Spaniens Schauspielerin Laia Costa

Brillant. Und für die Machos der Filmszene unerreichbar

Die Katalanin Laia Costa spielt an der Seite namhafter Kollegen, wird mit Filmpreisen wie dem Lola und Goya überhäuft und ist demnächst in ihrer neuen Rolle als Polizistin zu sehen. Was die Machos in der Filmwelt vielleicht nicht so gut finden: Vor der Kamera zieht sie sich nie aus.

von Luisa von der Heyde

“Wenn ich zu früh komme, sieht es so aus, als hätte ich kein Leben. Wenn ich zu spät komme, bin ich eine unhöfliche Schlampe. Genau drei Minuten Verspätung sind perfekt.” Das ist der erste Satz von ihr als Ella in der Serie “Foodie Love”. 

Diese Rolle bedient Laia Costa perfekt: chaotisch und introvertiert, nach außen hin selbstbewusst und extrovertiert. In dieser Serie von Isabel Coixet (Arte Mediathek) geht es um Liebe, Beziehungen und die gemeinsame Leidenschaft für gutes Essen.

Costa spielt hier also eine intelligente, selbstbewusste Frau, die sich nach einer enttäuschenden Beziehung vorsichtig auf eine neue Bekanntschaft einlässt. Dabei ist sie so glaubwürdig, dass es manchmal fast weh tut. Und führt dazu, dass einen die Schauspielerin neugierig auf weitere Rollen macht.

Nachdem Laia Costa mit dem Film Victoria in dem Jahr 2015 (amazon prime video) ihren großen Karrieresprung erreichte und vier Jahre später mit der Serie “Foodie Love” ihr Talent im Serienbereich bestätigen konnte, gehört sie nun zu den Promi-Schauspielerinnen Spaniens.

Für ihre Hauptrolle in Victoria erhielt sie den deutschen Filmpreis Lola als beste Hauptdarstellerin. Darin spielte sie eine junge Spanierin, die in Berlin lebt und während einer einzigen Nacht in eine Reihe dramatischer Ereignisse verwickelt wird. Interessant ist, dass der gesamte Film in einer einzigen ungeschnittenen Einstellung gedreht wurde.

Laia Costa ist ohnehin schon international bekannt durch Filme wie  Newness, Only You und der Serie The Diplomat. Sie wirkt in ihren Rollen, ob Drama oder Romanze, authentisch. Statt ihre Figur nur oberflächlich darzustellen, vermittelt sie auch die inneren Konflikte und die Unsicherheiten der Rolle.

Karrierestart mit 26 Jahren

Laia Costa wollte nicht von Anfang an Schauspielerin werden. Es ergab sich eher durch Zufall. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Account-Managerin in einer Werbeagentur in Barcelona.

Sie besuchte nach der Arbeit einen Schauspielkurs und probierte es nur aus Spaß aus. Der Kurs wurde jedoch zu einem regelmäßigen Hobby. Mit 26 Jahren entschied sie sich dann dazu, ihre Werbekarriere zu beenden und die Schauspielerei ernsthafter auszuprobieren.

Nachdem sie eine Rolle in der spanischen Serie “Bandolera” bekommen hatte, zog sie für ihre Schauspielkarriere nach Madrid.

„Ich mache keine Nacktszenen“

Laia Costa hatte es nicht immer ganz einfach auf dem Weg hin zum Star. Zum einen ist sie erst mit 26 Schauspielerin geworden. Deshalb hatte sie weniger Erfahrung als andere. Die Konkurrenz unter Spaniens Schauspielern ist groß. Dazu kam zu Beginn das Lampenfieber bei Fotoshootings während der Filmfestivals, etwa in San Sebastián.

Auch Nacktszenen waren überhaupt nicht ihr Ding. In einem Interview mit der britischen Webseite Independent erklärte sie im Jahr 2021: “Ich habe Jobangebote abgelehnt, da ich keine Nacktszenen machen wollte. Mein damaliger Manager fragte mich: wer glaubst du, wer du bist?”.

Auch wenn sie dadurch so manche Rolle nicht bekommt, viele Regisseure schätzen sie gerade wegen ihrem Selbstbewusstsein, darunter Isabel Coixet.

Welche Filmpreise hat sie gewonnen?

Als sie 2015 den Deutschen Filmpreis als “beste weibliche Hauptrolle” für den Film Victoria bekam, war sie die erste Ausländerin, der das gelang. Noch dazu gewann sie auch den Sant-Jordi-Filmpreis, ebenso für ihre schauspielerische Leistung in den Film Victoria. Im Jahr 2023 gewann sie unter anderem den Platino Award als “Beste Hauptdarstellerin” für ihre Rolle in dem Drama Cinco lobitos. Sie bekam ein Jahr später ihren zweiten Platino Award für ihre Rolle aus dem Film Un amor.

Der Film Cinco Lobitos  ist bislang ihr größter Erfolg. Sie gewann dafür 2023 u.a. den “Goya” (der “spanische Oscar”), den “Premios Feroz“ (Kritikerpreis) und  “Premius Forqué” und beim Filmfestival in Málaga die Trophäe Silberne Biznaga als "Beste Schauspielerin”. 

Kino, Kinder, Katalanisch

Laia Costa spricht Katalanisch, Spanisch, Englisch und Französisch. Man könnte davon ausgehen, dass sie ebenso deutsch sprechen kann, da sie die Hauptrolle in dem deutschen Film “Victoria” gespielt hat, doch dies ist nicht der Fall. Der Film wurde damals komplett auf Englisch improvisiert.
Um für internationale Castings flexibel zu sein, trainiert sie Englisch in verschiedenen Akzenten.

Doch sie kann noch viel mehr als Sprache und Schauspiel. 17 Jahre lang war sie Basketballerin im Verein “Hispano Francés”. Und als die Mutter zweier Kinder das erste Mal schwanger wurde, absolvierte sie zeitgleich eine Ausbildung als Geburtsbegleiterin. Ihr Mann David López, den sie seit der Schulzeit kennt, soll begeistert gewesen sein.

Nächste Rolle in Collision Course

Laia Costa fokussiert sich nun auf den Start der neuen Netflix-Serie “Collisión Course”, die ab 30. Oktober 2026 auf netflix läuft. An der Seite ihres Schauspielkollegen Luis Zahera spielt sie diesmal eine Polizistin.

Die Autorin

Luisa von der Heyde aus Köln ist seit 2026 Mitarbeiterin unserer Online-Redaktion. 

Während ihrer Zeit als Au-Pair hat sie die Liebe zu Spanien entdeckt. Sie hat einen Faible für Städte wie Vigo (inklusive Nachtleben), Pontevedra und Barcelona.

Und für Architektur: Für einen spektakulären Aufzug hat sie den Architekten interviewt: zum Artikel

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