Mobil ohne eigenes Auto an der Costa Blanca
Taxi, Uber, Bolt, Cabify und BlaBlaCar im Praxisvergleich: Wer an der Costa Blanca ohne eigenes Auto unterwegs ist, kennt das Problem: Busse fahren selten, Trams bedienen nur bestimmte Korridore, und Taxen sind oft Mangelware. Gleichzeitig drängen App-Fahrdienste wie Uber, Bolt und Cabify in die Lücke. Was die Anbieter tatsächlich leisten, was sie kosten und wo das Taxi am Ende die bessere Wahl bleibt.
von Alexander Gresbek (Text und Illustrationen)
Costa Blanca - Ein System an seiner Kapazitätsgrenze. Fast 19 Millionen Fahrgastfahrten legten die sechs Linien des TRAM d’Alacant im Jahr 2025 zurück. Das klingt nach einem funktionierenden Nahverkehr.
Der Haken: Das Netz verbindet vor allem Alicante mit dem Nordkorridor der Küste, von Luceros bis Benidorm und Altea und weiter bis Dénia.
Wer dagegen von Orihuela nach Torrevieja, von Javea ins Hinterland oder von Guardamar ans Meer will, steht vor einem anderen Problem: kaum Verbindungen, unzuverlässige Taktfolgen, Haltestellen weit außerhalb der Ortskerne.
Das Fahrrad scheidet in den meisten Teilen der Costa Blanca als ernsthafte Option aus: Radwege fehlen, Steigungen sind steil, und im Sommer macht die Hitze lange Strecken zu einer Zumutung. Bleibt das Taxi. Und auch das ist in vielen Gemeinden chronisch knapp.
Zu wenige Taxen, zu teure Lizenzen
In Spanien gilt als grober Richtwert ein Taxi pro 1.000 Einwohner. Dénia verfügt derzeit über 29 zugelassene Taxen für gut 50.000 Einwohner, im Sommer schwänkt die Einwohnerzahl auf bis zu 180.000. Das Rathaus hat sechs zusätzliche Lizenzen ausgeschrieben, damit kommt man auf 35. Für den Hochsommermonat immer noch deutlich zu wenig.
In Orihuela liegt das Verhältnis noch schlechter: 40 Taxen für eine Gemeinde, für die laut Richtwert knapp 90 Fahrzeuge ideal wären. Am Einkaufszentrum La Zenia kommt es in der Hochsaison regelmäßig zu Warteschlangen in der Hitze, und auch am Flughafen Alicante häufen sich Beschwerden über fehlende Fahrzeuge.
Das Problem hat strukturelle Gründe. In Spanien vergibt jedes Rathaus eine feste Zahl von Taxilizenzen im Bewerbungsverfahren, die Tarife werden kommunal festgelegt. Niemand kann einfach ein Auto kaufen und als Taxifahrer anfangen. In Orihuela ist aus diesem System bereits ein Markt geworden: Eine legale Konzession wechselt unter der Hand für bis zu 195.000 Euro den Besitzer.
Uber: bekannt, teuer, nicht überall verlässlich
Uber hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend in der Provinz Alicante ausgebreitet. In der Landeshauptstadt ist der Dienst längst präsent, ebenso in Benidorm, Villajoyosa, Altea und Torrevieja. In Dénia wurden die ersten schwarzen Uber-Fahrzeuge erst kürzlich gesichtet, das Rathaus prüft noch, ob die benötigte VTC-Genehmigung vorliegt.
Über die Verfolgbarkeit in Echtzeit, feste Vorabpreise und bargeldlose Zahlung per Kreditkarte oder PayPal ist Uber für viele komfortabler als das klassische Taxi.
Ein Vorteil mit Grenzen: Wer spontan eine Fahrt bucht und sofort abgeholt werden will, bekommt nur eine Zusage, wenn ein Fahrer die Strecke annimmt. In weniger dicht bedienten Gebieten kann das scheitern. Wer planen kann, reserviert Uber besser im Voraus.
Bei den Preisen gilt Uber nicht als günstig. Einige Beispielrouten laut Website (Preise variieren je nach Nachfrage): Dénia nach Ondara rund 30 Euro, La Mata nach Guardamar 25 Euro, Altea nach L’Alfàs del Pi 20 Euro, Dénia nach Calp 70 Euro.
Besonders ins Gewicht fallen die Flughafentransfers: Für die Fahrt vom Flughafen Alicante nach Benidorm berechnet Uber 106 Euro, nach Dénia 170 Euro. Hier ist das klassische Taxi klar im Vorteil.
Taxi am Flughafen: Festpreise schlagen App-Tarife
Am Aeropuerto Alicante-Elche sind zwei Taxiunternehmen zugelassen: Radio Taxi Elche und Servitaxi Elche. Beide bieten Festpreise für die wichtigsten Ferienorte an. Radio Taxi berechnet für die Fahrt nach Benidorm 83 Euro, nach Calp 110 Euro, nach Torrevieja 65 Euro, nach Dénia 140 Euro.
Servitaxi ist geringfügig teurer, aber immer noch deutlich unter den Uber-Preisen. Die genaue Zieladresse kann den Endpreis leicht verändern.
Für Passagiere mit Flugnummer funktioniert Uber am Flughafen komfortabel: Fahrer überwachen in Echtzeit eventuelle Verspätungen, und nach der Landung gibt der Passagier in der App seine Ankunft bekannt, um zum Treffpunkt geleitet zu werden. Für den reinen Preis bleibt Radio Taxi die bessere Wahl.
Bolt: günstiger, aber kleiner
Der estnische Anbieter Bolt ist in Spanien vor allem in den Großstädten und an Flughäfen vertreten, in Barcelona, Madrid, Málaga, Sevilla und Saragossa. An der Costa Blanca deckt Bolt noch kein flächendeckendes Netz ab, Fahrten im ländlichen Bereich sind aber per App mit Vorlauf buchbar.
Der entscheidende Vorteil: Bolt ist deutlich günstiger als Uber. Dénia nach Ondara kostet laut App rund 15 Euro statt 30 bei Uber, La Mata nach Guardamar 14 Euro, Altea nach L’Alfàs del Pi 11 Euro, Dénia nach Calp 40 Euro statt 70. Bei Flughafenfahrten schlägt Bolt sogar die Taxen: nach Benidorm 66 Euro, nach Calp 89 Euro, nach Torrevieja 53 Euro. Dazu kommen 20 Prozent Rabatt auf die ersten zwei Fahrten für Neukunden.
Bolt bietet in größeren Städten zusätzlich E-Roller-Verleih, Essenslieferung und Einkaufszustellung über dieselbe App an.
Cabify: spanische Lösung mit engem Radius
Cabify wurde 2011 in Madrid gegründet und ist das einzige der drei großen VTC-Unternehmen mit spanischen Wurzeln. An der Costa Blanca operiert Cabify in Alicante, Valencia und Murcia, jeweils inklusive Flughafenanbindung. Kleinere Küstenorte liegen bisher außerhalb des Einzugsgebiets.
Ein Alleinstellungsmerkmal: Über die Cabify-App kann man nicht nur einen VTC buchen, sondern auch ein herkömmliches Taxi ordern. Cabify bietet außerdem einen umfangreicheren Lieferdienst als Uber an, inklusive Paketdienst. Für Urlauber an der Costa Blanca, die außerhalb von Alicante-Stadt unterwegs sind, ist Cabify in der Praxis aber kaum relevant.
Free Now: Taxi per App
Wer das Taxi bevorzugt, aber keine Lust hat, die richtige Nummer zu suchen oder lange auf ein freies Fahrzeug zu warten, kann Free Now nutzen. Die App zeigt den voraussichtlichen Preis im Voraus an, abgerechnet wird am Ende der tatsächliche Taxameter-Stand.
Free Now ist derzeit nur in Alicante und Umgebung verfügbar, nicht in den Ferienorten weiter nördlich oder südlich.
Rechtlich ist der Unterschied klar: Free Now vermittelt lizenzierte Taxen, keine VTCs. Das heißt behindlich geregelte Tarife, aber auch volle rechtliche Absicherung und keine Preisschwankungen durch Nachfragespitzen.
BlaBlaCar: die billigste Option für lange Strecken
Für längere Strecken, die kein Taxi und kein VTC wirtschaftlich fahren würde, ist BlaBlaCar eine überraschend praktische Alternative. Das französische Unternehmen vermittelt Mitfahrten: Autofahrer, die ohnehin von A nach B fahren, bieten freie Plätze zu einem selbst gewählten Preis an, Mitfahrende buchen per App.
Die Preise liegen weit unter allem, was Taxi oder VTC verlangen. Dénia nach Alicante kostet bei BlaBlaCar rund 8,50 Euro, Dénia nach Madrid rund 23 Euro. Die Einschränkung: Man ist auf verfügbare Angebote angewiesen, muss Abfahrtszeit und -ort des Fahrers akzeptieren und kommt in aller Regel nicht bis vor die Haustür.
Mittlerweile vermittelt BlaBlaCar auch Busfahrten, was die Streckenabdeckung deutlich erhöht.
Der Autor
Alexander Gresbek lebt seit vielen Jahren an der spanischen Mittelmeerküste. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.
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