Spanien: Wer schützt eigentlich die Tierschützer?

„Auch Menschen, die Tiere retten, haben ihre Grenzen“

Expertin Paula über die missliche Lage in spanischen Tierheimen nach dem Sommerurlaub an der Costa Blanca. Warum die Einrichtungen oft keine Hunde und Katzen mehr aufnehmen können. Und die Häme in den Sozialen Medien schwer erträglich ist.

Von Paula Dólera

Wir Tierschützer in Spanien an der Costa Blanca wissen: Das Ende des Sommers bringt selten Erholung. Viele Heime sind überfüllt, die Pflegestellen rar, die Rechnungen der Tierärzte häufen sich und ständig klingelt das Telefon. Dazu kommen Krankheiten, Notfälle und vieles mehr. Ausgerechnet dann, wenn Hilfe am dringendsten gebraucht wird, müssen wir am häufigsten Nein sagen.

Besonders schmerzen mich dabei alte Hunde und Katzen, die gnadenlos vernachlässigt werden. Was kaum einer sieht: Wir sind es, die versuchen, noch einen Platz zu finden, obwohl längst keiner mehr frei ist. Wir suchen das fehlende Geld zusammen, rufen eine Pflegestelle an, obwohl wir wissen, dass auch sie am Limit ist, fahren zum Tierarzt, verabreichen Medikamente, reinigen, gehen spazieren, machen auf die Tiere aufmerksam und versuchen, eine neue Familie zu finden. 

Doch irgendwann ist auch bei uns das Limit erreicht,  müssen wir Nein sagen. Von außen mag es einfach erscheinen. Jemand ruft an, weil er einen Hund gefunden hat, seine Katze abgeben muss oder von einer dringenden Notlage weiß. Und erwartet, dass ein Tierschutzverein das Tier übernehmen kann. 

Wenn wir antworten, dass wir keinen Platz haben, hört diese Person nur eine Absage. In den sozialen Medien wird uns oft vorgeworfen, nicht zu helfen, das Problem zu ignorieren oder nicht das zu tun, wofür wir angeblich da seien – als könnte ein Tierschutzverein die ganze Welt retten. 

Denn einen Fall anzunehmen, obwohl man ihn nicht mehr angemessen betreuen kann, ist schlecht für die anderen Tiere. Vielleicht ist genau das eine der großen Belastungen im Tierschutz: ständig in der Kluft zwischen all dem zu leben, was man gern tun würde, und dem, was man tatsächlich tragen kann. 

Wie ein Kampf gegen Windmühlen

Die Beziehung zwischen Mensch und Tier beginnt in dem Moment, in dem ein Mensch beschließt, sein Leben mit einem Tier zu teilen. Und versteht, dass er sich nicht nur für den Welpen entscheidet, sondern auch für den zwölfjährigen Hund, der vielleicht Medikamente braucht.

Nach so vielen Jahren ist meine größte Angst nicht, müde zu werden oder erneut um ein Tier zu weinen. Sondern dass ich mich daran gewöhne. Mich erschreckt der Gedanke, dass mir eine Aussetzung eines Tages irgendwann egal ist.

Wir wissen seit Langem, dass ausgesetzte Tiere jemanden brauchen, der sie sieht, aufnimmt, gesund pflegt und ihnen eine neue Chance gibt. Aber auch wir Tierschützer brauchen Verständnis, Hilfe und manchmal die Möglichkeit, „Ich kann nicht“ zu sagen.

Und vielleicht sollten wir genau das bedenken, bevor wir urteilen: Auch Menschen, die Tiere retten, haben Grenzen. Diese zu respektieren bedeutet nicht, Tiere weniger zu lieben, sondern zu versuchen, auch morgen noch für sie da zu sein und sie versorgen zu können.

Wenn eine Gesellschaft die Tiere schützen will, sollte sie uns Tierschützer viel mehr respektieren.

Die Autorin

Paula Dólera schreibt für das Spanien-Reisemagazin über Tierschutz und Tierrechte. Mehr über die Tierschutzarbeit an der Costa Blanca: Els Poets, Tierschutzverein an der Costa Blanca.

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