
Der spanische Filmpreis Goya
Die Premios Goya sind Spaniens wichtigste nationale Filmpreise. Die Filmakademie würdigt damit die künstlerischen und technischen Leistungen spanischer Regisseure und Schauspieler. Aber warum ausgerechnet der Name Goya?
Von Tobias Büscher
Mein Lieblingsmaler Goya malte einst, als wäre er nicht nur ein Künstler, sondern mehrere. Von seinen verspielten Caprichos-Zeichnungen bis zu den Kriegsbildern Desastres de la Guerra ist alles dabei. Was hab ich seine Bilder schon geliebt, als ich noch Student in Madrid war.
Ähnliches ist mir bei dem Regisseur Dani de la Torre (El desconocido, La sombra de la ley, La Unidad, Zeta) aufgefallen. Wer seine Filme sieht, zuletzt Agent Zeta, glaubt kaum, dass sie von ein und demselben Filmemacher sind.
Bei einem Interview im August 2026 in Madrid antwortete er auf die Frage, warum Spanier ständig ihren Stil ändern: „Weil wir Verwandlungskünstler sind und uns der Zeit anpassen“.
Goya, Lola, César, Oscar
Sicher ist: Der Name Goya für den spanischen Filmpreis war zunächst gar nicht erste Wahl, vor allem Lumière, Buñuel und Soles standen zur Debatte. Die Mitglieder der Akademie entschieden sich dann aber für Goya, weil Francisco de Goya (1746–1828) weltweit bekannt ist, die spanische Kultur repräsentiert.
Und vielleicht noch wichtiger: Der Name ist einprägsam wie Oscar (USA, seit 1929). Lola (Deutschland, seit 1951) und César (Frankreich, seit 1976).
Der Szenenbildner Ramiro Gómez meinte einmal dazu, Goyas Bilddenken sei dem Kino nahe, beinahe wie erzählte Bildsequenzen. Deshalb zeigt auch die Trophäe den Kopf des Malers. Goya stammt übrigens aus dem Aragón in Nordspanien.
Der Ausgangspunkt für die Erschaffung des Goya-Preises in der Filmszene war ein Treffen am 12. November 1985 im Madrider Restaurant O’Pazo: Produzent Alfredo Matas versammelte Filmschaffende, um über die Zukunft des spanischen Kinos zu beraten.
87 Unterschriften trugen anschließend zur Gründung der Academia de las Artes y las Ciencias Cinematográficas de España am 8. Januar 1986 bei. Und da ahnte noch keiner, dass die großen spanischen Filme der Zukunft Namen tragen würden wie Das Waisenhaus (von Juan Antonio Bayona) und Acht Namen für die Liebe (E.M. Lazaro).
Wer den Preis vergibt
Die Academia de Cine ist eine private, gemeinnützige Vereinigung von Fachleuten aus der Filmbranche. Sie will den spanischen Film fördern, seine Beschäftigten vertreten und die Lage von Branche und Filmkultur untersuchen.
Oberstes Organ ist die Generalversammlung; daneben beschäftigen sich Präsidium, Vorstand und Fachkommissionen mit Produktion, Drehbuch, Regie, Schauspiel, Kamera, Szenenbild, Kostüm, Musik, Schnitt, Ton, Animation und Dokumentarfilm.
Die Akademie organisiert die Gala und vergibt die Preise durch ihre Mitglieder und Gremien.
Erste Goya-Gala im Kino von Madrid
Die erste Goya-Gala fand am 16. März 1987 im Kino Lope de Vega in Madrid statt, präsentiert von dem berühmten Fernando Rey (Viridiana, Tristana, French Connection – Brennpunkt Brooklyn, Der diskrete Charme der Bourgeoisie).
Sie umfasste 16 Kategorien; heute sind es 28. Neue Kategorien kamen schrittweise mit neuer Filmtechnik hinzu, darunter Produktionsleitung und Spezialeffekte (1988), getrennte Drehbuchpreise (1989), Nachwuchsregie und Animationsfilm (1990), europäischer Film (1993), Nachwuchsdarsteller (1995), Filmsong (2001) und Dokumentarfilm (2002).
Die erste Symbolfigur für das alles entwarf Miguel Ortiz Berrocal: eine zerlegbare Skulptur aus Goya-Büste und Filmkamera.
Wer bekam den ersten Goya?
Da schon die erste Ausgabe mehrere Kategorien hatte, gab es nicht nur einen einzigen „ersten“ Gewinner. Der erste Goya für den Besten Film ging an El viaje a ninguna parte von Fernando Fernán Gómez (El viaje a ninguna parte, El extraño viaje, Das Leben geht weiter, Belle Époque).
Fernán Gómez gewann außerdem für die Regie dieses Films und als Hauptdarsteller in Mambrú se fue a la guerra. Amparo Rivelles (La fe, Fuenteovejuna, Hay que deshacer la casa, Esquilache) wurde für Hay que deshacer la casa als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Der Goya de Honor der ersten Ausgabe ging an den Kameramann José Fernández Aguayo.
Altersrekord: Benedicta Sánchez (O que arde) erhielt 2020 im Alter von 84 Jahren den Goya als beste Nachwuchsdarstellerin. Sie hatte zuvor keine Kinoerfahrung und gilt als älteste Person, die einen Goya in einer Schauspielkategorie gewann.
In Oliver Laxes galicischem Drama spielt sie die Mutter eines aus dem Gefängnis zurückkehrenden Mannes. Ich habe sie damals selbst interviewt: Zum Gespräch mit der Goya-Gewinnerin
Die Goya-Preisträger 2026
Das Jubiläum der 40. Ausgabe der Goya-Preise fand am 28. Februar 2026 im Auditori Fòrum CCIB in Barcelona statt. Zu den offizielle Siegern zählten:
Bester Film: Los domingos
Beste Regie: Alauda Ruiz de Azúa (Cinco lobitos, Eres tú, Querer, Los domingos)
Beste Hauptdarstellerin: Patricia López Arnaiz (Ane, 20.000 especies de abejas, Los destellos, Los domingos)
Bester Hauptdarsteller: José Ramón Soroiz (Vacas, Loreak, Patria, Maspalomas)
Warum der Goya so wichtig ist
Der Goya ist für Spaniens Filmbranche ein Vorbild im Sinne eines beruflichen Maßstabs: Die Auszeichnungen werden von Fachkollegen der Akademie vergeben und beziehen neben den Stars auch Drehbuch, Kamera, Ton, Schnitt, Ausstattung, Kostüm, Make-up, Effekte, Produktion und Kurzfilm ein.
Dadurch macht der Preis sichtbar: Filme machen ist eine Gemeinschaftsleistung. Nachwuchskategorien sind ein Steigbügel für junge Einsteiger, der Goya de Honor würdigt eine lange Lebensleistung.
Übrigens erstaunlich: Viele hervorragende Regisseure und Schauspieler kommen aus Nordwestspanien, aus Galicien. Ähnlich wie viele Sportler aus Katalonien. Warum das so sei, habe ich Dani de la Torre gefragt. Er sagt: „Weil wir früh in der Kindheit schon darstellen, beim Karneval, in den Musikgruppen, in den Schulen.“
Wenn Goya nur wüsste, wie toll die Preisträger der Filmbranche sind, die ihm heute nacheifern. Übrigens gibt es auch einen wunderbaren Film zu Goya selbst. Titel: Goyas Geister. In der Hauptrolle Javier Bardem
Weiterführende Themen rund um Film
Eine Burg als Filmkulisse: Monterrei
Wie Spanien zur Filmkulisse Hollywoods wurde
Filmkritik: Romería von Carla Simón

Seien Sie der Erste, der kommentiert