
Ribadavia in Galicien: Geschichte, jüdisches Erbe und Wein
Ribadavia liegt in der Provinz Ourense im Südwesten Galiciens, am Zusammenfluss von Avia und Miño. Die Kleinstadt ist Hauptstadt der Weinregion O Ribeiro und einer der stimmungsvollsten historischen Orte Galiciens: mittelalterliche Gassen, ein bedeutendes jüdisches Viertel, die Ruinen der Burg der Grafen von Ribadavia, romanische Kirchen und ein beachtliche Feste prägen den Besuch.
von Tobias Büscher (Text und Fotos)
Ribadavia war im Mittelalter elf Jahre lang Sitz des Königs García I. Viel kürzer geht nicht, dafür ist die Stadt nahe Portugal über Jahrhunderte zur Handelsstadt gereift. Vor allem der Weinhandel spielt dabei bis heute eine Rolle.
Der Ribeiro-Weißwein machte die Stadt wohlhabend und europaweit bekannt, schon im Mittelalter. Das historische Zentrum hat der spanische Staat 1947 als schützenswertes kunsthistorisches Ensemble eingestuft.
Juden in Ribadavia
Das jüdische Viertel von Ribadavia, die Xudería, gilt als wichtigstes in Nordwestspanien. Es konzentriert sich rund um die Praza da Magdalena und die angrenzenden Gassen. Jüdische Familien waren Händler, Handwerker und Winzer, bis die Katholischen Könige ein folgenschweres Dekret erließen.
1492 ordneten sie die Vertreibung der Juden aus Spanien an und durch die Inquisition verlor die Gemeinde ihre offene Präsenz. Viele Spuren blieben jedoch im Stadtbild, in Ortsnamen, Gebäuden und auch in Sachen Kochkunst.
Ein guter Ausgangspunkt ist das Centro de Información Xudía de Galicia. Dort werden Geschichte, Alltagsleben, Bräuche und Konflikte der jüdischen Bevölkerung Galiciens erklärt.
Ein Spaziergang führt anschließend durch die Rua Xudería, die Umgebung der Praza Maior, das Haus der Inquisition (Casa da Inquisición) und Teile der mittelalterlichen Stadtmauer.
Sehenswürdigkeiten von Burg bis Altstadt
• Castelo dos Condes de Ribadavia: Burguine der Grafenburg, Wahrzeichen der Stadt und schöner Aussichtspunkt.
• Barrio Xudío / Xudería: mittelalterliches jüdisches Viertel mit engen Gassen, Plätzen und Häusern mit historischem Charakter.
• Centro de Información Xudía de Galicia: Informationszentrum zum jüdischen Erbe Galiciens.
• Museo Etnolóxico: Museum zur galicischen Alltagskultur mit Bezügen zu Weinbau und regionaler Geschichte, untergebracht in der Villa Baamonde. Vor allem die alten Schwarzweißfotos sind beachtlich.
• Kirche Santiago: romanische Kirche nahe dem jüdischen Viertel.
• Convento de Santo Domingo: bedeutendes Klosterensemble und Teil des historischen Stadtbilds.
• San Xes de Francelos: frühromanische Kirche in der Umgebung, lohnend für Liebhaber früher Sakralarchitektur.
• Weinlandschaft O Ribeiro: Terrassen, Bodegas und Aussichtspunkte rund um Ribadavia.
Öffnungszeiten und Preise
Die wichtigsten Besuche lassen sich meist über die Touristeninformation an der Plaza Mayor 7 organisieren. Als Richtwert gelten dort saisonabhängige Öffnungszeiten von Montag bis Freitag etwa 10–14 Uhr, samstags etwa 10–14 und 16–19 Uhr sowie sonntags etwa 10:30–14:30 Uhr.
Für das Castelo de Ribadavia und das Centro de Información Xudía de Galicia sollte man jeweils mit rund 3,50 € Eintritt rechnen; Kinder unter 16 Jahren sind in Begleitung häufig frei.
Geführte Rundgänge durch die Xudería kosten je nach Anbieter meist etwa 5–10 € und dauern ungefähr anderthalb bis zwei Stunden. Das Museo Etnolóxico ist häufig kostenlos zugänglich, dennoch empfiehlt sich auch hier ein kurzer Check der aktuellen Zeiten vor Ort, da Öffnungszeiten in Galicien je nach Saison, Feiertagen und Personalstand wechseln können.
Anreise
• Mit dem Auto: Ribadavia liegt günstig zwischen Ourense, Vigo und Santiago de Compostela. Von Ourense dauert die Fahrt etwa 25–35 Minuten, von Vigo etwa 45–60 Minuten.
• Mit dem Zug: Ribadavia besitzt einen Bahnhof mit regionalen Verbindungen; besonders praktisch ist die Strecke über Ourense.
• Mit dem Bus: Regionale Buslinien verbinden Ribadavia mit Orten in Ourense und der Weinregion O Ribeiro.
• Zu Fuß oder mit dem Rad: Ribadavia eignet sich als Etappe für Kultur- und Weinrouten; für Pilger ist die Verbindung zum Jakobsweg besonders interessant.
Jakobsweg und Ausflüge ab Ribadavia
Ribadavia liegt nicht auf dem klassischen Hauptstrang des Camino Francés, ist aber historisch mit mittelalterlichen Pilger-, Handels- und Weinwegen verbunden.
Besonders wichtig war der sogenannte Weinweg nach Compostela und Pontevedra: Ribeiro-Wein wurde über diese Routen transportiert und trug zum Wohlstand der Stadt bei. Wer den Camino Sanabrés oder Wege durch Ourense geht, kann Ribadavia als lohnenden Abstecher einplanen.
Ausflüge rund um Ribadavia
Ribadavia eignet sich gut als Station einer Rundreise durch Südgalicien. Das Spanien-Reisemagazin beschreibt eine Route von Santiago de Compostela über die Rías Baixas, A Guarda, den Miño und Ourense bis nach Ribadavia; der Artikel „Rundreise durch den Süden von Galicien“ nennt Ribadavia ausdrücklich als Altstadt-Highlight der Tour.
Naheliegend ist ein Tagesausflug nach Ourense, der Provinzhauptstadt mit Altstadt, Kathedrale und heißen Thermalquellen. Einen deutschsprachigen Überblick bietet das Spanien-Reisemagazin im Beitrag Ourense, Stadt in Galicien
Wer mehr Zeit hat, kombiniert Ribadavia mit Santiago de Compostela, Pontevedra, Cambados, O Grove oder A Guarda. Für die Einordnung der Region empfiehlt sich der Galicien-Guide des Spanien-Reisemagazins
Für Pilger und Wanderer lohnt zusätzlich der Blick auf die Jakobsweg-Artikel des Spanien-Reisemagazins. Sie helfen, Ribadavia als Abstecher vom galicischen Hinterland oder als kulturelle Ergänzung zu Santiago einzuordnen.
Feste und Veranstaltungen


• Festa da Istoria: großes mittelalterliches Fest am letzten Samstag im August; 2026 ist es für den 28.–30. August angekündigt. Die Altstadt verwandelt sich in eine mittelalterliche Bühne mit Markt, Musik, Handwerk, jüdischer Hochzeit, Turnieren und historischer Währung, dem Maravedí.
• Feira do Viño do Ribeiro: Weinmesse zu Ehren der D.O. Ribeiro, ein zentraler Termin für Weinfreunde.
• Kultur- und Theaterveranstaltungen: Ribadavia ist für Sommerprogramme, Musik und historische Inszenierungen bekannt.
Gastronomie
Ribadavias Gastronomie lebt vom Ribeiro-Wein, galicischer Hausküche und sefardischen Einflüssen. Typisch sind Weißweine aus Treixadura, Albariño, Godello oder Loureira, dazu Pulpo, Empanada, Lacón, Käse, Fleischgerichte und Flussfisch.
Besonders reizvoll sind die sefardischen Süßwaren: In der Tahona de Herminia werden Gebäckstücke angeboten, die an jüdisch-sefardische Backtraditionen erinnern.
Praktische Tipps
• Die Altstadt am besten zu Fuß erkunden; viele Gassen sind eng und steil.
• Für Burg, jüdisches Informationszentrum und Führungen vorab bei der Touristeninformation nach aktuellen Zeiten fragen.
• Für die Festa da Istoria früh Unterkunft buchen.
• Weinproben in Bodegas rechtzeitig reservieren.
• Im Sommer an Sonnenschutz denken: Das Ribeiro-Tal kann deutlich wärmer sein als die galicische Küste.
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