
Tanken in Spanien: Ab Oktober wird es teurer
Zum 1. Oktober läuft in Spanien die letzte staatliche Sprithilfe aus. An den Zapfsäulen dürfte es spürbar teurer werden. Während Madrid seit dem Frühjahr gegensteuert und Paris seine Hilfen bis Jahresende verlängert hat, beschloss Berlin erst am 18. September einen neuen Tankrabatt. Spanien ist noch günstig, aber der Rückenwind endet. Ein Überblick mit aktuellen Zahlen.
von Alexander Gresbek (Text und Illustrationen)
Madrid - Wer in Spanien tankt, zahlt derzeit deutlich weniger als in weiten Teilen Europas. Am 14. September lag der Liter Super 95 im Schnitt bei 1,87 Euro, Diesel bei rund 1,83 Euro. Damit steht Spanien am unteren Ende der EU-Skala.
Dieser Vorsprung war zuletzt kein Zufall. Nach dem Iran-Krieg im Frühjahr schossen die Ölpreise nach oben, und die Regierung von Pedro Sánchez reagierte schnell. Bereits am 21. März senkte sie die Mehrwertsteuer auf Benzin, Diesel, Gas und Strom von 21 auf 10 Prozent, Teil eines Anti-Krisen-Pakets über fünf Milliarden Euro mit rund 80 Einzelmaßnahmen. Hinzu kam eine Direkthilfe von 20 Cent je Liter für Transport, Landwirtschaft und Fischerei.
Zum 1. Juli kehrte Spanien zum regulären Mehrwertsteuersatz von 21 Prozent zurück. Ein Rabatt auf die spanische Kraftstoffsteuer (Impuesto sobre Hidrocarburos) blieb bestehen, wurde aber Monat für Monat abgeschmolzen: 15 Cent im Juli, 10 Cent im August, 5 Cent im September. Zum 1. Oktober fällt er ganz weg.
Was das bedeutet, hat der Sommer gezeigt. Als die Mehrwertsteuersenkung Ende Juni auslief, stiegen die Benzinpreise binnen drei Wochen um rund zehn Prozent, Diesel um fast acht. Ein ähnlicher Sprung ist ab Oktober möglich, zumal die Nordseesorte Brent zuletzt bei knapp 98 US-Dollar je Barrel lag.
Benzinpreise Spanien im EU-Vergleich
Der Abstand zu Deutschland ist beträchtlich. Ein Liter Super 95 kostete am 14. September in Deutschland 2,36 Euro, in Spanien 1,87 Euro. Das sind 49 Cent pro Liter. Bei einer 55-Liter-Tankfüllung summiert sich das auf fast 27 Euro.
Frankreich und Italien: zwei andere Wege
Frankreich hat früh und langfristig gehandelt. Premierminister Sébastien Lecornu verlängerte die gezielten Hilfen für besonders betroffene Branchen bis zum 31. Dezember 2026. Für die Fischerei steigt der Zuschuss von 25 auf 35 Cent je Liter Diesel, Bauwirtschaft und Landwirtschaft erhalten weiterhin Unterstützung.
Parallel begrenzt der Konzern TotalEnergies an rund 3.300 Tankstellen die Preise: Benzin höchstens 1,99 Euro, Diesel höchstens 2,25 Euro je Liter. Das ist kein staatlicher Rabatt, sondern ein freiwilliger Deckel eines Unternehmens, das dafür eine geringere Marge in Kauf nimmt.
Italien setzt an anderer Stelle an. Statt den Literpreis zu senken, will Rom von 2027 an für kleinere Fahrzeuge die Kfz-Steuer aussetzen, was rund 14,5 Millionen Halter betreffen könnte. Der Effekt trifft die jährlichen Fixkosten, nicht die Rechnung an der Zapfsäule.
Deutschland: spät dran und mitten im Wahlkampf
Deutschland ist bei diesem Vergleich der Nachzügler. Einen ersten Tankrabatt hatte der Bund bereits im Mai und Juni gewährt, ebenfalls rund 17 Cent brutto je Liter. Diese Regelung ließ die Regierung Ende Juni auslaufen, obwohl die Preise weiter hoch blieben.
Erst am 18. September einigten sich Bund und Länder auf einen zweiten Rabatt: Vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent je Liter, mit Mehrwertsteuer rund 17 Cent. Das Paket kostet 2,5 Milliarden Euro, die sich Bund und Länder teilen. Kanzler Friedrich Merz sprach von einem „starken Signal für unser Land“. Ein Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs und Belgiens soll spätestens zum 1. Januar 2027 folgen.
Der Zeitpunkt fällt auf. Während Madrid seit März gegensteuerte und Paris Planungssicherheit bis Jahresende schuf, brauchte Berlin nach dem Auslaufen der ersten Hilfe fast drei Monate für die zweite, die nun ausgerechnet kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin greift.
Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, hält den Tankrabatt ohnehin für einen Fehler, weil ein großer Teil des Geldes bei den Mineralölkonzernen bleibt. Dass diese Sorge berechtigt ist, zeigte der erste Durchlauf: Beim
Diesel kamen im Mai und Juni im Schnitt nur 12 der 16,7 Cent Steuersenkung tatsächlich an der Zapfsäule an. Für den einzelnen Fahrer bleibt der Effekt schmal, eine 50-Liter-Tankfüllung wird bestenfalls um 8,50 Euro billiger.
Tanken in Spanien: Was das für Ihre Reise heißt
Trotz des auslaufenden Rabatts bleibt Spanien für Autofahrer klar günstiger als Deutschland. Die Preise liegen strukturell niedriger, vor allem wegen geringerer Kraftstoffsteuern, eines dichten Tankstellennetzes und harten Wettbewerbs. Drei Hinweise für die Tankstopps vor Ort:
● Unbemannte Low-Cost-Ketten liegen oft spürbar unter den Markentankstellen.
● Auf den Kanaren tanken Sie günstiger als auf dem spanischen Festland.
● Stationen abseits der Autopista sind fast immer billiger als die an der Mautstrecke. Ein Blick in eine Preis-App vor der Fahrt lohnt sich.
Zum 1. Oktober sollten Sie in Spanien mit steigenden Preisen rechnen. Wie stark der Anstieg ausfällt, hängt weniger an Madrid als am Ölpreis. Der staatliche Rückhalt endet, doch der Abstand zu Deutschland bleibt: Rund 50 Cent je Liter trennen die beiden Länder weiterhin. Für alle, die im Herbst mit dem Auto in den Süden fahren, ist das die Zahl, die zählt, nicht die Hilfe, die gerade ausläuft.
Der Autor
Als Kenner der Costa Blanca lebt Alexander Gresbek seit vielen Jahren in der spanischen Region am Mittelmeer. Der Journalist und Buchautor befasst sich mit spanischer Kultur, Politik, Umwelt und Traditionen. Zu seinem aktuellen Titel Die Costa Blanca Für Kluge Köpfe (erhältlich bei amazon) hier die Buchrezension.
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