Altea an der Costa Blanca: weiße Altstadt, blaue Kuppel

Zwischen Benidorms Hochhäusern und dem Peñón d'Ifach vor Calpe schiebt sich ein Ort mit deutlich anderem Charakter in die Küstenlinie. Altea lebt von seiner Altstadt auf dem Hügel, den blau gekachelten Kirchenkuppeln und einer Kunstszene, die sich hier seit den 1950er Jahren angesiedelt hat. Was Sie erwartet, wo Sie sich Zeit sparen können, und was der Ort ehrlicherweise nicht bietet.

Alexander Gresbek (Text und Fotos)

Altea liegt an der Costa Blanca in der Provinz Alicante, rund 55 Kilometer nordöstlich der Stadt Alicante und knapp 10 Kilometer nördlich von Benidorm. Der Ort zählt laut spanischem Statistikinstitut INE etwa 24.590 Einwohner (Stand 2025), knapp 38 Prozent davon Ausländer, überwiegend aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden. 

Das Gemeindegebiet zieht sich von der Küste hinauf zur Sierra Bèrnia, deren Gipfel gut 1.100 Meter aufragen und den Ort im Norden abschirmen. Zwei Ortskerne bilden das eigentliche Altea: der Küstenteil rund um den Hafen und Altea la Vella, ein knapp einen Kilometer landeinwärts gelegener älterer Kern. 

Dazu kommen Wohnsiedlungen in den Hügeln, darunter die weithin sichtbare Anlage Altea Hills.

Die blaue Kuppel als Wahrzeichen

Das Bild, das man auf Postkarten sieht, stammt aus dem 20. Jahrhundert. Die Iglesia de Nuestra Señora del Consuelo wurde zwischen 1901 und 1910 nach Plänen der Brüder Adrián und Julio Vela Gadea auf den Fundamenten einer älteren Festungskirche errichtet. 

Die beiden Kuppeln sind mit blau glasierten Keramikziegeln gedeckt, die in Schuppenform verlegt sind. Der Anblick hat Altea den Beinamen „Cúpula del Mediterráneo“ eingebracht. Die Kirche steht am höchsten Punkt der Altstadt und ist von weiten Teilen der Umgebung sichtbar. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht. 

Zwischen Pfarrei und Stadtverwaltung besteht eine Vereinbarung, die den Zugang für Besucher an den meisten Tagen regelt, die konkreten Öffnungszeiten variieren aber saisonal. Wer die Kirche von innen sehen möchte, kommt tagsüber und prüft im Zweifel vorher die Angaben der Parroquia oder das Tourismusbüro.

Casco Antiguo und die Miradors

Der Weg hinauf zur Kirche führt durch das Casco Antiguo, ein Netz aus schmalen Kopfsteinpflastergassen mit weiß getünchten Häusern, Blumen und Kunsthandwerksläden. Am Ende liegt die Plaça de la Iglesia, ein kleiner Platz mit ein paar Cafés und Restaurants. 

Die eigentlichen Höhepunkte sind die Aussichtspunkte am Rand der Altstadt. Vom Mirador de la Plaça de la Iglesia sehen Sie an klaren Tagen bis zum Peñón d'Ifach vor Calpe, in die entgegengesetzte Richtung bis Benidorm und den Naturpark Serra Gelada. 

Nachts wirkt der Blick auf die beleuchtete Küstenlinie ruhiger, tagsüber ist der Andrang in der Hochsaison hoch. Wer die Altstadt in Ruhe sehen will, kommt früh am Morgen oder abends nach 19 Uhr.

Strände aus Kies statt Sand

Wer weichen Sand erwartet, wird enttäuscht. Die etwa sechs Kilometer lange Küste Alteas besteht überwiegend aus Kies und groben Steinen. Der Hauptstrand Playa de la Roda liegt direkt an der Promenade unterhalb der Altstadt und ist mit rund 1.400 Metern der längste. 

Nördlich davon schließen L'Olla und der graue Kiesstrand Cap Negret an, letzterer bekannt für seine dunklen Steine und ein ruhigeres Publikum. Südlich Richtung Albir liegen Cap Blanc und die kleinere Solsida, offiziell ein FKK-Strand. Vorteil der Steinstrände: klares Wasser, kein Sand in der Tasche. 

Nachteil: Badeschuhe sind faktisch Pflicht, und für lange Sonnentage mit Kindern eignen sich andere Küstenabschnitte besser. Wer weichen Sandstrand sucht, ist im nahen Albir oder in Benidorm richtiger aufgehoben.

Hafen, Fischer und moderne Promenade

Südlich des Zentrums liegt der Puerto de Altea mit dem Club Náutico und einem noch aktiven Fischereihafen. Die Flotte umfasst rund zwei Dutzend Trawler, der Fang wird in Alteas Lonja versteigert. Am Abend legen die Boote wieder an, und der Hafen wird ruhig. 

Die Promenade Paseo Marítimo zieht sich am Wasser entlang, gesäumt von Restaurants, Eisdielen und Bars mit Meerblick. Nördlich des Ortes, am Kap Mascarat, liegt der Yachthafen Puerto Deportivo Luis Campomanes, auch Marina Greenwich genannt, deren Anlage auf dem Nullmeridian liegt und eher gehobenes Publikum anzieht.

Kunst, Galerien und Bellas Artes

Alteas Ruf als Künstlerort geht auf die 1950er und 1960er Jahre zurück, als sich Maler und Schriftsteller im Ort niederließen. Diese Tradition setzt sich fort. Seit 1997 unterhält die Universität Miguel Hernández von Elche in Altea einen eigenen Campus mit der Fakultät für Bildende Künste. In der Altstadt finden Sie mehrere kleine Galerien, Ateliers und Kunsthandwerksläden, teilweise mit Werken lokaler Künstler zu moderaten Preisen. 

Der Palau Altea, ein Kulturzentrum unterhalb der Altstadt, zeigt Konzerte, Theater und Ausstellungen. Ehrliche Einordnung: Der Ort trägt seinen Ruf als Künstlerhochburg selbstbewusst, das tatsächliche Angebot in der Nebensaison ist überschaubar. Wer eine Kunstmetropole erwartet, wird enttäuscht sein. Wer bereit ist, in einzelne Galerien einzutreten, findet Interessantes.

Ausflüge in die Umgebung

Die Umgebung bietet mehrere lohnende Ziele. Die Fuentes del Algar bei Callosa d'En Sarrià liegen rund 18 Kilometer entfernt, Fahrzeit etwa 25 Minuten. Der Naturpark mit Wasserfällen und Badegumpen kostet 5 Euro Eintritt für Erwachsene, 4 Euro ermäßigt und 2 Euro für Kinder zwischen 4 und 10 Jahren. 

In der Hochsaison ist mit erheblichem Andrang zu rechnen, ein Besuch außerhalb der Ferienwochen lohnt sich mehr. Die Sierra Bèrnia im Hinterland ist ein beliebtes Wandergebiet, der klassische Rundweg mit dem Forat, einem natürlichen Felsdurchgang, ist mittelschwer und dauert etwa vier Stunden. Nach Benidorm sind es rund 10 Kilometer, nach Calpe gut 20.

Gastronomie und ehrliche Einordnung

Die Küche folgt der mediterranen Linie mit Fokus auf Reisgerichten, Fisch und Meeresfrüchten. Rund um die Plaça de la Iglesia arbeiten viele Lokale mit ausdrücklich touristischer Ausrichtung, die Qualität schwankt und die Preise liegen über dem Niveau vergleichbarer Orte im Landesinneren. 

Die interessanteren Adressen finden Sie eher am Hafen und in den Seitenstraßen jenseits des Kirchplatzes, wo auch Einheimische essen. Dienstagvormittag ist Markttag: In der Calle Filarmónica gibt es Obst, Gemüse und Kräuter, in Camí l'Algar Kleidung und Textilien.

Alteas Stärke ist die Kombination aus intakter Altstadt, blauer Kuppel und einer Küstenlinie ohne Hochhäuser. Die Schwäche sind die steinigen Strände und die im Sommer volle Altstadt. Wer eine Fotostrecke plant, kommt am besten am frühen Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang.

Quellen: Instituto Nacional de Estadística (INE), Padrón Municipal 2025; Comunitat Valenciana Turisme, offizielle Tourismusinformationen zu Altea; Parroquia Nuestra Señora del Consuelo (nuestrasenoradelconsuelo.wordpress.com); Universidad Miguel Hernández, Facultad de Bellas Artes de Altea; Fuentes del Algar, offizielle Website (lasfuentesdelalgar.com); Altea Cultural (alteacultural.com).

Der Autor

Alexander Gresbek lebt seit vielen Jahren an der spanischen Mittelmeerküste. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.

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