Via Mariana: portugiesisch-galicischer Pilgerweg

Muxia statt Santiago de Compostela: Der Weg ist das Ziel

Die Via Mariana Luso-Galaica ist ein rund 380 Kilometer langer Pilgerweg von Braga in Nordportugal bis Muxia an der nordwestspanischen Costa da Morte (Todesküste) in Galicien. Erst vor wenigen Jahren entstand diese Pilgerroute. Ein klassischer Jakobsweg ist das nicht, aber ein spannender, weil kaum bekannt.

Von Tobias Büscher (Text und Fotos)

Kann mir mal jemand den Rummel um den Jakobsweg erklären? Bitte? Heiliges Jahr, Jakobsmuscheln, Buen Camino, Hape, Apostel, Selbstfindung: Bla bla bla.

Es gibt eine Alternative. Und was für eine. Die Via Mariana ist ein Highlight im Vergleich zum klassischen Camino Francés, dem Englischen- und Portugiesischen Weg, dem Silberweg, dem Via Künig und wie sie nicht alle heißen. 

Dazu muss man weder an Maria noch an den Heiland glauben. Sondern die Baukunst und Tradition früherer Zeiten bewundern. Und es soll ja Freaks geben, die das mögen.

Konkret: Die Via Mariana führt über alte Hirtenpfade zu Quellen und den steinalten Marienkirchen im Westen der Iberischen Halbinsel.  Amil gehört dabei zu den besonders wichtigen galicischen Stationen (siehe Foto unten). 

Auf dem 380 km langen Weg gibt es 16 Etappen. Kein Rummel, stattdessen gute Tapas und Menschen, die einen als Besucher neugierig ansehen. Das hat was, vor allem der Abschnitt zwischen A Franqueira und Padrón, wo buchstäblich ein einziger Pilger unterwegs war, als ich im Hochsommer 2026 dort war. 

Die Etappen des Marienwegs in Portugal

1. Sameiro/Braga – Goães – Ponte da Barca, ca. 28–30 km. Die Via Mariana beginnt am Santuário de Nossa Senhora do Sameiro oberhalb der nordportugiesischen Stadt Braga. In Braga berührt sie die Gotteshäuser Sé Catedral de Braga, die Igreja de São Victor, die Igreja de Nossa Senhora-a-Branca, die Igreja dos Congregados und die Capela de São Frutuoso de Montélios. Der Abschnitt führt aus dem alten religiösen Zentrum Bracara Augusta in das ländliche Minho-Gebiet und weiter nach Goães und Ponte da Barca.

2. Ponte da Barca – Soajo, ca. 22–23 km. Von Ponte da Barca führt der Weg über Ermida und Touvedo in Richtung Soajo. Wichtige Wallfahrtsstätten sind die Igreja de Santa Maria Madalena de Muía, die Igreja de São Salvador de Touvedo, die Igreja de Santa Maria de Ermelo sowie der Abstecher zum Santuário de Nossa Senhora da Paz. Historisch verbindet diese Etappe alte Brücken-, Dorf- und Klosterwege im Tal des Lima.

3. Soajo – Peneda, ca. 15–20 km. Die Bergstrecke führt über Adrão und Gavieira zum Heiligtum Santuário de Nossa Senhora da Peneda, einer der wichtigsten marianischen Wallfahrtsorten Nordportugals. Die Monumentaltreppe und die Lage im Nationalpark Peneda-Gerês machen die Strecke besonders attraktiv.

4. Peneda – Lamas de Mouro – Melgaço, ca. 20–25 km. Von Peneda steigt die Route durch Gebirgslandschaften nach Lamas de Mouro und weiter nach Melgaço ab. Kirchliche Bezugspunkte sind die lokalen Pfarrkirchen im Grenzraum, insbesondere die Igreja Matriz de Melgaço. Die Etappe erzählt von Hirtenwegen, Schmugglern und der religiösen Kultur am Grenzfluss Miño zwischen Portugal und Spanien.

Die Etappen des Marienwegs in Galicien

5. Melgaço – Arbo – San Xoán de Mourentán – Parada de Achas, ca. 16–25 km. Nach dem Grenzübertritt über den Fluss Miño beginnt der galicische Teil der Via Mariana. Wichtig für Pilger sind dort die Kirche Igrexa de San Xoán de Mourentán und umliegende Pfarrkirchen von Arbo und A Cañiza. 

Dort arbeiten die ganz wenigen Anwohner vor allem als Winzer der umligenenden Albariño-Weinfelder.

6. Parada de Achas – A Franqueira – Covelo, ca. 21–22 km. Diese Etappe führt zum Santuario de Nosa Señora da Franqueira, einem der wichtigsten marianischen Heiligtümer Galiciens, denn hier gibt es zweimal pro Jahr eine Pilgerfahrt, soll den Anwohnern doch die Heilige Jungfrau ähnlich wie im französischen Lourdes erschienen sein. 

In Covelo sind die Igrexa de Santiago de Covelo und das Pfarrhaus von Santa Mariña de Covelo wichtige Bezugspunkte.

7. Covelo – Barciademera – Estacas, ca. 26–27 km. Die Strecke führt durch das Hinterland der Provinz Pontevedra mit der gleichnamigen Hauptstadt. Kirchliche Stationen sind die Igrexa de Santiago de Covelo, lokale Kapellen in Barciademera und die Pfarrkirchen der umliegenden Dörfer.

8. Estacas – Aguasantas – Cerdedo-Cotobade, ca. 25 km. Bei Aguasantas erinnert die Route an Wasser-, Quellen- und Heiltraditionen. Als kirchliche Bezugspunkte gelten die Igrexa de San Xurxo de Sacos, die Kirchen und Kapellen von Cotobade sowie lokale Marienkapellen am Weg. Die Landschaft hier ist stark geprägt von Granit und Wasserquellen.

9. Cerdedo-Cotobade – Campo Lameiro, ca. 20 km. Campo Lameiro ist vor allem für seine prähistorischen Felsritzungen, kleinen Kirchen und Kapellen bekannt. Die Etappe zeigt deutlich, wie sich vorchristliche Kultplätze, alte Wege und spätere christliche Verehrungsorte überlagern.Die über 80 Felsbilder im Archäologischen Park von Campo Lameiro sind run 4000 Jahre alt.

10. Campo Lameiro – Amil – Moraña – Cuntis, ca. 20–25 km. Nahe Moraña mit seinem wichtigen Fleisch-Fest Ende Juli ist die Ortschaft Amil wichtig. Dort liegen das Santuario de Nuestra Señora de los Milagros de Amil, die Igrexa de San Mamede de Amil, das Pfarrhaus von Amil und die Kapelle Milagres de Amil. Ein religiöses Highlight ist hier die Wallfahrt zur Jungfrau Virgen de los Milagros.

11. Cuntis – Padrón, ca. 25–30 km. Von Cuntis führt die Route Richtung Ulla-Tal und Padrón. Wichtige Kirchen sind die Igrexa de Santa María de Cuntis, die Igrexa de Santa María de Iria Flavia und die Igrexa de Santiago de Padrón. Padrón verbindet die Via Mariana mit dem klassischen portugiesischen Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

12. Padrón – Santiago de Compostela, ca. 20–25 km. Von Padrón aus geht es in die galicische Pilgerstadt. Padrón selbst ist nicht nur für seine Pimientos (Pfefferschoten) berühmt, sondern auch für zwei sehr berühmte Literaten, denen jeweils ein Museum gewidmet ist: Rosalía de Castro und der Nobelpreisträger Camilo José Cela

Der Weg erreicht die berühmte Pilgermetropole Santiago de Compostela, wo die Catedral de Santiago de Compostela und marianische Orte wie die Verehrung der Virxe do Portal eine Rolle spielen. Santiago ist auf der Via Mariana nicht der Abschluss, sondern ein geistlicher Durchgangspunkt auf dem Weg weiter zur Costa da Morte.

13. Santiago de Compostela – Negreira, ca. 20–22 km. Westlich von Santiago folgt die Route den historischen Wegen Richtung Fisterra und Muxía. Als kirchliche Bezugspunkte erscheinen die Dorfkirchen des Umlands, darunter Pfarrkirchen in Brión, Ames und Negreira. Die Etappe markiert den Übergang aus dem städtischen Pilgerraum in das ländliche Westgalicien.

14. Negreira – Brandoñas, ca. 25–30 km. Auf dem Weg nach Brandoñas prägen kleine Pfarrkirchen, Kapellen, Brücken und Dorfkerne die Route. Die Igrexa de San Xulián de Negreira und die Kirchen im Raum A Baña gehören zu den kirchlichen Bezugspunkten. Historisch steht dieser Abschnitt für das Binnenland von A Coruña und seine alten Verbindungswege.

15. Brandoñas – Berdoias, ca. 20–25 km. Die Route nähert sich der Costa da Morte und berührt eine Landschaft mit Megalithen, ländlichen Kirchen und alten Siedlungsspuren. In Berdoias und Umgebung sind die örtlichen Pfarrkirchen und Kapellen wichtige Bezugspunkte. 

Die Verbindung von vorchristlichen Monumenten und christlichen Kultorten ist hier besonders anschaulich.

16. Berdoias – Muxía, ca. 20–25 km. Das Ziel liegt am Atlantik beim Santuario da Virxe da Barca in Muxía. Dieser Wallfahrtsort verbindet Marienverehrung, Steinkult, Meereslandschaft und die Überlieferungen der Costa da Morte. Mit Muxía endet die Via Mariana an einem der symbolträchtigsten Heiligtümer Galiciens.

Der Autor

Tobias Büscher ist Leiter dieses Portals und Autor des Buchs Galicien & Jakobsweg beim Verlag DuMont. Im August 2026 hat er erstmals die Via Mariana kennengelernt. Den Hinweis bekam er von einem LKW-Fahrer, ausgerechnet.

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