
Isabel Coixet und ihr Film Elisa & Marcela
Die Regisseurin aus Barcelona wird immer berühmter. Auf Arte Mediathek ist Isabel Coixet zu sehen, auf Netflix, auf amazon prime. In Spanien selbst gilt sie als eine der besten ihrer Art. Das liegt vor allem an ihrem historisch belegten Film Elisa & Marcela über ein lesbisches Paar, das 1901 geheiratet hat, eine verkleidet als Mann. Was ein Skandal.
Von Luisa von der Heyde
Draußen regnet es sintflutartig und Marcelas Haare und Kleidung sind komplett durchnässt. Sie stürmt durch die Eingangstür der Klosterschule in der nordwestspanischen Stadt A Coruña, um ins Trockene zu gelangen.
Dort trifft sie auf Elisa. Diese hält ein Handtuch in der Hand und trocknet damit Marcelas Haare. Marcela bedankt sich für diese zuvorkommende Geste und stellt sich Elisa vor. Woraufhin Elisa sie mit einem Lächeln willkommen heißt. Beide merken, dass zwischen ihnen eine Verbindung entstanden ist.
Dies ist der Anfang des Filmes Elisa & Marcela der Regisseurin Isabel Coixet aus dem Jahr 2019. Er basiert auf wahren Begebenheiten im Jahr 1901 und erzählt von der ersten gleichgeschlechtlichen Ehe in der spanischen Geschichte.
Por Díos: Aufruhr um ein Lesbenpaar
Die beiden Frauen lernen sich in Galicien kennen und verlieben sich ineinander, werden jedoch von Marcelas Eltern getrennt. Marcelas Vater fürchtet um den Ruf der Familie, woraufhin sich beide Eltern dazu entscheiden, Marcela auf ein weit entferntes Internat in Madrid zu schicken, um sie zu “heilen”.
Doch Jahre später finden beide Frauen wieder zueinander und entwickeln einen Plan, um zusammenbleiben zu können und nicht wieder getrennt zu werden. Elisa verkleidet sich als Mann, sodass ihre Beziehung von der streng katholischen Gesellschaft akzeptiert werden kann und sie nicht mehr auffallen.
Da sie nun wie “Mann und Frau” aussehen, können die beiden heiraten. Das geschieht am 8.Juni 1901 in der Kirche San Jorgé mitten im Zentrum von A Coruña. Doch leider fliegt die Verkleidung kurz nach der Hochzeit auf. La Voz de Galicia bringt das Paar auf die Titelseite (siehe Foto) und die beiden müssen fliehen.
Sie erreichen Porto. Dort wird Marcela schwanger und bringt eine Tochter zur Welt. Die spanische Polizei findet die beiden und nimmt sie vorübergehend fest. Dank Protesten der portugiesischen Bevölkerung kommen beide wieder frei. Beide Frauen fürchteten sich auch nach der Freilassung noch vor der spanischen Justiz, weshalb sie entscheiden, nach Argentinien zu flüchten.
Um ihr Kind zu schützen, gibt Marcela es bei Pflegeeltern ab. Der Film endet mit einem Zeitsprung 25 Jahre in der Zukunft, in welchem Marcela von ihrer Tochter in Argentinien besucht wird. Auch 25 Jahre nachdem sie geflohen waren, leben Elisa und Marcela noch friedlich zusammen.
Echo auf den Film
Bei der 34. Verleihung der Goya-Preise 2020 war „Elisa & Marcela“ in 17 Kategorien für den Filmpreis Goya nominiert.und fand den Applaus des internationalen Publikums und als Netflix den Film veröffentlichte, machten die Redakteure von El País da gleich mal eine Schlagzeile draus.
Was macht diesen Film so besonders?
Isabela Coixet musste zehn Jahre lang um die Finanzierung des Films kämpfen. Um die vergessene Geschichte eines lesbischen Paares der Gegenwart zu zeigen. Obwohl der Film im Jahr 1901 spielt, sind die Themen noch hochaktuell. Homosexualität wird in einigen Ländern immernoch wie ein Delikt behandelt.
“Einmischung führt zur Tragödie”
Coixet erklärte dazu während des Filmfestivals in San Sebastián: „Sobald Staat und Kirche in das Intimleben der Menschen eindringen, entstehen Tragödie, Grauen und Unterdrückung. Tatsächlich ist erstaunlich, wie viel Mut diese beiden Frauen bewiesen haben und dass sie ihr Ziel, zusammen zu leben, leider mit Verlusten erreichen konnten.
Wieso ist Isabela Coixet Regisseurin geworden?
In dem Beitrag “Das Einzige, was ich tun kann, ist Filme machen” von “Deutschlandfunk Kultur”, den Wolfgang Martin Hamdorf im Feburar 2015 veröffentlichte, erklärt Isabela Coixet, wieso sie Regisseurin geworden ist.
Bereits mit fünf Jahren wusste sie demnach schon, dass sie Filmregisseurin werden wollte. Sie fing schon in jungen Jahren an mit einer Super-8-Kamera Videos zu drehen und auch später, als sie Journalistin war, drehte sie gerne Werbefilme.
Auch in dem Youtube Video “Isabel Coixet- European Achievement in World Cinema 2023”, welches im Dezember 2023 von dem Account European Film Festival veröffentlicht wurde, erwähnt sie, dass ihre Großmutter in einem Kino gearbeitet hatte und sie deshalb sehr viel Zeit in Kinosälen verbrachte und immer wieder Filme sah. Sie erzählt, dass sie der Blick in den Vorführraum sehr prägte.
Coixet hat nie eine Filmschule besucht, dafür aber mit Werbefilmen das Handwerk erlernt. Auch sagt sie, fühlte sich das Schreiben für sie zu direkt an und sie bezeichnet das Erschaffen von Bildern und das Erzählen von Geschichten mithilfe der Kamera als eine Form von Magie.
Mit welchen Schauspielern arbeitet sie zusammen?
Am häufigsten arbeitete Isabela Coixet mit der spanischen Schauspielerin Leonor Watling zusammen. Auch mit der US-Amerikanischen Schauspielerin Patricia Clarkson und der kanadischen Schauspielerin Sarah Polley arbeitet sie oft zusammen. Die britische Schauspielerin Sarita Choudhury spielte in dem Film “Learning to drive” (2014) mit. Sogar Natalie Portman und Penélope Cruz standen schon vor ihrer Kamera.
Ihre Schauspieler schätzen an ihr sehr, dass sie die Kamera oft selbst führt, so entsteht eine direkte Verbindung zwischen Regie und Darstellern.
Welcher Film bedeutet ihr am meisten?
Da Isabela Coixet schon an mehreren Filmen und Serien gearbeitet hat, ist es interessant zu wissen, welche Filme oder welche Serien ihr am meisten bedeuten. Ihr Film “Mein Leben ohne mich” (2003) hat eine ganz besondere, emotionale Bedeutung für sie, betont sie in dem offiziellen “Directors Statement”, welches zum Film veröffentlicht wurde.
In diesem Drama geht es um eine junge, kranke Mutter, welche eine heimliche Liste erstellt, mit Dingen, die sie noch vor dem Tod machen möchte. Ebenso bedeuten ihr die Filme “Das geheime Leben der Worte” (2005), “Three Goodbyes” (2025) und der Film “Elisa & Marcela” (2019) emotional sehr viel.
Die Autorin
Luisa von der Heyde aus Köln ist seit 2026 Mitarbeiterin unserer Online-Redaktion.
Während ihrer Zeit als Au-Pair hat sie die Liebe zu Spanien entdeckt. Sie hat einen Faible für Städte wie Vigo (inklusive Nachtleben), Pontevedra und Barcelona.
Und für Architektur: Für einen spektakulären Aufzug hat sie den Architekten interviewt: zum Artikel
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