
Moraira an der Costa Blanca: Cap d'Or und Yachthafen
Zwischen Jávea und Calpe liegt ein Ort, der sich bewusst gegen die Skyline entschieden hat. Moraira setzt auf ein niedriges Ortsbild, geschützte Buchten und einen der größten Yachthäfen der Costa Blanca. Was Sie hier finden, wo Sie besser sparen, und warum der Ort nicht jeder Erwartung standhält.
Alexander Gresbek (Text und Fotos)
Moraira ist der Küstenteil der Gemeinde Teulada an der nördlichen Costa Blanca, rund 80 Kilometer nördlich von Alicante und knapp 100 Kilometer südlich von Valencia. Zur Doppelgemeinde Teulada-Moraira gehören der Küstenort selbst und der etwa fünf Kilometer landeinwärts gelegene ältere Ortskern Teulada.
Insgesamt zählt die Gemeinde nach Angaben des spanischen Statistikinstituts INE etwa 12.620 gemeldete Einwohner, in den Sommermonaten liegt die tatsächliche Bevölkerung deutlich höher.
Der Ausländeranteil ist einer der höchsten in ganz Spanien: knapp die Hälfte der Gemeldeten sind keine Spanier, sondern überwiegend Engländer, Deutsche, Holländer und Skandinavier. Die Küste zieht sich über etwa acht Kilometer zwischen Cap Blanc im Süden und Cap d'Or im Osten und wird von den Ausläufern des Puig de la Llorença und der Cumbre del Sol begrenzt.
Charakter ohne Hochhäuser
Wer aus Benidorm oder Calpe kommt, merkt den Unterschied sofort. Moraira hat keine Skyline. Die Gemeinde hat baurechtlich einen Deckel eingezogen, sodass abgesehen von zwei siebenstöckigen Apartmenthäusern keine Hochhäuser das Bild bestimmen.
Das Ortsbild ist überwiegend niedrig, weiß getüncht und auffallend gepflegt. Die Kehrseite: Der Ort wirkt in weiten Teilen weniger spanisch als andere Küstenorte. In den Cafés hört man ebenso viel Englisch, Deutsch und Niederländisch wie Valencianisch, viele Geschäfte und Ärzte arbeiten mehrsprachig. Wer authentisches Alltagsspanien sucht, ist landeinwärts in Teulada besser aufgehoben.
Castillo am Strand
Direkt an der Playa de l'Ampolla steht das Castillo de Moraira, eine kleine Küstenfestung aus dem 18. Jahrhundert mit halbrundem Grundriss. Sie diente dem Schutz vor Piratenüberfällen und wurde 1801 durch englischen Beschuss zerstört.
Der heutige Bau ist eine Rekonstruktion und ist von außen einsehbar, das Innere wird für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt, feste Besuchszeiten gibt es nicht. Die Festung ist überschaubar, aber ihre Lage direkt am Sandstrand macht sie zum bekanntesten Fotomotiv des Ortes.
Wachturm Cap d'Or über der Küste

Das eigentliche Wahrzeichen steht höher. Der Torre del Cap d'Or, ein elf Meter hoher Wachturm mit rundem Grundriss, wurde Ende des 16. Jahrhunderts im Auftrag Philipps II. errichtet, mutmaßlich nach Plänen des Militäringenieurs Giovanni Battista Antonelli.
Er gehörte zu einer Kette von Küstentürmen, die sich untereinander Sichtsignale schickten, um vor Berberpiraten zu warnen. Der Zugang ist heute nur außen möglich, das Innere ist nicht begehbar.
Der Aufstieg lohnt trotzdem: Vom Ausgangspunkt an der Playa del Portet führt der Wanderweg SL-CV 51 in etwa 30 bis 40 Minuten hinauf, insgesamt rund zwei Kilometer, mit steilem Anfangsstück.
Vom Gipfel öffnet sich der Blick auf den Peñón d'Ifach, die Sierra de Bèrnia und an klaren Tagen bis zum Cap de la Nau bei Jávea. Feste Schuhe mitnehmen, Wasser einpacken, in der Sommerhitze früh am Morgen aufbrechen.
Strände: El Portet, Ampolla, Platgetes
Die drei bekanntesten Strände liegen dicht beieinander und unterscheiden sich deutlich. Die Playa de l'Ampolla ist der Hauptstrand, rund 250 Meter lang, feiner Sand, direkt am Ortszentrum und am Castillo.
Die Playa del Portet nordöstlich davon ist eine halbrunde Bucht mit ruhigem Wasser, beliebt bei Familien und Schnorchlern, das Wasser bleibt lange flach. Les Platgetes im Nordwesten sind mehrere kleine Sand- und Kiesbuchten, weniger überlaufen. Alle drei tragen zeitweise die Blaue Flagge der EU. Wer felsigere Abschnitte sucht, findet sie an Cala Andragó und den Buchten Richtung Cap Blanc. Sandburgen für Kinder funktionieren an der Ampolla und am Portet, für Schnorcheln und Wassersport ist das Portet die bessere Wahl.
Hafen und tägliche Fischversteigerung
Der Yachthafen Club Náutico de Moraira liegt zwischen Castillo und Cap d'Or und verfügt über rund 620 Liegeplätze für Boote bis 30 Meter Länge. Er trägt seit Jahren die Blaue Flagge und richtet im Frühjahr und Herbst mehrere Regatten aus, darunter die Hochsee-Regatta „Moraira Santa Eulalia“ Ende September.
Trotz Yachthafen ist der Ort seiner Fischertradition treu geblieben. Die kleine Flotte fährt weiterhin morgens raus und kommt gegen Mittag mit dem Fang zurück, der in der Lonja versteigert wird. Die Auktion ist öffentlich, Uhrzeiten variieren mit den Rückkehrzeiten der Boote, meist zwischen 11 und 13 Uhr an Wochentagen. Erkundigen Sie sich am Hafen nach dem aktuellen Zeitplan.
Umgebung: Weinberge und Nachbarn
Landeinwärts prägen Weinberge das Bild. Im Valle de les Sorts, seit 2006 Landschaftsschutzgebiet, wird die Muskatellertraube Moscatel Romano angebaut, aus der die typische süße Mistela hergestellt wird. Der Wein wird in mehreren Bodegas der Region verkauft, teilweise mit Verkostung.
Für Ausflüge liegen Calpe mit dem Peñón d'Ifach etwa 15 Kilometer südlich, Jávea rund 20 Kilometer nördlich, dazu Benissa und der Marktort Jalón im Landesinneren. Die Wanderung zur Cova de la Cendra, einer Höhle mit paläolithischen Funden am Südhang des Cap d'Or, lässt sich mit der Cap-d'Or-Tour verbinden.
Auch die Wehrkirche Santa Catalina in Teulada ist einen Abstecher wert, sie zählt zu den wenigen erhaltenen Wehrkirchen der Provinz Alicante.
Gastronomie und ehrliche Einordnung
Die Küche folgt der Marina Alta: Reisgerichte wie Arroz a banda, Arroz del señoret oder schwarzer Reis, Fisch aus der eigenen Lonja, Meeresfrüchte. Rund um Hafen und Promenade arbeiten viele Restaurants, das Preisniveau liegt über dem des Landesinneren, die Qualität schwankt.
Ein Teil der besseren Adressen ist international ausgerichtet und entsprechend teurer. Wer authentische valencianische Küche sucht, wird auch in Teulada oder in den Bergorten des Landesinneren fündig.
Morairas Stärke ist die Kombination aus niedrigem Ortsbild, geschützten Buchten und einem funktionierenden Ganzjahresleben ohne Betonburgen. Die Schwäche ist der stark internationalisierte Charakter, der wenig von einem klassischen spanischen Küstenort übrig lässt, und ein Preisniveau, das die Herkunft der Klientel widerspiegelt. Wer authentisches Fischerdorfleben erwartet, wird das nur in Fragmenten finden. Für Fotostrecken sind der Cap d'Or bei Sonnenaufgang, das Castillo am späten Nachmittag und der Hafen zur blauen Stunde die verlässlichsten Motive.
Quellen: Instituto Nacional de Estadística (INE), Padrón Municipal 2024; Einträge zu Moraira und Teulada; Comunitat Valenciana Turisme, offizielle Tourismusinformationen zu Teulada-Moraira und Torre del Cap d'Or; Berichterstattung zu Wohnungspolitik und Einwohnerzahlen Teulada-Moraira; Club Náutico de Moraira, offizielle Angaben zum Yachthafen; Ayuntamiento de Teulada-Moraira, offizielle Marktzeiten.
Der Autor
Alexander Gresbek lebt seit vielen Jahren an der spanischen Mittelmeerküste. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.
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