Diese spanischen Schriftsteller sollten Sie gelesen haben

Spanien lässt sich nicht nur am Strand entdecken, sondern auch im Bücherregal. Vier Jahrhunderte spanische Literatur, von Miguel de Cervantes über die Nobelpreisträger des 20. Jahrhunderts bis zu den heutigen Bestsellerautorinnen, liefern Geschichten, die zugleich erzählen, was dieses Land ausmacht. Ein Überblick über die wichtigsten spanischen Schriftsteller und ihre Bücher.

von Alexander Gresbek (Text und Illustrationen)

Judith Torrea, Santiago Posteguillo, Javier Sierra, es gibt viele hervorragende Autoren in Spanien. Doch an diesen hier aufgeführten Schriftstellern kommt kein Fan spanischer Literatur vorbei:

Cervantes und der Ritter aus La Mancha

Wer in Madrid über die Plaza de España geht, sieht sie aus Bronze: Don Quijote auf seinem dürren Pferd Rosinante, daneben Sancho Panza auf dem Esel. Hinter ihnen, in Stein gemeißelt, sitzt ihr Erfinder Miguel de Cervantes Saavedra (1547–1616). Das Denkmal entstand zum 300. Todestag des Schriftstellers und wurde 1929 eingeweiht. Ergänzt wurde es später um Dulcinea und Aldonza, vollständig ist es erst seit den 1960er Jahren.

Cervantes selbst schrieb im Prolog seines Romans, der Stoff sei „in einem Gefängnis ersonnen“ worden. Belegt ist das nicht, aber er saß zu Lebzeiten mehrfach in Haft, unter anderem in Sevilla. „Don Quijote“ erschien 1605 (Teil 1) und 1615 (Teil 2). 

Im Kern parodiert das Buch die damals populären Ritterromane: Ein Landadliger liest zu viele davon, hält sich selbst für einen fahrenden Ritter und zieht mit dem bäuerlichen Sancho Panza los, um Windmühlen als Riesen zu bekämpfen. Heute gilt der Roman als einer der ersten der Weltliteratur.

Generation 27 und ein vergessener Nobelpreis

Im frühen 20. Jahrhundert bildet sich eine Dichtergruppe, die Spaniens Lyrik prägt: die Generación del 27. Zu ihr gehören Federico García Lorca, Rafael Alberti und Vicente Aleixandre. Lorca wird 1936 zu Beginn des Bürgerkriegs von Anhängern Francos erschossen. 

Aleixandre, in Sevilla geboren, in Málaga aufgewachsen und ab 1909 in Madrid lebend, bleibt unter der Diktatur in Spanien und erhält 1977 überraschend den Nobelpreis für Literatur. Die Schwedische Akademie entscheidet sich gegen Favoriten wie Günter Grass und Graham Greene.

In Deutschland ist sein Werk bis heute kaum bekannt, lesenswert ist etwa der Lyrikband „Nackt wie der glühende Stein“.

Camilo José Cela und seine späte Anerkennung

Den zweiten spanischen Literaturnobelpreis nach Aleixandre bekommt Camilo José Cela (1916–2002) im Jahr 1989. Sein bekanntestes Buch, „Pascual Duartes Familie“ (1942), zeichnet das Spanien der Nachkriegszeit in harten, oft grausamen Bildern. 

Cela war damals 73 Jahre alt und kommentierte den Preis trocken mit einem Spruch, der bis heute zitiert wird: Es sei aber auch Zeit gewesen. Dem Literaten ist in Nordwestspanien ein ganzes Museum gewidmet.

Pérez-Reverte: Reporter mit Erzählhandwerk

Arturo Pérez-Reverte, 1951 in Cartagena geboren, arbeitete 21 Jahre als Kriegsreporter, bevor er zum Romanautor wurde. Sein Werk ist in über 40 Sprachen übersetzt. International bekannt wurde er mit „Der Club Dumas“ (im deutschen Sprachraum oft fälschlich unter dem Filmtitel „Die neun Pforten“ erinnert): 

Roman Polanski verfilmte das Buch 1999 mit Johnny Depp in der Hauptrolle. Wer Pérez-Reverte erst kennenlernen will, greift besser zu „Dreimal im Leben“ (2012, Original: „El tango de la Guardia Vieja“), einem melancholischen Liebesroman zwischen Ozeandampfern, Buenos Aires und der Côte d’Azur.

Javier Marías und Carlos Ruiz Zafón

Javier Marías (1951–2022) wuchs als Sohn eines unter Franco mit Berufsverbot belegten Philosophen in Madrid auf, übersetzte Nabokov, Conrad und Sterne ins Spanische und schrieb mit „Mein Herz so weiß“ (1992) den Roman, der ihn in Deutschland berühmt machte. Marcel Reich-Ranicki feierte ihn im Literarischen Quartett überschwänglich. Marías starb im September 2022 in Madrid an einer Lungenentzündung nach einer Corona-Infektion.

In Barcelona ist Carlos Ruiz Zafón (1964–2020) zu Hause. „Der Schatten des Windes“ (2001) verkaufte sich weltweit etwa 15 Millionen Mal und wurde nach „Don Quijote“ zum erfolgreichsten spanischen Roman. Die Tetralogie um den „Friedhof der vergessenen Bücher“ spielt im Barcelona der Franco-Jahre. 

Zafón starb 2020 in seiner Wahlheimat Los Angeles an Krebs, der vierte und letzte Band „Das Labyrinth der Lichter“ war bereits 2016 erschienen. In Barcelona führen geführte Touren heute an die Schauplätze seiner Romane.

Eduardo Mendoza und Antonio Muñoz Molina

Eduardo Mendoza, 1943 in Barcelona geboren, debütierte 1975 mit „Die Wahrheit über den Fall Savolta“, kurz vor Francos Tod. Sein bekanntester Roman ist „Die Stadt der Wunder“ (1986), eine breite Erzählung über den Aufstieg eines mittellosen jungen Mannes in Barcelona zwischen den Weltausstellungen von 1888 und 1929. 2016 wurde Mendoza mit dem Cervantes-Preis ausgezeichnet, der wichtigsten literarischen Auszeichnung der spanischsprachigen Welt.

Aus dem andalusischen Úbeda stammt Antonio Muñoz Molina, Jahrgang 1956. Sein Roman „Der polnische Reiter“ (1991) gewann den Premio Planeta und gilt als Schlüsselwerk der spanischen Erinnerungsliteratur. Mit „Sefarad“ (2001) verknüpft er die Geschichten von Vertriebenen aus Bürgerkrieg, Holocaust und Gulag zu einem komplexen Roman über das 20. Jahrhundert. 

2013 erhielt Muñoz Molina den Prinz-von-Asturien-Preis. Er lebt zwischen Madrid und New York und schreibt Kolumnen für El País.

Krimis aus Barcelona, Thriller aus der jüngeren Geschichte

Wer Spanien über Krimis lesen will, kommt an Manuel Vázquez Montalbán (1939–2003) nicht vorbei. Sein Detektiv Pepe Carvalho kocht, isst und ermittelt durch ein Barcelona, das zwischen Diktatur und Demokratie steht. 

Politischer wird es bei Javier Cercas: „Anatomie eines Augenblicks“ rekonstruiert in dokumentarischer Genauigkeit den gescheiterten Militärputsch vom 23. Februar 1981, als bewaffnete Guardia-Civil-Offiziere das Parlament besetzten.

Eine eigene Kategorie ist Jorge Semprún (1923–2011). Als junger Kommunist im Exil ins KZ Buchenwald verschleppt, verarbeitet er das Erlebte in „Die große Reise“ und „Was für ein schöner Sonntag“. Semprún schrieb überwiegend auf Französisch, lebte aber später wieder in Madrid und war zwischen 1988 und 1991 spanischer Kulturminister.

Spanische Autorinnen im Vordergrund

Lange standen sie im Schatten der männlichen Kollegen, längst gehören sie zur ersten Reihe. Almudena Grandes (1960–2021) aus Madrid debütierte 1989 mit dem erotischen Roman „Lulú“, den Bigas Luna mit einem damals unbekannten Javier Bardem verfilmte. Ihr Werk reicht weit darüber hinaus: „Das gefrorene Herz“ (2007) erzählt auf über 900 Seiten die Auswirkungen von Bürgerkrieg und Franco-Diktatur auf zwei Familien.

María Dueñas wurde mit „Das Echo der Träume“ (Original: „El tiempo entre costuras“) bekannt, einem Roman über eine Madrider Schneiderin, die im Spanisch-Marokko der 1930er Jahre in die Spionage gerät. Verfilmt wurde der Stoff als spanische Fernsehserie. 

Nerea Riesco aus Bilbao schrieb mit „Die Spur der Hexe“ einen historischen Roman über eine junge Frau zur Zeit der Inquisition, zwischen Glaube, Wahn und Ritus.

Stimmen aus den Regionen

Andalusien, Katalonien und Galicien haben eigene literarische Stimmen. Auf Mallorca schrieb Gabriel Janer Manila (geboren 1940) auf Katalanisch und gewann mit „Tigres“ (deutsch „Tigers“) bedeutende spanische Literaturpreise. Aus Galicien kommt Manuel Rivas, der die Diktatur mit der Mystik seiner Heimat verbindet. 

Die regionalen Sprachen Kataloniens, Galiciens und des Baskenlandes sind eigene Literaturen, kein bloßes Anhängsel des Kastilischen.

Der Autor

Alexander Gresbek lebt seit vielen Jahren an der spanischen Mittelmeerküste. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.

Weitere Themen zu Spaniens Literatur

Der Autor Juan Goytisolo

Flut von Sabas Martín

Albert Sánchez Pinol

Eure Meinung

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Seien Sie der Erste, der kommentiert