Alicante Sehenswürdigkeiten: Burg, Altstadt, Explanada

Alicante ist mehr als der Flughafen für die Costa Blanca. Die Provinzhauptstadt vereint eine der größten mittelalterlichen Festungen Europas, eine dicht bebaute Altstadt am Fels und eine der bekanntesten Promenaden Spaniens. Was Sie in ein bis zwei Tagen sehen sollten, was der Aufzug zur Burg kostet und wo sich der Umweg lohnt.

von Alexander Gresbek (Text und Fotos)

Alicante ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz an der Costa Blanca und mit 366.221 gemeldeten Einwohnern (Stand 1. Januar 2025, INE via BOE) die neuntgrößte Stadt Spaniens. Sie liegt rund 170 Kilometer südlich von Valencia und knapp 400 Kilometer südöstlich von Madrid. 

Das Stadtgebiet drängt sich zwischen dem Meer und dem 166 Meter hohen Monte Benacantil, dessen Silhouette die Skyline prägt. Anders als die Ferienorte weiter nördlich ist Alicante keine reine Urlaubsdestination, sondern eine Universitäts- und Verwaltungsstadt mit ganzjährigem Alltag. 

Hier sitzt unter anderem das EUIPO, das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum. Die Stadt lebt vom Zusammenspiel aus historischem Zentrum, einem der wichtigsten Häfen der spanischen Mittelmeerküste und einem Flughafen, der die gesamte Costa Blanca erschließt.

Castillo Santa Bárbara als Wahrzeichen

Das prägendste Bauwerk sitzt auf dem Gipfel des Benacantil. Das Castillo de Santa Bárbara zählt zu den größten mittelalterlichen Festungsanlagen Europas und geht in seinen ältesten Teilen auf das 9. Jahrhundert zurück, als die Mauren den Hügel befestigten. 

Am 4. Dezember 1248, dem Namenstag der Heiligen Barbara, eroberte der kastilische Infant Alfons die Anlage und gab ihr den heutigen Namen. Bis 1963 diente sie zeitweise als Gefängnis, seither ist sie öffentlich zugänglich. Der Eintritt zur Burg ist frei. 

Wer nicht zu Fuß hinaufsteigen will, nimmt den in den Fels geschlagenen Aufzug an der Avenida Juan Bautista Lafora, gegenüber dem Playa del Postiguet: 2,70 Euro einfach, kostenlos für Rentner mit Nachweis. 

Die Öffnungszeiten variieren saisonal, von 10 bis 18 Uhr im Winter, bis 20 Uhr in der Zwischensaison und bis 23 Uhr zwischen 17. Juni und 4. September. Vom Gipfel öffnet sich ein Rundblick auf Bucht, Hafen, Strände und Hinterland.

Altstadt und Barrio Santa Cruz

Am Nordhang des Benacantil klebt das Barrio de Santa Cruz, der älteste bewohnte Teil der Stadt. Enge Kopfsteinpflastergassen, weiß getünchte Häuser, blaue Fensterläden, Blumen an den Wänden. Das Casita de las Macetas Azules mit über tausend Blumentöpfen an der Fassade ist zum Fotomotiv geworden. Vom Viertel führen Treppenwege zur Ermita de Santa Cruz und weiter zum Castillo hinauf. 

Ehrliche Einordnung: In der Hochsaison ist das Viertel touristisch stark frequentiert, die Fotohäuser haben Wartezeiten. Wer die Ruhe sucht, kommt früh am Morgen oder am späten Nachmittag. Unterhalb schließt das Altstadtviertel El Barrio an, mit der Plaza del Ayuntamiento und dem barocken Rathaus von 1760, das kostenlos besichtigt werden kann.

Explanada und Hafen

Die Explanada de España ist die bekannteste Promenade der Stadt und mit gutem Grund viel fotografiert. Auf gut 500 Metern zieht sich ein Wellenmuster aus über sechs Millionen roten, weißen und blauen Marmormosaiken parallel zum Hafen. 

Vier Reihen Palmen spenden Schatten, dazwischen liegen Cafés, Kioske und Kunsthandwerksstände. Auf der einen Seite die Fassaden der Casa Carbonell und der historischen Casino- und Bankgebäude, auf der anderen der Yachthafen mit rund 800 Liegeplätzen. Die Explanada ist nachts belebt, tagsüber führt sie direkt zum Playa del Postiguet.

Concatedral und Basílica Santa María

Zwei religiöse Bauten prägen die Altstadt. Die Basílica de Santa María ist die älteste Kirche Alicantes, im 14. Jahrhundert auf dem Fundament der Hauptmoschee errichtet. Sie zeigt katalanisch-gotische Formen, ein barockes Prunkportal aus dem 18. Jahrhundert und einen vergoldeten Hauptaltar. 

Wenige Straßen weiter steht die Concatedral de San Nicolás de Bari, zwischen 1616 und 1662 im Stil der spanischen Spätrenaissance errichtet, ebenfalls auf einem ehemaligen Moscheegrund. Der Kreuzgang mit valencianisch-gotischen Elementen und die schlichte Innenraumgestaltung heben sich vom barocken Überschwang anderer Kirchen ab. Der Eintritt ist in beiden Fällen frei, Spenden sind erwünscht.

MARQ und weitere Museen

Das Archäologische Museum der Provinz (MARQ) liegt am Rand der Altstadt und gilt als eines der modernsten Museen seiner Art in Spanien. 2004 wurde es als Europäisches Museum des Jahres ausgezeichnet. 

Die Dauerausstellung führt von der Vorgeschichte über die iberische und römische Zeit bis ins Mittelalter, ergänzt durch drei methodische Säle zu Feld-, Stadt- und Unterwasserarchäologie. Die Dama de Cabezo Lucero, eine iberische Statue, ist das prominenteste Stück. 

Der Eintritt kostet 3 Euro regulär, 1,50 Euro ermäßigt, sonntags kostenlos. Öffnungszeiten laut offizieller Website: Dienstag bis Samstag 9 bis 19 Uhr, Sonntag und Feiertage 10 bis 14 Uhr, Montag 9 bis 14 Uhr. Weitere lohnende Adressen sind das MACA (Museum für zeitgenössische Kunst) mit Werken von Picasso, Miró und Dalí sowie das MUBAG, das Museum der Schönen Künste im Palacio Gravina.

Strände von Postiguet bis San Juan

Alicantes Küste bietet mehrere Sandstrände, die durchgängig die Blaue Flagge tragen. Der Playa del Postiguet liegt direkt unter dem Castillo, rund 900 Meter lang, feiner Sand, ruhiges Wasser und alle Serviceeinrichtungen. Er ist der Stadtstrand schlechthin und in der Hauptsaison entsprechend voll. 

Nördlich davon, in der Bucht der Albufereta, folgt ein ruhigerer Strand mit Wohncharakter. Der bekannteste Strand der Umgebung ist der Playa de San Juan, ein rund sieben Kilometer langer Sandstrand, der sich bis nach El Campello zieht. Er ist mit der TRAM-Linie L1 direkt aus dem Zentrum in gut einer Viertelstunde erreichbar. 

Wer Buchten sucht, fährt zum Cabo de las Huertas: felsige Calas mit klarem Wasser, gutes Schnorchelrevier, weniger Betrieb als die großen Sandstrände.

Ausflüge nach Tabarca und Umgebung

Vom Hafen fahren in der Saison regelmäßig Ausflugsboote zur Isla de Tabarca, der einzigen bewohnten Insel der Comunitat Valenciana. Sie ist etwa 1,8 Kilometer lang, in der Hochsaison überlaufen, außerhalb ruhig, mit einem Meeresschutzgebiet für Schnorchler. 

Auf dem Festland lohnen Elche mit seinem Palmenhain (UNESCO-Weltkulturerbe) und dem Misteri d'Elx, Villena mit dem Castell Atalaya oder Guadalest im Hinterland. Die Fuentes del Algar bei Callosa d'En Sarrià sind knapp eine Stunde entfernt, ebenso Altea, Benidorm und Calpe an der Küste. Die TRAM-Linie L9 verbindet Alicante ohne Umsteigen mit Dénia im Norden, Fahrzeit rund zweieinhalb Stunden.

Gastronomie und Feste

Alicante ist eine Reisstadt. Arroz a banda, Arroz del señoret, Arroz negro und Paella gehören zum Standardrepertoire, dazu Fisch aus dem Golf von Alicante und Meeresfrüchte. Die Turrones aus dem Hinterland (Jijona, Alicante) sind seit dem 15. Jahrhundert dokumentiert und tragen heute eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Für Tapas ist die Zona del Barrio rund um die Kathedrale und die Calle Castaños die beste Adresse, für gehobene Küche der Hafenbereich. 

Das größte Fest sind die Hogueras de Sant Joan (Fogueres de Sant Joan) vom 20. bis 24. Juni: mehr als 90 große Holz- und Kartonskulpturen werden in den Straßen aufgebaut und in der Nacht des 24. Juni verbrannt. Dazu Mascletàs auf der Plaza de los Luceros, Feuerwerk am Strand und Straßenumzüge. Die Semana Santa ist bedeutend, wenn auch weniger monumental als in Andalusien.

Ehrliche Einordnung

Alicantes Stärke ist die Kombination aus einer echten spanischen Provinzhauptstadt, einer der besterhaltenen Küstenfestungen des Landes und einer Küstenlinie, die ohne Auto erreichbar bleibt. Die Schwäche ist die Konzentration der Sehenswürdigkeiten auf ein kompaktes Zentrum: Zwei ausgefüllte Tage reichen für Burg, Altstadt, Explanada, MARQ und Postiguet-Strand aus, wer länger bleibt, sollte in die Provinz oder an die nördliche Costa Blanca weiterreisen. Preise für Restaurants und Hotels liegen unter dem Niveau von Valencia oder Barcelona. Die Stadt eignet sich als Basis für Erkundungen der gesamten Costa Blanca, dank direkter TRAM-Verbindungen bis Dénia und dichter Busanbindung ins Hinterland.

Quellen: Instituto Nacional de Estadística (INE), Padrón Municipal 2025 (via Real Decreto 1117/2025 im BOE und Ayuntamiento de Alicante); offizielle Website Castillo de Santa Bárbara (castillodesantabarbara.com); offizielle Website MARQ Alicante (marqalicante.com); Ayuntamiento de Alicante, Turismo Alicante (alicanteturismo.com); Comunitat Valenciana Turisme; Wikipedia (deutsch, spanisch), Einträge zu Alicante, Castillo Santa Bárbara, Concatedral San Nicolás, Basílica Santa María, Hogueras de San Juan; Subus Alicante, Alsa und Renfe für Verkehrsangaben.

Der Autor

Alexander Gresbek lebt seit vielen Jahren an der spanischen Mittelmeerküste. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.

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