Spaniens Burgen: Castillo de Monterrei

Geht doch: Nordwestspaniens größte Burganlage mit bislang nur 12 Parador-Zimmern steht vor der Wiedereröffnung. Der Umbau für 14 Millionen Euro hat viele Münzen, Keramikscherben und Kanonenkugeln hervorgebracht. Seit diesem Jahr widmet sich sogar ein Spielfilm der Burg und ihrer Umgebung. Der Titel des Regisseurs aus Galicien: Tralovento.

Von Tobias Büscher (Text und Fotos)

Das Castelo de Monterrei (wörtlich Burg Königsberg) liegt auf einem Höhenzug über dem Támega-Tal nahe der Kleinstadt Verín in der galicischen Provinz Ourense nur knapp 30 Kilometer von der Grenze zu Portugal entfernt.

Es ist eine über Jahrhunderte gewachsene Festungs- und Palastanlage mit drei Mauerringen, Kirchen-, Verwaltungs-, Militär- und Wohnbauten. Sie gilt den Galicien als „größte befestigte Akropolis der Region“.

Umbauarbeiten, Kosten und Neueröffnung

Da die Anlage vor sich hin bröckelte, entschied sich die galicischen Xunta-Regierung im Jahr 2023 für einen Umbau. Regierungschef Alfonso Rueda sprach von massiver Unterstützung durch die EU und die Lokalregierung in Zusammenhang mit dem sogenannten Plan Xacobeo Next Generation.

Konkret heißt das: Die 20.000 Quadratmeter Gebäude- und Freiflächen benötigten für die Sanierung 14,5 Millionen Euro. Der Plan war ehrgeizig: 

Die ehemaligen Kasernen, das einstige Rathaus und das Colegio de San Xoán sollten genauso saniert werden wie der  Wehrturm Torre de San Francisco, die Wachgebäude und das Besucherzentrum, dazu die Plätze Mercado und Armas, das Nord- und Südtor sowie die Zugangswege.

Wasser- und Stromleitungen waren veraltet und die Anlage mit nur wenigen Parador-Zimmern viel zu klein.

Die Arbeiten brachten Münzen aus verschiedenen Epochen hervor, Keramikfragmente, historische Pflasterschichten, in den Mauern steckende Kanonenkugeln sowie außerhalb der Anlage eine in den Fels gehauene Weinpresse.

Frühere Sondierungen hatten außerdem Keramik und Getreidekörner aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. aus der Zeit der Kelten erbracht. Die Gesamtzahl der Funde ist noch nicht bekannt, der Name des Museums ist auch noch offen.

Anders als geplant waren die Bauarbeiten in der zweiten Hälfte 2026 noch nicht abgeschlossen (siehe Foto), doch das Ende der Bauarbeiten naht.

Bislang war die Burg ein vergleichbar kleiner Parador mit nur 12 Zimmer im Grafenpalast und im Pfarrhaus (Casa Rectoral).

Den Betreibern ist allerdings klar: Eine Erweiterung lockt vor allem Spanier selbst an, auf der Reiseroute der Touristen taucht die entlegene Burg bislang kaum auf.

Bergfried und Burg

Die Anlage, im Jahr 950 erstmals erwähnt, ist wie so häufig hier auf einer ehemaligen Keltensiedlung errichtet worden, was gefundene Mauerreste, Keramik und Getreidekörner belegen. Im 12. und 13. Jahrhundert führte ein Streit zwischen Spanien und Portugal zu einem Baustopp, im 14 Jahrhundert war sie stark umkämpft.

Sancho Sánchez de Ulloa ließ 1482 den großen Bergfried errichten. Der Renaissancepalast der Grafen und die Torre das Damas machten den Komplex zugleich zur Residenz. 1494 wurde hier erstmals in Galicien das 230 Seiten dicke Buch Misal Auriense gedruckt.

Im 17.  und 18. Jahrhundert kamen weitere Wehranlagen hinzu und  während der Napoleonischen Kriege diente Monterrei 1809 als Hauptquartier spanischer Truppen und 1931, kurz vor dem Spanischen Bürgerkrieg, erhielt die Anlage Denkmalschutz.

Baudaten und Vergleich zu anderen spanischen Burgen

Baudaten und Maße. Das Verteidigungssystem besteht aus drei befestigten Ringen: einem mittelalterlichen Kern, neuzeitlichen Bastionen und einem äußeren Verteidigungswerk. Der 1482 errichtete, quadratische Hauptturm Torre del Homenaje beziehungsweise Torre de Don Sancho ist 22 Meter hoch. Die vermutlich ältere Torre das Damas erreicht etwa 19 Meter. Die gegenwärtigen Arbeiten betreffen mehr als 20.000 Quadratmeter.

Die Anlage unterscheidet sich deutlich von Burgen, deren Wirkung vor allem auf einem einzelnen hohen Bergfried beruht. Der Bergfried von Belalcázar in Andalusien erreicht rund 47 Meter und gilt als der höchste Spaniens; Monterreis Hauptturm ist mit etwa 22 Metern deutlich niedriger. Dafür hat Monterrei als großräumiger Festungsort mit drei Mauerringen, Palast, Kirche sowie Militär- und Versorgungsbauten mehr Funktionen. 

Das Castillo de Bellver auf Mallorca ist ein kompakter gotischer Rundbau mit klarer geometrischer Gesamtform, während Monterrei durch zahlreiche Bauphasen eher ein Stilmix ist. 

Auch gegenüber dem Castillo de Coca in Kastilien und León setzt Monterrei andere Akzente: Coca ist für seine spätgotisch-mudéjare Ziegelarchitektur und die konzentrierte Kernburg bekannt, Monterrei dagegen wirkt wie eine befestigte Höhenstadt aus Granit und Bruchstein. Das Castillo de Loarre in Aragón besitzt einen geschlossenen romanischen Kern; Monterrei ist stärker von späteren Epochen, geprägt vom Übergang von der mittelalterlichen Burg zur frühneuzeitlichen Artilleriefestung.

Einordnung: Monterrei gehört wegen seiner drei Befestigungsringe und der Verbindung von Burg, Palast, Kirche, Siedlungs- und Militärbauten zu den ausgedehntesten und komplexesten Anlagen Galiciens.

Monterrei als Filmkulisse

Der neueste Spielfilm (2026) mit unmittelbarem Bezug zur Burg ist „Tralovento“ des galicischen Regisseur Eloy Domínguez Serén, gedreht in Monterrei, Verín, Cualedro, der Karnevalshochburg Laza und Vilardevós.

Die Story: Ana erbt von ihrem Vater in ihrem Heimatdorf ein ausgebranntes Haus und eine abgehalfterte  Autowerkstatt. Die Hauptrolle spielt, begleitet von Xosé Barato und Gonzalo Uriarte, die aus Lugo stammende Schauspielerin Melania Cruz.

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