Für manche für die Füße: Kilometerstein Null in Madrid

Der Kilometerstein Null (spanisch Kilómetro Cero) auf Madrids Hauptplatz Puerta del Sol dient der Vermessung Spaniens, ist europaweit nicht besonders originell und für Selfies völlig ungeeignet. Ein Hingucker ist er trotzdem.

Von Tobias Büscher (Text und Fotos)

Er liegt an der Puerta del Sol direkt vor dem historischen Postamt Real Casa de Correos. Von dort aus messen die Spanier alle Entfernungen entlang der Nationalstraßen des Landes, die sternenförmig zu den verschiedenen Regionen verlaufen, ob nach Andalusien, Valencia oder Kantabrien.

Doch ganz originell ist das nicht, ähnliche Nullpunkte gibt es auch in Paris, in Budapest und sehr lange schon in Rom (siehe unten).

Seit 1560 ist Madrid Hauptstadt, wobei die Idee zum Vermessen erst 300 Jahre später aufkam, konkret im Jahr 1856 unter dem Bourbonenkönig Felipe V. Fortan war der Stein der Ursprungspunkt für die Vermessung Spaniens. Sein heutiges Aussehen bekam die Zierde am Boden aber erst im Jahr 2009 (siehe Foto).

Nicht alle Entfernungen werden ab Km 0 in Madrid vermessen

Die Autobahnstraßen (A, gebührenpflichtig AP) sind Teil des Vermessungsprinzips, nicht aber Ringautobahnen und unabhängige regionale Verbindungen. A 1 ist dabei die historisch wichtigste Verbindung zwischen Madrid und dem nördlichen Baskenland. Insgesamt umfasst das Autobahnnetz 17.000 Kilometer, etwa ein Drittel davon sind gebührenpflichtig.

Ein Stein als Zeuge an Silvester

Der Kilometerstein regelt aber nicht nur Entfernungen. Im Mittelpunkt im wahrsten Sinne des Wortes steht er auch an Sylvester, wenn alle Kameras Spaniens auf die Uhr des alten Postamts über ihm gerichtet sind. Der dortige Gongschlag ist legendär.

Denn zu jedem der zwölf Schläge schlucken die Spanier je eine weiße Weintraube. Das bringt Glück für das neue Jahr.

Die Puerta del Sol hat zwar noch andere Symbole, darunter ein historisches Werbeschild für Sherry sowie die Gusseisen-Statue Bär am Erdbeerbaum. Doch der Stein ist berühmter und steht symbolisch sogar für einen städtebaulichen Skandal. 

Während in Vigo beispielsweise ein Aufzug den Bewohnern hilft, bietet Madrid an der Puerta del Sol (wörtlich Sonnentor) noch nicht einmal Schatten! Das ist in der sommerlichen Gluthitze eine Zumutung, und das improvisierte kleine Sonnensegel sorgte im August 2026 für Häme in den „sozialen Medien“.

"Ich bin ich und meine Umgebung"

A propos Social Media: Madrid ist für Selbstknipser natürlich keine Ausnahme. Auch dort laufen die Besucher mit dem Handy durch die Gassen und filmen und fotografieren sich vor den wichtigsten „Sehenswürdigkeiten“, ob Königspalast, Cervantes-Denkmal oder Cibeles-Brunnen. Ganz frei nach dem Spruch des spanischen Philosophen Ortega y Gasset: “Ich bin ich und meine Umgebung”.

Nur der Stein am Boden taugt dazu nicht. Und so ist dort ausnahmsweise mal nicht das eigene Gesicht im Fokus, sondern die Füße.

Alle Wege führen nach  …  Rom

Ähnliche Vermessungssteine gibt es noch in einigen anderen europäischen Hauptstädten. In Brüssel befindet sich der Nullpunkt vor dem Rathaus, in Budapest steht die Null an der Kettenbrücke, in Paris vor Notre-Dame. Und in Rom verweist der antike Milliarium Aureum auf die römische Idee eines imperialen Straßenzentrums. Entsprechend hat sich der Slogan Alle Wege führen nach Rom schon früh durchgesetzt.

Was aber ist nun die Erkenntnis bezüglich dieses Steins? Er ist eine Machtdemonstration der Hauptstadt, um die Entfernungen zu bestimmen. So sehen das jedenfalls die Katalanen, die ihr Barcelona für den Nabel der Welt halten. Für die Madrilenen ist sie dagegen nur eine Stadt im Osten des Landes. Entfernung: 621 Kilometer.

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Kommentare :

  • user
    Anton 05/09/2026 um 16:58
    Da habe ich auch schon drauf gestanden. Guter Beitrag