Die Katzen der Costa Blanca
Tierschützerinnen wie Paula kümmern sich um die Kolonien
Mitleid allein genügt nicht, wenn ein Tier bis auf die Knochen abgemagert ist. Warum an der spanischen Mittelmeerküste so viele Katzen wie Luna, Nube und Michi leiden. Und engagiertes Handeln notwendig ist, auch gegen Vandalismus.
Von Paula Dólera
Alicante - Michi kauert sich unter ein Auto, das noch etwas Wärme ausstrahlt. Luna wartet hinter einer Hecke, bis sie vertraute Schritte erkennt. Nube sucht eine Ecke auf dem Dach, die vor Regen geschützt ist. Für uns beginnt die Nacht, für sie geht die Suche nach einem sicheren Ort weiter. Morgen werden sich unsere Wege wieder kreuzen. Vielleicht gehen wir hastig vorbei, ohne uns zu fragen, wie es ihnen in diesen Stunden ergangen ist.
In den Orten der Marina Alta in der Region Valencia leben diese Tiere mitten unter uns. Manche Katzen wurden auf der Straße geboren, andere landeten dort, nachdem sie sich verirrt hatten oder ausgesetzt wurden.
Einige suchen eine Streicheleinheit. Andere weichen vor einer Hand zurück, selbst wenn sie Futter bringt. Wir kennen ihre Geschichten nicht. Aber wir können entscheiden, was sie bei uns finden.
Wird sich Luna jemals streicheln lassen?
Vielleicht wird Luna sich niemals streicheln lassen. Vielleicht wird sie erst fressen, wenn Olga, ihre Betreuerin, sich entfernt hat. Trotzdem braucht sie Wasser, Futter, tierärztliche Versorgung und Schutz. Ihre Angst verlangt von uns Geduld und Respekt. Ein Tier muss uns nicht vertrauen, um unseren Schutz zu verdienen.
Wir, die wir Katzenkolonien betreuen, kennen diese Sprache. Wir wissen, wer zuerst auftaucht, wer langsam frisst und wer seinen Napf etwas abseits braucht. Wo andere „ein paar Katzen“ sehen, erkennen wir „unsere Schützlinge“. Wenn eine fehlt, suchen wir unter den Autos, fragen nach und kommen bei Einbruch der Dunkelheit zurück … Wie sich diese Sorge anfühlt, versteht nur schwer, wer noch nie vor einer Futterstelle gewartet hat, an der das Futter unberührt blieb.
Ein Wort fasst diese Zuneigung zusammen: „Wiederkommen“. Wiederkommen, wenn es regnet. Wiederkommen im Sommer, wenn das Wasser ausgeht. Wiederkommen nach der Arbeit, müde und mit eigenen Sorgen, selbst wenn wir krank sind.
Denn wir wissen, dass sie auf uns warten und uns brauchen. Saubermachen, beobachten, Futter nachfüllen, den Tierarzt verständigen: Diese Handgriffe sieht meist niemand. Doch sie sorgen dafür, dass ein Tier frisst, eine Wunde behandelt wird und sein Ausbleiben nicht unbemerkt bleibt. Für die Tiere bedeutet unser Wiederkommen, dass jemand auf ihr Leben achtet.
Diese tägliche Fürsorge lehrt uns: Jedes Bedürfnis verlangt eine passende Antwort. Bei einer neu hinzugekommenen Katze können eine Identifizierung und eine tierärztliche Untersuchung nötig sein; eine zutrauliche Katze braucht vielleicht die Chance auf ein Zuhause.
Bei einer unkastrierten Katze muss gehandelt werden, bevor der nächste Wurf zur Welt kommt. Fürsorge heißt deshalb auch, genau beobachten zu lernen. Dafür brauchen wir Schulung, Hilfsmittel und Fachleute, die uns bei Entscheidungen unterstützen.
CER: Schutz für Tiere nach klarem Ablauf
Dazu gehört die Kastration. Die Methode des Einfangens, Kastrierens und Zurückbringens, im Spanischen als CER bekannt, folgt einem klaren Ablauf: Die Katzen werden mit geeigneten Verfahren eingefangen, kastriert und nach ihrer Erholung in ihr Revier zurückgebracht. Dazu gehören die fortlaufende Betreuung, tierärztliche Versorgung und die Kontrolle neu hinzukommender Tiere. Die Vermittlung von Katzen an Familien ergänzt diese Arbeit.
Schon der Gedanke an einen Wurf, der zwischen Autos zur Welt kommt, macht deutlich, wie wichtig Vorbeugung ist. Noch bevor wir ihre Namen kennen, sind diese Jungtiere bereits Gefahren ausgesetzt. Rechtzeitige Kastration verhindert weitere Geburten unter solchen Bedingungen. Auch in dieser vorausschauenden, stillen Arbeit liegt Mitgefühl: Sie verhindert Leid, noch bevor es einen Blick hat, der uns berühren kann.
Doch auch wir, die wir uns um sie kümmern, brauchen Unterstützung. Hinter einer Kolonie steht vielleicht jemand, der auf etwas Notwendiges verzichtet, um eine Tierarztrechnung zu bezahlen, seinen Tagesablauf für einen Notfall umstellt oder wegen einer verschwundenen Katze nicht schlafen kann. Wer Fürsorge übernimmt, sollte mit der Verantwortung nicht allein bleiben. Wir brauchen Rückhalt, Mittel und jemanden, der einspringt, wenn unsere Kräfte nachlassen.
Dieser Rückhalt muss auch vom Staat kommen. Das Gesetz 2/2023 der Comunitat Valenciana weist den Kommunen die Verantwortung für die Betreuung frei lebender Katzen zu und schreibt Programme für Katzenkolonien vor. Es sieht Koordination, CER, Fütterung, Unterschlupf, gesundheitliche Versorgung und Schulung vor.
Die Erfüllung dieser Pflichten erfordert Haushaltsmittel, Fachleute und Kontinuität. Jede Verzögerung trifft konkrete Tiere und uns, die wir versuchen, ihnen zu helfen.
Gutes Zusammenleben heißt, die Sorgen der Nachbarschaft ernst zu nehmen und Probleme zu lösen. Es heißt aber auch, die Kolonien vor Vandalismus zu schützen.
Manche zerstören Unterschlüpfe, entfernen Futternäpfe oder bedrohen uns, die wir die Tiere betreuen. Finden wir zerstört vor, was wir vorbereitet haben, fühlen wir uns machtlos und fürchten um die Tiere.
Dann müssen wir neben der täglichen Arbeit alles wieder aufbauen, Anzeige erstatten und zurückkehren, ohne zu wissen, was uns erwartet. Wir brauchen Unterstützung und Schutzmaßnahmen. Meinungsverschiedenheiten lassen sich im Gespräch klären; Zerstörung und Einschüchterung verlangen eine entschiedene Reaktion.
Gemeinsame Verantwortung für das Tierwohl
Doch all diese Anstrengungen reichen nicht aus, wenn durch Aussetzen oder unkontrollierte Vermehrung immer weitere Katzen hinzukommen. Wer ein Tier aufnimmt, übernimmt von Anfang an Verantwortung: es kennzeichnen und kastrieren zu lassen und ein Leben lang für es zu sorgen. Wir, die wir jeden Tag nach den fehlenden Tieren suchen, wissen, wie schwer es ist, die Folgen einer Tür aufzufangen, die jemand für immer geschlossen hat.
Deshalb müssen wir die Verantwortung gemeinsam tragen, von den Bürgern bis zur Verwaltung. Alle können ihren Teil beitragen. Dann hängt die Sicherheit einer Kolonie nicht länger allein von der Zeit, dem Geld oder der Gesundheit eines einzelnen Menschen ab.
Helfen beginnt damit, zu fragen, was gebraucht wird – und einzuhalten, was wir zusagen. Unterstützung ermöglicht es jemandem, sich auszuruhen, in einem Notfall Hilfe zu finden oder eine Kastration rechtzeitig durchführen zu lassen. So wird Fürsorge von einer persönlichen Last zu einer gemeinsam getragenen Verpflichtung.
Morgen wird Luna wieder hinter der Hecke warten. Vielleicht erkennt sie Olgas Schritte und kommt ein paar Sekunden früher hervor. Bis zu diesem kleinen Fortschritt wird es viele Besuche, viel Ruhe und viele Begegnungen gebraucht haben. Für Luna bedeuten diese Schritte, dass sie sich ohne Angst nähern kann. Für Olga wird es eine Erleichterung sein, sie auftauchen zu sehen.
Michi, Luna und Nube brauchen jemanden, der diesem Vertrauen gerecht wird. Wasser, wenn die Hitze drückt, Unterschlupf, wenn es regnet, Versorgung, wenn sie krank werden. Jemanden, der bemerkt, wenn sie fehlen. Wir können uns daran gewöhnen, sie unter Autos oder hinter einem Zaun zu sehen. Was wir niemals hinnehmen sollten, ist, dass diese Gewohnheit ihr Leid unsichtbar macht.
Heute Abend werden wir nach Hause zurückkehren. Sie werden draußen bleiben. Bevor wir die Tür schließen, sollten wir daran denken, dass auch sie Ruhe, Sicherheit und ein Leben ohne Angst brauchen. Mitleid bei ihrem Anblick ist erst der Anfang:
Was wir danach tun, kann ihr Leben verändern. Kein Tier sollte erst bis auf die Knochen abmagern, sich mit einer Wunde dahinschleppen oder vor Kälte zittern müssen, damit wir uns entschließen, ihm zu helfen. Sein Leben zählt schon, bevor sein Leid uns zwingt, hinzusehen.
Die Autorin

Paula Dólera schreibt für das Spanien-Reisemagazin über Tierschutz und Tierrechte. Mehr über die Tierschutzarbeit an der Costa Blanca: Els Poets, Tierschutzverein an der Costa Blanca.




Comments :
Bewundernswert !!!
Als Liebhaberin von Katzen bei denen ich wohnen durfte seit sie bei mir eingezogen waren freue ich mich über diesen so tollen Artikel .
Viel Glück und Energie für die Weiterführung ihrer Arbeit!
Danke für diesen schönen Kommentar. WIr von Spanien Reisemagazin haben mit der Autorin eine echte Kämpferin für Tierrechte. Zum Glück!