
Liébana in Kantabrien: Potes, Picos und Prachtbilder
Die Bergregion Liébana im Südwesten Kantabriens liegt zwischen den Picos de Europa und dem Kantabrischen Gebirge. Bei unserem Besuch haben wir festgestellt: Der Mix aus Hochgebirgslandschaft, Bergdörfern, der Wallfahrtstradition und der guten Küche hat etwas. Zentrum der Region ist Potes, während das Kloster Santo Toribio de Liébana und die Seilbahn von Fuente Dé jeder Spanienfan kennt.
von Tobias Büscher
Die abgeschiedene landschaftliche Lage Liébanas prägen enge Schluchten, hohe Pässe und die Bergketten der Picos de Europa; über Jahrhunderte trennten sie das Tal von der Küste und den Nachbarregionen.
Diese Abgeschiedenheit war für die Mauren kaum attraktiv, stattdessen entwickelte sich hier ein Zentrum klösterlicher Kultur. Aus Liébana stammt unter anderem Beatus von Liébana, spanisch Beato de Liébana, ein Mönch und Theologe des 8. Jahrhunderts.
Er soll ungefähr von 730 bis 785 gelebt haben und war aktiv im damaligen Kloster San Martín de Turieno, dem heutigen Santo Toribio de Liébana. Sicher ist, dass er um 776 einen im wahrsten Sinne des Wortes prächtigen Kommentar zur Apokalypse des Johannes verfasste. Das Original ist verschollen, es gibt nur Abschriften aus dem Spätmittelalter, die sich unter anderem in New York und in Spaniens Nationalbibliothek in Madrid befinden.
Das minutiös gemalte Werk gehört neben dem Codex Calixtinus zu den wichtigsten Zeugnissen mittelalterlicher Buchmalerei auf der Iberischen Halbinsel.
Klöster und spirituelle Orte
Das wichtigste religiöse Ziel ist das Monasterio de Santo Toribio de Liébana, wenige Kilometer von Potes entfernt bei Camaleño, wo angeblich ein Teil des Kreuzes Jesu befindet.
Die gotische Kirche (13. Jh.) hat eine ähnliche Tradition wie die Kathedrale von Santiago de Compostela. Nur an Heiligen Jahren ist das Tor Puerta del Perdón offen, wenn der Festtag des heiligen Toribio (27. April) auf einen Sonntag fällt.
Rund um das Kloster liegen kleinere Kapellen und Aussichtspunkte, die sich für kurze Spaziergänge eignen. Wer den Camino Lebaniego geht, erreicht Santo Toribio auf einer historischen Pilgerroute von der Küste bei San Vicente de la Barquera ins Bergland. Wer mit Religion weniger zu tun hat, wird die Anlage eher langweilig finden. Dafür entschädigt die Natur.
Potes: Hauptort von Liébana
Potes liegt dort, wo mehrere Täler und Wasserläufe zusammenkommen, und wirkt dadurch wie ein natürlicher Knotenpunkt zwischen Küste, Hochgebirge und kastilischem Hinterland.
Die Altstadt mit Steinbrücken, engen Gassen, Holzbalkonen und alten Herrenhäusern steht unter Denkmalschutz. Ein markantes Wahrzeichen ist die Torre del Infantado, ein Wehrturm aus dem 15. Jahrhundert, der an die Bedeutung adliger Familien in der Geschichte des Ortes erinnert.
Für Reisende ist Potes der beste Ausgangspunkt für Übernachtungen, Restaurants, Einkäufe und Ausflüge. Montags findet traditionell Markt statt. Kulinarisch sollte man den Cocido Lebaniego probieren, einen kräftigen Eintopf mit Kichererbsen, Fleisch und Kohl.
Bekannt ist die Region außerdem für Orujo, einen Tresterbrand, der besonders im Herbst und bei regionalen Festen präsent ist.
Picos de Europa und Fuente Dé
Die Picos de Europa bilden die dramatische Kulisse Liébanas. Von den grünen Talböden steigt das Gelände rasch zu Kalksteinwänden, Hochweiden und alpinen Routen auf. Der bekannteste Zugang ist Fuente Dé am Ende des Tals von Camaleño.
Dort überwindet die Seilbahn in rund vier Minuten etwa 753 Höhenmeter und bringt Besucher zur Bergstation auf etwa 1.823 Metern. Oben eröffnen sich Panoramablicke und Wanderwege, etwa in Richtung Áliva-Hochweiden oder zu Aussichtspunkten im Zentralmassiv.
Wichtig für die Planung: Wetter, Wind und Sicht können sich im Hochgebirge schnell ändern. Die Seilbahn kann bei starkem Wind oder Wartung geschlossen sein. In der Hauptsaison, an Feiertagen und in der Osterzeit sind Wartezeiten möglich; Tickets sollten nach Möglichkeit vorab gebucht und aktuelle Betriebsinformationen geprüft werden. Für längere Wanderungen sind feste Schuhe, warme Kleidung, Wasser und realistische Zeitplanung unverzichtbar.
Konkrete Reiseinformationen
• Anreise mit dem Auto: Die wichtigste Route aus Richtung Küste führt von der A-8 bei Unquera über die N-621 durch den Desfiladero de la Hermida nach Potes. Die Strecke ist spektakulär, aber eng und kurvig; 2026 sollte man wegen möglicher Baustellen und Sommerverkehr besonders großzügig planen. Von Potes nach Fuente Dé fährt man weiter über die CA-185 durch das Tal von Camaleño.
• Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Es gibt regionale Busverbindungen Santander–Potes–Fuente Dé. Für 2026 sollten die aktuellen Fahrzeiten kurz vor Reisebeginn über Transporte de Cantabria oder den Betreiber geprüft werden, da Frequenzen saisonal und nach Wochentag variieren können.
• Beste Reisezeit: Mai bis Oktober eignet sich Kantabrien besonders für Wandern, Besichtigungen und klare Bergtage. Juli und August sind am vollsten. Frühling und Herbst bieten oft ruhigere Bedingungen, aber wechselhafteres Wetter.
• Übernachten: Potes ist praktisch für Restaurants und Ausflüge. Ruhiger wohnt man in kleineren Orten wie Camaleño, Mogrovejo oder Espinama, näher an Fuente Dé und den Bergen.
• Dauer des Aufenthalts: Für einen ersten Eindruck reichen zwei volle Tage: ein Tag für Potes und Santo Toribio, ein Tag für Fuente Dé und eine kurze Wanderung. Wer wandern oder Dörfer erkunden möchte, sollte drei bis fünf Tage einplanen.
• Mobilität vor Ort: Ein Auto ist sehr hilfreich, weil viele Dörfer, Aussichtspunkte und Wanderstarts nur eingeschränkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Für Santo Toribio kann man von Potes aus auch zu Fuß gehen oder ein Taxi nehmen; nach Fuente Dé ist bei Tagesausflügen eine frühe Abfahrt sinnvoll.
Restaurants und Essen in Potes 2026
Für 2026 bleibt Potes der beste Ort zum Essengehen in Liébana. Besonders typisch sind Cocido Lebaniego, Wildgerichte, gegrilltes Fleisch, Käse aus den Picos de Europa und Orujo.
Beliebte Adressen in aktuellen Restaurantübersichten sind unter anderem La Soldrería de Potes, Restaurante La Barrica de Potes, Asador Llorente, Hotel Restaurante Casa Cayo, El Bodegón, Restaurante Martín, Asador Bodega Aguilar und Restaurante El Cantón.
In der Hochsaison, an Wochenenden und an Brückentagen sollte man möglichst reservieren, da Potes klein ist und viele Besucher auf denselben Ortskern konzentriert sind.
• Traditionelle Küche: Casa Cayo, El Bodegón, Restaurante Martín oder Mesón La Torre eignen sich für regionale Gerichte und bodenständige Küche.
• Fleisch und Grillgerichte: Asador Llorente, Asador Bodega Aguilar oder La Parrilla sind naheliegende Optionen.
• Für eine modernere Küche: La Soldrería de Potes und La Barrica de Potes werden häufig als gute Adressen für kreativere mediterran-spanische Küche genannt.
• Einfache Alternativen: Pizzerien, Burgerläden und Bars sind nützlich, wenn man nach einer Wanderung ohne langes Menü essen möchte.
• Praktischer Hinweis: Öffnungszeiten einzelner Restaurants ändern sich saisonal; viele Küchen schließen zwischen Mittag- und Abendservice. Für 2026 sollte man vorab telefonisch oder über die jeweilige Restaurantseite prüfen, ob geöffnet ist.
Vorschlag für eine 3-Tage-Reise
Tag 1: Ankunft über die Hermida-Schlucht und Potes. Früh genug starten, da die N-621 kurvig ist und es 2026 besonders in der Saison zu Verzögerungen kommen kann. Nachmittags Spaziergang durch die Altstadt, Besuch der Torre del Infantado, abends Cocido Lebaniego oder Grillküche in Potes.
Tag 2: Santo Toribio de Liébana und Umgebung. Vormittags Klosterbesuch, idealerweise mit der Pilgermesse um 12:00 und der Kapelle des Lignum Crucis. Anschließend Spaziergang zu Aussichtspunkten oder kleinen Kapellen; nachmittags Potes, Orujo oder ein Dorf wie Mogrovejo.
Tag 3: Fuente Dé und Picos de Europa. Tickets für die Seilbahn vorab reservieren, Wetter prüfen und früh losfahren. Oben nur so weit wandern, wie es Kondition, Wetter und letzte Talfahrt erlauben; Rückkehr über Espinama oder Camaleño.
Warum Liébana lohnt
Liébana ist kein Ziel für eine reine Durchfahrt. Die Region entfaltet ihren Reiz durch die Verbindung von Landschaft, Geschichte und Alltagskultur: ein mittelalterlicher Ort als Zentrum, ein Kloster von europäischer Pilgerbedeutung, Bergdörfer mit eigener Küche und die unmittelbare Nähe zu den Picos de Europa. Wer Zeit mitbringt, entdeckt hier eines der eindrucksvollsten Binnengebiete Nordspaniens.





Seien Sie der Erste, der kommentiert