einer Stunde zu Fuß erkundet, und bietet mehr Atmosphäre als klassische Sehenswürdigkeiten.

Am Ende der Landzunge liegt der Balcón del Mediterráneo, eine weiße Aussichtsplattform auf den Grundmauern einer im 18. Jahrhundert geschleiften Burg. Von hier reicht der Blick auf beide Hauptstrände und die Skyline. Der Zugang ist kostenlos, tagsüber ist es voll, morgens und abends ruhiger.

Strände: Levante, Poniente, Mal Pas

Die drei Stadtstrände unterscheiden sich in Charakter und Publikum. Der Playa de Levante östlich der Altstadt ist rund zwei Kilometer lang, feinsandig und dicht mit Hotels, Bars und Beach Clubs gesäumt. Er ist das laute, tourismusintensive Herz der Stadt. 

Der Playa de Poniente westlich schließt sich an eine über drei Kilometer lange Promenade an, entworfen vom Architekturbüro OAB, und wirkt gepflegter und moderner. Die kleine Cala del Mal Pas direkt an der Altstadt ist die ruhigere Alternative mit Blauer Flagge seit 1987.

Alle drei Strände tragen die Blaue Flagge, sind stark bewirtschaftet und im Sommer sehr voll. Wer Naturbuchten sucht, fährt besser Richtung Cala de Finestrat oder in die Sierra Helada (Serra Gelada).

Serra Gelada und Cruz de Benidorm

Am östlichen Stadtrand beginnt der Naturpark Serra Gelada, ein Küstengebirge mit Steilklippen und Kiefernwäldern, das ins Meer abfällt. Vom Rincón de Loix führt ein markierter Weg in rund 40 Minuten zur Cruz de Benidorm, einem Aussichtspunkt mit dem 1961 aufgestellten Kreuz der Franziskaner. 

Die Höhenangaben in Reiseführern schwanken zwischen 217 und 438 Metern, tatsächlich liegt das Kreuz bei etwa 438 Metern über dem Meer, der eigentliche Balkon des Aussichtspunkts liegt etwas niedriger.

Zwei alte Wachtürme aus dem 16. Jahrhundert im Naturpark, der Torre del Cavall Peak und der Morales Tower an der N-332, erinnern an die Zeit, als die Küste vor Berberpiraten geschützt werden musste.

Freizeitparks und Familienangebot

Benidorm ist Spaniens dichteste Themenparklandschaft. Terra Mítica arbeitet mit antiken Motiven aus Ägypten, Rom und Griechenland. Terra Natura verbindet Zoo und Wasserpark. Aqualandia zählt zu den ältesten und größten Wasserparks Europas, direkt daneben liegt Mundomar mit Delfinen und Seelöwen. 

Aqua Natura ist der zweite große Wasserpark. Eintrittspreise variieren saisonal stark, Online-Tickets sind meist günstiger als Tageskassen. Rechnen Sie mit 35 bis 55 Euro pro Erwachsener und Park.

Parque de l'Aigüera und Stierkampfarena

Der langgezogene Parc de l'Aigüera, in den 1930er Jahren vom Architekten Ricardo Bofill neoklassizistisch gestaltet, trennt Altstadt und modernes Zentrum. Zwei kleine Amphitheater bespielen im Sommer regelmäßig Open-Air-Konzerte. Am oberen Ende steht die Stierkampfarena, in der neben Corridas auch Konzerte und Veranstaltungen stattfinden.

Praktische Infos

Beste Reisezeit sind Mai, Juni, September und Oktober. Der Winter ist mild (dank Mikroklima zwischen Bergen und Meer), einige Hotels haben ganzjährig geöffnet, viele Deutsche und Briten überwintern hier. Juli und August werden extrem voll und laut. Seit 2024 gilt eine Umweltzone (ZBE), die den Verkehr im Zentrum reguliert, prüfen Sie vor der Anreise die aktuellen Regeln, wenn Sie mit Auto oder Wohnmobil kommen.

Anreise über Flughafen Alicante (rund 45 Minuten mit dem Auto, alternativ TRAM Linie 1 und 9 nach Benidorm) oder Valencia (rund 130 Kilometer). Innerhalb der Stadt kommen Sie zu Fuß und mit Bus oder Taxi gut zurecht.

Öffnungszeiten und Preise können sich ändern. Prüfen Sie vor dem Besuch die offiziellen Seiten der Tourismusstiftung Visit Benidorm.

Quellen: Fundació Turisme Benidorm (visitbenidorm.es), Ayuntamiento de Benidorm (benidorm.org), Europäische Kommission (Smart Tourism Capital), El País Berichterstattung 2025, Ökonews.at. Alle Angaben Stand Juli 2026.

Der Autor

Alexander Gresbek lebt seit vielen Jahren an der spanischen Mittelmeerküste. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.

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